Gedichte und Aphorismen

Der Verrat

Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk.
Das höchste Gut des Volkes ist sein Recht.
Des Volkes Seele lebt in seiner Sprache.
Dem Volk, dem Recht und seiner Sprache treu,
fand uns der Tag, wird jeder Tag uns finden.

Dieses Gelübde von Felix Dahn (1834-1912) heftete die Stadt Eger an ihr Rathaus. Herta Ruthard prüft unsere Zeit daran (Quelle: „Phönix“ 6/2009):

„Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk“
Das Volk hat sie erniedrigt und im Stich gelassen,
die besten Männer, die es je hervorgebracht!
Anstatt der eig´nen zieht es vor die fremden Rassen,
und diese nehmen in Besitz das Nest, für sie gemacht!

„Das höchste Gut des Volkes ist sein Recht“
Wie könnt´ es anders sein, das Recht ward ihm genommen
von Rattenfängern, denen es geglaubt,
von Geldverleihern, die es übernommen,
und die das Höchste ihm geraubt.

„Des Volkes Seele lebt in seiner Sprache“
Man raubte ihm die Seele und mit ihm das Wort,
das Wort, das deutsche! Seine Lieder, sein´ Gesang!
Eilfertig wirft es seine Muttersprache fort
und übt sich nun in fremder Laute Klang.

„Dem Volk, dem Recht und seiner Sprache treu
fand uns der Tag.“ Und nun? Geführt sind wir von Blinden
dem Abgrund zu! Krank bis ins Mark, fand jeder Tag uns neu,
soll jeder Tag uns finden? Denn Deutschland muß verschwinden?

Steh auf, mein Volk, nur einmal noch verbinde deine Wunden!
Nur einmal noch wirf ab das Joch, und Gott hilft dir gesunden!

Chor der Toten

Wir Toten, wir Toten sind größere Heere
Als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere!
Wir pflügten das Feld mit geduldigen Taten,
Ihr schwinget die Sicheln und schneidet die Saaten,
Und was wir vollendet und was wir begonnen,
Das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen,
Und all unser Lieben und Hassen und Hadern,
Das klopft noch dort oben in sterblichen Adern,
Und was wir an gültigen Sätzen gefunden,
Dran bleibt aller irdische Wandel gebunden,
Und unsere Töne, Gebilde, Gedichte
Erkämpfen den Lorbeer im strahlenden Lichte,
Wir suchen noch immer die menschlichen Ziele –
Drum ehret und opfert! Denn unser sind viele!

Conrad Ferdinand Meyer

Stefan George (1868-1933)

Der Sänger aber sorgt in trauer-läuften
Dass nicht das mark verfault, der keim erstickt.
Er schürt die heilige glut die über-springt
Und sich die leiber formt, er holt aus büchern
Der ahnen die verheissung die nicht trügt
Dass die erkoren sind zum höchsten ziel
Zuerst durch tiefste öden ziehn dass einst
Des erdteils herz die welt erretten soll . .
Und wenn im schlimmsten jammer letzte hoffnung
Zu löschen droht: so sichtet schon sein aug
Die lichtere zukunft. Ihm wuchs schon heran
Unangetastet von dem geilen markt
Von dünnem hirngeweb und giftigem flitter
Gestählt im banne der verfluchten jahre
Ein jung geschlecht das wieder mensch und ding
Mit echten maassen misst, das schön und ernst
Froh seiner einzigartigkeit, vor Fremden stolz,
Sich gleich entfernt von klippen dreisten dünkels
Wie seichtem sumpf erlogener brüderei
Das von sich spie was mürb und und feig und lau
Das aus geweihten träumen tun und dulden
Den einzigen der hilft den mann gebiert ..
Der sprengt die ketten fegt auf trümmerstätten
Die ordnung; Geisselt die verlaufnen heim
Ins ewige recht wo grosses wiederum gross ist
Herr wiederum herr, zucht wiederum zucht, er heftet
Das wahre sinnbild auf das völkische banner
Er führt durch sturm und grausige signale
Des frührots seiner treuen schar zum werk
Des wachen tags und pflanzt das neue reich.

Christengott

Wo bleibst du denn, du tausendmal gerechter
Besorgter Schutzherr deiner Christenheit,
Die schuldbewußt, Geschlechter um Geschlechter,
Sich immer wieder deinem Dienst geweiht?
Wo bleibst du, wenn der nächste Menschenschlächter
Dich Bibelgott der eignen Ohnmacht zeiht?
Wo bleibst du wirklich, hoher Weltenwächter,
Wenn laut dein Adamsvolk um Hilfe schreit?
Du nennst dich stolz: die Wahrheit und das Leben,
Ich sage dir: es hat dich nie gegeben.

Wo bleibst du, Herr, der über jeden Sünder
Das Urteil ewiger Verdammnis spricht?
Wo bleibst du, gnadenvoller Heilsverkünder,
Wenn deine Kirche rings zusammenbricht?
Du hörst das Flehen der Millionen Münder,
Du siehst die Tränen deiner Kinder nicht.
Wo bleibst du, Zions harter Machtverkünder,
Hat deutsches Leid für dich denn kein Gewicht?
Die ganze Schöpfung trüge deinen Stempel?
Man jagt dich jetzt aus deinem letzten Tempel.

Wo bleibst du, der den Abraham versuchte,
Die Juden führte ins gelobte Land,
Wo bleibst du, Jahwe, der das Weib verfluchte
Und dem die Menschheit einen Sohn erfand?
Wo bleibst du denn, der alle Sünden buchte,
Der freie Geister an die Folter band
Und über heuchlerische und verruchte
Landräuber hält die väterliche Hand?
Wo bleibst du denn im Zeichen der Bewährung?
Dein Dasein nicht, dein Nichtsein bringt die Klärung.

Du Zionskönig mit dem Zornesschnauben,
Vor dem die Saat der Geisteskraft verdorrt,
Du Hoffnungsburg der Blinden und der Tauben,
Nur aller Schwachen, nicht der Starken Hort,
Du Kinderschreck für einen Köhlerglauben.
Die Schwachheit schwand, drum kannst du uns hinfort
Nicht länger mehr das Gotteswissen rauben,
Das fest gegründet ist in einem Wort:
Die Erde ward durch dich zum Sündenpfuhle;
Erlösung wird uns erst vom heiligen Thule.

Fritz Stüber – Wien
(1903 – 1978)

Die Wacht am Rhein

von
W.A.Koskenniemi, Finnland

deutsch von Johannes Oehnquist

Wie hat, o Deutschland, alles was verworfen,
sich aufgetürmt auf deinem Golgatha!
Jetzt, wo der Riese endlich umgeworfen,
sind, vielgeschäftig, auch die Zwerge da.

Dein Antlitz zuckt in Schmerzen und in Sorgen,
dein Schwert ist von dem Rost des Neids zernagt.
Doch Deutschlands Tag ist aller Völker Morgen,
und Deutschlands Nacht ist aller Völker Nacht.

O Deutschland, deine Schmach wird bald sich wenden,
und auf zum Morgen führt dein Weg hinan,
und neue, reiche Ernte wirst du spenden,
du aller Völker größter Säemann.

Einst wird die irrgeword´ne Menschheit hüten
dein schimmernd Schild, das heut in Staub versank,
und deines Geistes Macht wird Einhalt bieten
dem Tränenstrom, in dem sie einst versank.

Noch strahlt der Himmel Kants auf Deutschlands Erde,
und Weimars Genius hält uns noch in Bann,
und Worms beut noch in männlicher Gebärde:
„Hier stehe ich, weil ich nicht anders kann!“

Noch trägt dein Faust im Suchen und im Sehnen
das Rätsel, das in seiner Seele wohnt,
und noch schwebt Bach in tiefen Orgeltönen
hinauf, wo aller Menschheit Sehnsucht thront.

Wohl wird im Groben rohe Macht zum Meister,
doch vor des Denkens Größe wird sie klein,
und heute noch steht in dem Reich der Geister
in ungebrochner Kraft die Wacht am Rhein.

Vom Berg der Zeiten blickt sie in die Lande
zum Henker, der sein schmachvoll Werk bestellt,
und unter dem zerschliss´nen Kriegsgewande
schlägt heut wie einst das größte Herz der Welt.

(Das Gedicht ist wohl kurz nach dem Krieg entstanden . . . eine Vision!)

Unseren Toten

Wind!
Kommst Du nach Osten in Steppe und Sumpf und weiter zum Wolgastrand,
So grüß unsere Toten dort, die Helden im fernen Land!
Sag´, in der Heimat da blüht jetzt der erste Mohn,
Und die Stare im Apfelbaum brüten schon.
Kräftig und hoch steht im Felde der junge Klee
Und die Lerchen steigen und singen wie je.
Wind, sag es den Toten, sag´ es behutsam und leis;
Wind, vergiß es nicht – sie liebten Deutschland so heiß!

Sterne!
Seht Ihr im Norden das eisige Land und spürt Ihr sein tiefes Weh,
So grüßt unsere Toten dort, die Helden dort in Nordlands Schnee.
Sagt: In der Heimat da spielt jetzt so manches Kind
Und in goldene Haare greift leiser Wind.
Korn wogt im Felde und duftet im ersten Blüh´n
Und die Erde steht leuchtend im Maiengrün.
Sterne, sagt es den Toten, sie ruhen in Nordlands Eis.
Sterne, vergeßt es nicht – sie liebten Deutschland so heiß!

Sonne!
Kommst Du nach Westen zum Dünenrand und weiter zum grauen Meer,
So grüß unsre Toten dort, die Helden vom deutschen Heer.
Sag: In der Heimat beginnt jetzt die schönste Zeit,
Wo in schattigen Wäldern de Kuckuck schreit,
Trollblumen leuchten und Löwenzahnflocken weh´n
Und in hellen Farben die Wiesen in Blüte steh´n.
Sonne, sag es den Toten, sie ruhen in Düne und Meer.
Sie liebten Deutschland so sehr!

Mond!
Kommst Du nach Libyen und siehst Du den Nil und Afrikas heißes Land,
So grüß unsre Toten dort, die Helden im Wüstensand.
Sag: Daß zu Hause noch immer der Brunnen klingt,
Der von uralten traulichen Dingen singt.
Pfingstrosen stehen am sonnigen Gartenzaun
Und dahinter – Frauen, die still in die Ferne schau´n.
Mond, sag es den Toten, die Wüste ist stumm und leer.
Mond, vergiß es nicht – sie liebten Deutschland so sehr!

Eines nur, Mond und liebes Sonnenlicht,
Eines nur sagt unseren Toten nicht,
Verschweigt es tief, Sterne und leiser Wind,
Sagt ihnen nicht – daß wir verraten sind!

Ursel Peter

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