Die Wahrheit des Mythos

„Die deutsche Seele ist besetztes Gebiet“, äußerte David Irving im Jahre 2005 in einem Gespräch über den Untergang Dresdens.

Das Urteil des Engländers trifft ins Schwarze und verdeutlicht, warum die offizielle Politik in der Bundesrepublik zum Beispiel auf ein angemessenes nationales Erinnern an das Massensterben in den technisch perfekt geplanten Feuerstürmen und an die Vernichtung des deutschen Kulturerbes im alliierten Bombenhagel vor 65 Jahren verzichtet. Man sucht zu vermeiden, daß die alliierten Vernichtungsorgien – auch noch in der Endphase des Krieges – öffent­lich als das benannt werden, was sie waren: unerhörte Kriegsverbrechen. Deshalb mußten die Ge­denkveranstaltungen der Lokalbehörden in Dresden, Augsburg usw. in Bußhaltung, also poli­tisch korrekt, abgewickelt werden. Und selbst in der gedämpften Form waren sie nur Verle­genheitsgesten, zu denen man sich durch die von treuen Deutschen geplanten Gedenkfeiern gezwungen sah. Diese aber suchte man mit verzweifelter Anstrengung zu unterbinden und durchbrach dazu bedenkenlos die rechtsstaatliche Ordnung.

Und servil, wie gewohnt: die Presse! Die FAZ (15.2.10) versichert treuherzig, die Dres­dener Bürger hätten sich gegen die „Neonazis“ abgeschottet, weil sie bei ihrem Trauergeden­ken unter sich bleiben wollten. Für diese „große deutsche“ Zeitung bedeutet die Zerstörung Dresdens offenbar nur ein interessantes Lokalereignis. Sie unterschlägt allerdings, daß die Gegen­demonstranten im ganzen Bundesgebiet angeworben und, z.B. aus Stuttgart, mit Bussen herangeschafft wurden. Mag sich die FAZ mit ihrer frisierten Berichterstattung nur absonderlich geben, so gilt das gewiß nicht mehr für eine Äußerung des Professors Rolf-Dieter Müller vom Militärhistorischen Forschungsamt der Bundeswehr in Potsdam. Der wandte sich gegen den „Mythos von der unschuldigen Stadt“. Er erinnerte daran, daß in Dresden die erste Bücherverbrennung stattgefunden habe und die Nationalsozialisten dort viele Anhänger hatten (FAZ 19.3.2010). Wer passende Worte findet, möge das kommentieren, also bitte nicht handgreiflich! Übrigens hat Müller als wissenschaftliches Ergebnis seiner behördlich eingesetzten Historikerkommission erwartungsgemäß bestätigt, daß in Dresden etwa 25 000 Menschen um­gekommen seien. Wenn die Sache jetzt politisch korrekt weiterläuft, dann wird diese Zahl gegen jede „hetzerische“ Überbietung strafrechtlich geschützt werden. Der folgsame Profes­sor Müller wurde aber eindeutig überboten von Leuten, die an die Hauswände malten und es beim Schwenken amerikanischer, englischer und israelischer Fahnen riefen: „Bomber Harris, tu es noch einmal!“ oder „Alles Gute kommt von oben!“. Hier möchte unser Zorn in Mitleid umschlagen. Denn eine frühe Drohung läßt das Urteil von David Irving noch schärfer hervortreten; darüber berichtet der Staatsrechtler Professor Friedrich Grimm, der nach Kriegsende 1945 festgesetzt worden war. Er erhielt im Gefängnis Besuch von einem hochrangigen Mitglied einer Feindzentrale, die deutsche Kriegsgreuel selbst erfand und weltweit verbreitete. Von Prof. Grimm in die Enge getrieben, gestand er: „Wir werden diese Greuelpropaganda fortsetzen, wir werden sie steigern bis niemand mehr ein gutes Wort von den Deutschen annehmen wird, bis alles zerstört sein wird, was sie etwa in anderen Ländern noch an Sympathien gehabt ha­ben, und sie selber so durcheinander geraten sein werden, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun“. An diesem Punkt ist nicht nur der Straßenmob – dank gründlicher Erziehung – ange­kommen; auch höheren Orts weiß mancher nicht mehr, was er letztlich anrichtet, vielleicht aber doch. Der Befund von Irving gilt jedenfalls für die weit verbreiteten milderen Formen der „deutschen Geisteskrankheit“, für solche, die noch nicht nach der Heilanstalt verlangen. Mancher hält gerade sie für unheilbar und für die Ursache unseres Endes. Doch wer weiß?

Mythos

Bei Professor Müller taucht das Wort „Mythos“ auf. Er gebraucht es zwar falsch, weil er eigentlich „Geschwafel“ sagen will; aber hier fällt ein wichtiges Wort. In der geistigen Leere, in die wir gestoßen wurden, müssen wir uns an die Mythen erinnern, die in unseren Lebensformen wirkten. Denn auch die Mythen, die sich um unsere mehrtausendjährige Ausstrahlung und Selbstbehauptung inmitten Europas weben, sagen uns, wer wir eigentlich sind.

Den Begriff „Mythos“ beschreibt der Schweizer Altertumsforscher J. J. Bachofen (1815-1887) als „Exegese eines Symbols“, also als Auslegung oder Deutung. Ungewollt kommt diesem Wortsinn ein Markus Bernhardt näher, den die „AG Friedensforschung der Uni Kassel“ aus „junge Welt“ vom 15. Februar 2010 wie folgt zitiert: „Über 12 000 Nazigegner haben den »Mythos Dresden« geknackt und einen geplanten Aufmarsch von über 6 000 Neonazis aus dem In- und Ausland mittels Massenblockaden verhindert“. Daß Tausende Irregeführter die Dreckarbeit für eine – wie wir gesehen haben – kranke Führung erfolgreich geschafft haben, stimmt zwar. Doch den Mythus Dresden haben sie dadurch nicht „geknackt“. Im Gegenteil, die Art und Weise, wie der Trauerzug verhindert wurde, hat diesem Mythos eine neue Inhaltsnote hinzugefügt: den Verrat an den Toten, den Verrat am eigenen Volk, den Landesver­rat. Dres­den war schon vorher ein bleibendes Symbol; es hat sich jetzt nur noch tiefer und schmerzli­cher in unser Bewußtsein eingesenkt. Der Name der Stadt kann nie mehr so hinge­redet oder –geschrieben werden wie etwa „München“ oder „Hamburg“, ja, nicht einmal wie Hamburg, wo der – vom Feind so getaufte – Feuersturm „Gomorrha“ mehr als 40 000 Deut­sche aufgezehrt hat. Es ist und bleibt Dresden, das zum Symbol geworden ist für den Versuch, das Gesicht Europas zu zerstören. Es wurde zum Symbol für den Untergang von 17 Millionen Deutschen in einem Krieg, der auch auf die Dezimierung der Deutschen abzielte. Am 7.Februar 1945, also wenige Tage vor seinem Dresdener Massenmord, hat Churchill auf der Konferenz von Jalta beteuert, er schlage durchaus nicht vor, mit der Vernichtung von Deut­schen aufzuhören; zuvor hatten sich die „Großen Drei“ gegenseitig schon bestätigt, daß 6 -7 Millionen Deutsche bereits getötet wären und wohl eineinhalb Millionen noch hinzukommen würden.

Die mythische Gestalt des rasenden Todes bleibt lebendig und entreißt unsere Toten dem Vergessen und dem Anschein der Vergeblichkeit ihres Sterbens. Es sind unsere Toten, die von uns verlangen, den Weg als Deutsche weiterzugehen. Hinter den Toten und Trümmerfeldern sehen wir Deutsche die Forderung des Lebens, unsere Art und Gesittung zu bewahren. Martin Heidegger spricht es eindringlich aus: „Die geistige Welt eines Volkes ist nicht der Überbau der Kultur, sondern die Macht der tiefsten Bewahrung seiner erd- und bluthaften Kräfte als Macht der innersten Erregung und weitesten Erschütterung seines Daseins.“ Das liegt im Mythos Dresden eingeschlossen. Unvereinbar damit ist das vordergrün­dige Täuschen und Betrügen der Politiker, die aus dem Totengedenken einen Akt der politi­schen Unter­wer­fung machen, wie es in Dresden und Augsburg geschehen ist.

Aus dem gleichen Grund ist es in dem Parallelfall „Flucht und Vertreibung“ nicht hinnehmbar, daß die damit verknüpften Verbrechen in einen ursächlichen Zusammenhang mit „den nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen“ gebracht werden, wie es der Vizepräsident Salomon Korn als Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland im Stiftungsrat als „grundlegende Veränderung“ des Stiftungszwecks gefordert hat. Das ist ein anderes Kapitel. Denn auch in dieser Forderung schlagen vordergründige politische Anliegen durch. In die gleiche Richtung zielt der Direktor des Frankfurter Jüdischen Museums, Raphael Gross, der dem wissenschaftlichen Beraterkreis der Vertriebenenstiftung angehört. Nach seiner Meinung müsse vor Beginn der Arbeit der Vertriebenenstiftung geklärt werden, „in welchem Verhält­nis Vertreibung, Zweiter Weltkrieg und Holocaust“ zueinander stünden. Ohne eine „grundle­gende Veränderung“ der Arbeit der Stiftung stünden die Deutschen „als größte Opfergruppe“ da; die „Haupttäter des Jahrhunderts wären dann die Alliierten: Briten, Amerikaner, Russen“ (Junge Freiheit 15.3.10). – Das sind Erwägungen auf einer unteren, der politischen Ebene, die sich mit dem Gedenken an die Leiden und Opfer unserer wehrlosen Landsleute nicht verein­baren. Wenn aber, wie es scheint, das Gedenken unter die Fuchtel der Politik geraten ist, dann sollte sich der Stiftungsrat auflösen. Flucht und Vertreibung der Deutschen aus ihrer ange­stammten Heimat stehen als Anklage vor dem Völkerrecht allein für sich. Außerdem sind sie in den My­thos unserer Geschichte eingegangen und auch insofern der Politik entrückt.

Die Wahrheit des Mythos

Nähern wir uns dem „Mythos“! Es gibt eine unüberschaubare Fülle von Literatur über das Wesen und Wirken des Mythischen. Sehr ausführlich befaßt sich damit der Kieler Philosoph Kurt Hübner in einem Buch, das er – für unsere Zeit geradezu herausfordernd – mit dem Titel „Die Wahrheit des Mythos“ versehen hat*). Er durchleuchtet darin das Wesen des Mythischen und seine Bedeutung im Leben, von der Antike bis in die Gegenwart. Besonders die Dichtung Friedrich Hölderlins und das Werk von Richard Wagner und Friedrich Nietzsche bieten ihm Nachweise in Fülle. Er verfolgt die Spuren des Mythischen in unserem Alltag, in Wissen­schaften und Religion, in Kunst und Politik. Wir hören, daß auch das Grundgesetz ohne mythische Be­standteile nicht auskommt, wenn es dort am mythisch angefüllten Wort „Volk“ festhalten muß, wo das mythenfreie Wort „Gesellschaft“ einfach lächerlich wirken würde (vgl. die Prä­ambel). Die Offiziellen wissen, warum sie lieber von „unserer Gesellschaft“ sprechen als von „unserer Nation“; sie leben und denken vornehmlich steril.

Der Mythos ist kein Glaube. Er ist eine Weise der täglichen Erfahrung, die heute aber nicht mehr bewußt erlebt wird. Schon Hölderlin hat den „Verlust der Götter“ wahrgenommen, und er nennt es eine mythische Nacht, in die wir gelangt seien. Nietzsche spricht davon, daß der rastlos vordringende Geist der Wissenschaft den Mythos vernichtet habe. Trotzdem wirkt der mythische Reflex im Menschen bis heute fort, wenngleich er vom Zweckdenken überdeckt, und vom Verstand „unterjocht“ ist.

K. Hübner legt überzeugend dar, daß das physisch Wahrnehmbare nicht die ganze Wirklichkeit ist. Auch Nietzsche macht diese Beobachtung (Der Nachlaß 1.T., 119): „Un­ser Verstand ist eine Flächenkraft, ist oberflächlich. Unser Denken ist . . also etwas, was auf eine Willkür des Menschen hinausläuft und nicht das Ding selbst trifft“. Prof. Hübner weist nach, daß – entgegen einer allgemeinen Vorstellung – auch die exakten Naturwissenschaften auf ihrem eigenen Feld die Welt nicht eindeutig erklären können. Sinn und Wesen des Sichtbaren liegen hinter der Oberfläche verborgen; der Mensch kann sie nur mythisch zu fassen suchen. Die Worte „das Brot“, „der Frühling“, „die Mutter“, „die Fahne“, wiegen schwerer als bloße Be­zeichnungen. Tatsächlich ist der Mythos – ob als mythische Erzählung oder als Symbol – die Erstreckung ins eigentlich Menschliche hinein. Als Qualitäten hat das Tier zwar Intelligenz und seelische Empfindung mit dem Menschen gemein; ihm fehlt aber der Drang zur Deutung des Daseins, wie es sich im Mythischen äußert. Denn der Ursprung von Religion, Philosophie und Wissenschaft ist der Mythos.

Wir sollten beachten, daß es jugendliche Genies waren, die für den Mythos gelebt, wie Hölderlin, oder ihn bewußt ins Denken einbezogen haben, wie Nietzsche. Beide sind Leuchttürme und unvergessen. Aber wer denkt an die ungezählten jungen Deutschen, die vom Mythos Heimat und Vaterland geprägt, in den Krieg und in den Tod gegangen sind? Unsere „posthe­roische Gesellschaft“ (FAZ 30.12.2009) möchte sie als gewöhnliche Unfalltote abstempeln, sinnlos ausgelöscht und daran eigentlich selbst schuld. Sie stiehlt ihnen die mythische Weihe ihres Opfertodes. Dazu muß man Nietzsche hören: „Und gerade so viel ist ein Volk – wie übrigens auch ein Mensch – wert, als es auf seine Erlebnisse den Stempel des Ewigen zu drücken ver­mag. Das Gegenteil dessen tritt ein, wenn ein Volk anfängt, . . die mythischen Bollwerke um sich herum zu zertrümmern.“

An der selben Stelle („Die Geburt der Tragödie“) verweist Nietzsche auf die Grundlage des staatlichen Gemeinwesens: „Ohne Mythos aber geht jede Kultur ihrer gesunden schöpferischen Naturkraft verlustig; erst ein mit Mythen umstellter Horizont schließt eine ganze Kul­turbewegung zur Einheit ab. – Die Bilder des Mythos müssen die unbemerkt allgegenwärtigen dämonischen Wächter sein, unter deren Hut die junge Seele heranwächst, an deren Zeichen der Mann sich sein Leben und seine Kämpfe deutet: und selbst der Staat kennt keine mächti­geren ungeschriebenen Gesetze als sein mythisches Fundament, das den Zusammenhang mit der Religion, sein Herauswachsen aus mythischen Vorstellungen verbürgt. Man stelle jetzt daneben den abstrakten, ohne Mythen geleiteten Menschen, die abstrakte Erziehung, die ab­strakte Sitte, das abstrakte Recht, den abstrakten Staat: man vergegenwärtige sich das regel­lose, von keinem heimischen Mythos gezügelte Schweifen der künstlerischen Phantasie: man denke sich eine Kultur, die keinen festen und heiligen Ursitz hat, sondern alle Möglichkeiten zu erschöpfen und von allen Kulturen sich kümmerlich zu nähren verurteilt ist – das ist die Gegenwart, Resultat jenes auf Vernichtung des Mythos gerichteten Sokratismus“.

Nietzsche erkannte hellsichtig eine Entwicklung, die schon zu seiner Zeit durch profitliche Ablenkung der Deutschen eingeleitet und durch die Niederwerfung Deutschlands nunmehr an einen Zielpunkt gelangt ist. Kein Feld des Volkslebens und des Staates, auf dem heute anderes als nur Ruinen einer mit Hoffnungen gesättigten Ver­gangenheit stehen!

Wo sind Halteseile?

Wer so viel Nachsicht und Geduld hatte, diesen etwas abgehobenen Erörterungen bis hierher zu folgen, der mag jetzt auch nochmal die brutale Wirklichkeit besichtigen. Sie wird hier – ergänzend zu den Ein­gangspassagen – beispielhaft mit der Zusammenfassung eines Artikels von Udo Ulfkotte abgerundet: „Angela Merkel: Die Wahrheit muß den Bürgern vorenthalten werden. – Die Bundeskanzlerin hat die wichtigsten Chefredakteure deutscher Medien zu sich gebeten – und offiziell zum Lügen aufgefordert. Angeblich im Staatsinteresse. Um Panik zu vermeiden. Unterdessen warnt jetzt auch der Bundespräsident vor möglichem »Chaos« und »Unruhen«. Er spricht vom absehbaren »Staatsbankrott«. Und die Fernsehsender weigern sich, darüber zu berichten“. („Kopp exklusiv“ 12/10, Ende März 2010).

Dazu müssen wir uns nochmal verge­genwärtigen: Die staatlichen, gesellschaftlichen und geistigen Institutionen der Nation sind heute ausnahmslos Wachs in den Händen völker- und staatsfeindlicher Interessengruppen. Unsere eigenen Leute haben keine Hemmung, in deren Auftrag die Familie als Kern­zelle des Staates zu zerstören; sie erfinden und verfolgen bisher nie gekannte Straftatbestände usw. und so fort. Die Führungsgarnituren aller Sparten und Ebenen haben das Vertrauen des Volkes verspielt. Wir sind als Volk wehrlos, verraten, verkauft und der Auflösung in einen international verwend­baren „Menschendünger“ preisgege­ben. Wir sind dem reißenden Entwicklungsstrom ausgesetzt, der die schützenden National­staaten abbauen und die Völker in die Versklavung treiben will.

Wo ist noch Halt zu finden – in der buntscheckigen Hammelherde oder in der Wagenburg? Die deutsche Seele ist vom Feind immer noch nicht restlos besetzt. Die Reste verschanzen sich in Igelstellungen. Tausende Familien und Freundeskreise schotten sich ab von Propaganda, Modeströmungen und Ablenkungsversuchen. Sie bewahren die Grundlagen der Staatsordnung. Als innere Wehr hüten sie den Glauben an die eigene Art und die naturreligiöse Gesinnung – mag nun kommen, was da will!

Alois Mitterer, April 2010

*) Kurt Hübner:„Die Wahrheit des Mythos“, C.H.Beck, München, 1985

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