Über das Singen

Haben Sie jemals davon gehört, daß ein Ortsverband der SPD das Lied „Nichts kann uns rauben“ gesungen hätte? Gewiß nicht, obwohl die Verse dazu von dem historischen SPD-Mitglied Karl Bröger stammen; Heinrich Spitta hat ihnen eine trotzige, düster bohrende Weise unterlegt.

Karl Bröger (1886-1944), war in großstädtische Armut hineingeboren worden, die ganz von selbst der klassenkämpferischen Sozialdemokratie zuneigte. Weil der Geist weht, wo er will, suchte er sich den Hilfsarbeitersohn Bröger und gab ihm Macht über das Wort. Und Bröger schrieb für die SPD, und er dichtete für Deutschland. Als volkstreuer Deutscher war er im 3.Reich wohlgelitten, konnte Bücher veröffentlichen und erhielt Auszeichnungen. Man hatte damals wohl auch vermutet, daß der alte SPD-Anhänger seine sozialen Vorstellungen im 3. Reich verwirklicht sehe. Die SPD zählt Bröger noch heute zu den Ihren. Dazu spaltet sie den Dichter auf: in einen SPDler im Widerstand und einen unzeitgemäßen Deutschen. Diesen deutschen Bröger hat sie – dem Zeitgeist hörig – vergraben, samt seiner Liebe zu Deutschland. Sie singt auf keinen Fall wie er:

„Nichts kann uns rauben Liebe und Glauben zu unserm Land;
Es zu erhalten und zu gestalten sind wir gesandt.
Mögen wir sterben, unseren Erben gilt dann die Pflicht:
Es zu erhalten und zu gestalten: Deutschland stirbt nicht.“

 Mancher wird das Gedicht heute wie einen verzweifelten Aufschrei empfinden, so als sei es aus unserer Gegenwart geboren. Und tatsächlich steht ein idealer politischer Auftrag dahinter. Mit dem Nationalsozialismus aber hatte das Gedicht unmittelbar nichts zu tun. Sein Anliegen ist Deutschlands Zukunft, unabhängig von Parteiungen und Weltanschauungen. Jede Parteiversammlung könnte das Lied heute singen, und es könnte überall dort erklingen, wo die Politiker uns davon überzeugen möchten, wie sehr sie sich für unser Land einsetzen. Aber das ist keiner unserer Parteien zuzutrauen. Hatte es denn der „bayerische Preuße“ Franz Josef Strauß, das selbsternannte nationale Rückgrat der Bundesrepublik, in seiner Ära singen lassen? Auch das wird niemand bestätigen können.

Dem Normalverstand muß das alles unbegreiflich erscheinen. Nachdenken über ein verwandtes Lied kann helfen, einer Klärung näher zu kommen; es ist das einstrophige Lied „Deutschland, heiliges Wort“. Sein Text stammt von Eberhard Wolfgang Möller; die vollendet zu dem Gedicht klingende Weise hat Georg Blumensaat erfunden:

 „Deutschland, heiliges Wort,
du voll Unendlichkeit
über die Zeiten fort
seist du gebenedeit.
Heilig sind deine Seen,
Heilig dein Wald und der Kranz deiner stillen Höhn
bis an das grüne Meer.“

Dieser Text nun ist im Unterschied zu dem des SPD-Dichters Bröger gänzlich unpolitisch, obgleich er von einem jungen NS-Dichter stammt. Wir vernehmen einen ergreifenden Hymnus auf Deutschland und seine Landschaften. Trotzdem ist das Lied nicht mehr zu hören. Im Gegenteil, es ist als trüge unsere Luft jedermann die Warnung zu, es nicht öffentlich anzustimmen – vor 25 Jahren wäre das vielleicht nur blamabel gewesen, heute kann es lebensgefährlich sein. Denn Deutschland als Idee war zuerst zu einer Peinlichkeit, und ist inzwischen zu einem Feindbild gemacht geworden.

Unsere Fremdbestimmung

War das nötig? Versuchen wir Zusammenhänge zu erkennen!

Die Globalisierung konnte Fahrt aufnehmen, nachdem das Deutsche Reich besiegt war. Die deutschen Mitsieger und ihre Begleitmannschaften sind deshalb von den Siegern darauf vergattert worden, den nationalen Mythos verächtlich zu machen und zu begraben. Einen Sprung nach vorn machte die Globalisierung nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems. Folgerichtig wurde es nun – nach der sogenannten Wiedervereinigung – richtig ernst mit der Unterdrückung jeder vaterländischen deutschen Regung. Deutschland hat eine Wirtschaftsregion und Melkkuh im Weltkonzern zu sein, und weiter nichts! Mit allen Mitteln der modernen Psychologie und Propaganda wird jeder Ansatz einer nationalen Mythenbildung weggefegt, neuerdings auch mit strafrechtlichen. Deshalb wird auch der eigene Gesang als die unmittelbare Seelensprache des Volkes zum Verstummen gebracht. Jeder gutmeinende Zeitgenosse wird zugeben müssen, daß schon die eine harmlose Zeile „Deutschland, heiliges Wort“ Unsicherheit oder gar Angstgefühle in ihm aufkommen läßt. Natürlich gibt es auch genug Leute, die beim Hören dieser Worte sogar die Wut packt. Beide Empfindungen sind unbegreiflich. Was haben 65 Jahre Fremdbestimmung aus den Deutschen gemacht!

Sind die Deutschen wirksam zum Selbsthaß umerzogen worden oder folgen sie nur der chinesischen Weisheit, sich wie das Gras im Sturmwind flachzulegen? Sie ducken sich jedenfalls und spielen die Selbstverleugnung mit. Jedoch, in den rd. 65 vergangenen Jahren ist das Naturelement der Gruppenseele, folglich auch die des Nationalgefühls, noch nicht gänzlich ausgelöscht worden. Der Mauerfall und sogar ein Fußballereignis brachten das zutage. Die Deutschen erleben aber täglich, wie ihre Politiker bar jeder nationalen Selbstachtung auftreten; dieser Tage mußten sich ihre höchsten Vertreter wegen der Art und Weise ihres Gedenkens an den Kriegsbeginn vor 70 Jahren „Dienstboten-Charaktere“ nennen lassen. An allen Enden bekommen die Deutschen jetzt zu spüren, was ihnen 60 Jahre einer bundesdeutschen Politik der Selbstverleugnung eingebracht haben. Es ist nicht mehr auszuschließen, daß sie eines Tages die Verkrampfung nicht mehr ertragen, deren Folgen sich im täglichen Leben – also nicht nur in der Angst vor den genannten Liedern – immer schärfer äußern. Es könnte sich ein paradoxes Ergebnis anbahnen. Durch ihre Unfähigkeit und blindwütige Hysterie erheben die Parteien und Medien die Ära des Nationalsozialismus ungewollt zur Epoche einer umfassenden Sorge für den Bestand und die Sicherung des Vaterlandes, wie sie aus den beiden Liedern herausklingt. Oder, anders gesagt: die Herrschenden haben sich so verrannt, daß sich den Deutschen der Eindruck geradezu aufdrängt, die selbstverständliche Liebe zum eigenen Land, zu diesem Land in seiner deutschen Gestalt innerhalb der Völkergemeinschaft, müsse mit einem Grundanliegen des 3.Reiches übereinstimmen. Ist solches denen da oben gleichgültig oder gehorchen sie fremden Weisungen und verlassen sich auf ihre Gewaltmittel?

Dem bis hierher Gesagten könnte nun die freundliche Empfehlung folgen, still abzuwarten, was die Zeit bringen wird – und damit Schluß! Aber so geht es nicht. Wir müssen tiefer graben!

Rückkehr zum mythischen Lebensgrund!

So, wie es dem nüchternen Verstand unbegreiflich sein muß, daß die zitierten, inhaltlich harmlosen Liedtexte aus dem öffentlichen Wissen verbannt werden, genau so unvernünftig muß es ihm beim Blick auf die Lage erscheinen, auf eine schließliche Wiedergenesung unseres Volkes zu hoffen. Es lebt aber eine Wirklichkeit, die sich – hier als Beispiel – in der Wirkung dieser Lieder zeigt. Der Zeitgeist empfindet sie als Bedrohung und sucht sein Heil in gewalttätiger Abwehr. Gerade dadurch macht er aber das Wirken ursprünglicher mythischer Kräfte glaubhaft. Gewiß, das ist ein unscheinbares Beispiel! Doch wer könnte nachweisen, daß demgegenüber im großen Geschehen allein die vordergründigen Mächte des Intellekts und des Geldes entscheiden?

Die Geschichte ist ein wesentlich geistiger Prozeß über einem mythischen Untergrund. Die geschichtsmächtigen Gestalten wachsen aus dem geistigen Boden hervor, den die Völker schaffen und bestellen. Wenn das wirklich so ist, dann trifft jeden einzelnen der Auftrag, seine Seelenkraft und sein geistiges Werk als persönlichen Beitrag zum Nährboden der Geschichte zu erkennen und hochzuhalten. Darin liegen Lebenssinn und Selbstachtung. Auch wenn der Schwerpunkt seit jeher bei einer Elite liegt, so gilt dieses Ethos doch für jeden – und seien seine Fähigkeiten noch so gering. Auf seine Lebenshaltung kommt es an; sie stellt ihn als Charakter mit dem Begabtesten gleich. Ist ein solches Bewußtsein in der Allgemeinheit verbreitet, dann begründet es allein schon einen mythischen Rückhalt für die Gemeinschaft.

Diese Vorstellung bietet auch ein Erziehungsideal, das jedem Heranwachsenden jederzeit in der je angemessenen Weise vorgestellt werden muß. Es vermittelt einen Lebenssinn, der für das Sozialverhalten mehr bewirkt als Vorschriften, Verbote und Strafverschärfungen, wie sie nach den schockierenden Taten Jugendlicher in Winnenden oder jetzt in München-Solln und Ansbach als letzte Weisheiten angeboten werden. Die Tiefengründung der Persönlichkeit im eigenen Volk wollen die Verantwortlichen als Kern des Erziehungsauftrages bislang aber so wenig anerkennen wie die Deutung der Irrsinnstaten psychisch kranker junger Menschen als Anzeichen für den gesellschaftlichen Zusammenbruch. Diesem Urteil kann noch eine Spitze aufgesetzt werden! Dazu sei behauptet, daß die jungen Schläger und Amokläufer nicht in die Psychiatrie und nicht außer Selbstkontrolle geraten wären, wenn sie von Vorbildern so geführt worden wären, daß ihnen – neben manch anderem – auch Lieder wie die vorgestellten einen Teil ihres eigenen Wesens hätten bedeuten können.

Das Lied unserer Jugend

Erst war hier die Rede nur von Nebendingen im Leben, von Lied, Gesang und Musik. Und dann ließ sich von da aus doch leicht der Zugang zu Sinndeutungen finden. Das ist nicht verwunderlich, denn die Musik als dichteste Sprache des Göttlichen ist der Urquell des Mythischen. Aus ihm lebt der einzelne, und aus ihm speist sich der Lebenswille von Völkern und Staaten. Der Mythos (Vernunft) steht über dem Verstand (Intellekt), weil er diesem erst Kraft und Sinn gibt, ihm die Richtung weist. Viele Gesetze und Reglementierungen sind überflüssig, wenn ein mythischer Gleichklang im Volk vorherrscht. Ein solcher war es auch, der unser Land lebenstüchtig, geordnet und sicher gemacht hat solange er durch die moderne Klügelei nicht zerfasert und durch die Überzahl von Fremdeinflüssen nicht verwirrt war.

Unsere Überfremdung festzustellen, leitet zurück zu Lied und Musik. Die Alten hängen überwiegend noch der Musik unserer eigenen großen Überlieferung an. Die Musik, der zu viele unserer Jungen frönen, hat ihre Ursprünge in Afrika und in den Slums der amerikanischen Großstädte. Im Beat, Rock und Pop oder wie man die Stilrichtungen noch nennt, ist sie nur westlich-intellektuell aufgeschwänzt. Auch Elektronik, Wattstärken und szenische Raffinessen machen aus ihr keine Kraftquelle. Sind es denn klare Gestalten und gute Gesichter, die solche Musik hervorbringen? Ist ihre Gesellschaftskritik glaubwürdig? Haben sie Liebeslieder, die zu Herzen gehen? Weisen sie bergan?

Die Verfolgung der nationalen Rockgruppen oder z.B. der „Schulhof-CD“ durch den Verfassungsschutz ist eigentlich unverständlich; denn die Nachahmungen der importierten Geräuschtechnik und die oft verkrampften Kraftausdrücke in den Texten dringen nicht in die Seelentiefen der Jugend und können deshalb keine selbstbewußte Grundstimmung des Gemüts entfachen. Sie reichen nur für Rauschzustände, die dann mit Alkohol abgesichert werden müssen. Krach weckt kein volksbewußtes Fühlen und Denken. Solche Musik ist fremd und unfruchtbar. Sie versperrt die Wege zum Mythos des angestammten Wesens. Die nationalen Geräusch- und Krachmacher müssen zum deutschen Musikverständnis zurückkehren, wenn sie es mit ihrem Anliegen ernst meinen. Dazu müssen sie zuerst Jeans und Unterhemden gegen herkömmliche Kleidung austauschen, und außerdem abspecken; dann werden sie fast von selbst auf eine andere Stimmungsebene gelangen. Unsere Jugend wird nicht eher zu sich zurückfinden als sie im Spiegel unserer Lieder die eigene Seele wiedererkannt hat.

Wiedererwachen

Das war nun eine bittere Klage um das alte und das zeitgemäße deutsche Lied und eine ebensolche Musik. Denn der Rundgesang, das Musizieren und das Miterleben der Musik sind Grundereignisse des Volkslebens. Selbstverständlich sind Malerei, Bildhauerei und Dichtung aus dem mythischen Ganzen des Gemüts- und Seelenlebens eines Volkes nicht wegzudenken. Aber die Musik reicht am tiefsten ins Herz; aus ihr muß der neue Anfang hervorgehen.

Unser Volk gibt sich heute intellektuell verbogen, ist fremden Idealen verfallen und deshalb von seinen Wurzeln abgeschottet. Das kann seinen Tod bedeuten. Den Anschluß an seine große Vergangenheit und seine Zukunft kann es nur gewinnen, wenn es sich die natürlichen mythischen Grundströme wieder erschließt, die zweifellos noch nicht versiegt sind.

Es scheint so, als sei vor allem der Sänger Frank Rennicke auf diesem Weg. Deshalb erleidet er auch Verfolgung. Aber ein Hoffnungszeichen ist doch, daß der gesündere Teil unserer Jugend ihm und anderen Sängern anhängt.

Das mögen Anfänge sein, die den Aufbruch in ein neues Lebensgefühl ankündigen. Wenn sich dieses voll entfaltet hat, wird es die ganze Breite des Lebens umfassen. Freude und Trauer, Geburt und Tod – mythisch überhöht in der großen Einheit des Lebens. Dann erst werden die Deutschen mit ihrem Schicksal ausgesöhnt sein. Dann erst werden sie unbefangen ihre Toten ehren und die Seelenkraft bewundern können, mit der insbesondere im letzten Kriege die Soldaten an der Front und die Mütter und Frauen in der Heimat Schlimmstes ertragen konnten. Das Gedenken an ihre Leiden und Leistungen wird zu einem neuen Mythos der Ehrfurcht heranwachsen, der an den Mythos jener bewiesenen Treue, Tapferkeit und des Opfermuts anschließt.

Es sei zum Schluß erlaubt, in gebotener Verhaltenheit zu zeigen, wie der mythische Strom den Menschen prägen und wie er sich ohne Pathos noch im letzten Atemzug äußern kann. Einem der letzten noch lebenden Angehörigen der Jagdverbände unter Otto Skorzeny weicht ein Erlebnis nicht mehr aus der Seele. Er hielt einen tödlich verwundeten 19jährigen Kameraden im Arm und hörte ihn noch hauchen: „Schade, jetzt ich kann nichts mehr für Deutschland tun.“

Unsere innere Befreiung kann dann gelingen, wenn wir ohne Scheu den Glauben an unser Wiedererwachen durch den Mythos „Deutschland“ bekennen. Alles andere bedeutet Tod.

A. Mitterer, 2009

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