Kraftquellen

Worauf es jetzt ankommt

Ob es wirklich nur ein Nebel ist, der über der deutschen Volksseele lagert? Ein frischer Wind – und weg ist er? Oder sind vielmehr unsere Verfolgungsangst, die Apathie und die Flucht ins Private die Frucht einer eingeimpften, tiefsitzenden Verunsicherung und letztlich der Aus­druck einer vielleicht tödlichen Verletzung der Volksseele? Kurz: Ist uns der Überle­benswille genommen worden? Wir müssen uns darüber klar werden, worauf es jetzt an­kommt.

Der Gründungsidee des „Freundesbriefes“ folgend, bleibt es das Anliegen, die Aufmerk­sam­keit auf die wirklichen Lebenskräfte im Volk hinzulenken; es sind dies die seelisch–gei­stigen, nicht die wirtschaftlichen. Sie gehören zugleich zu den Strömungen, die hinter dem vorder­gründigen Weltgeschehen gestaltend mitwirken. Daraus folgt: Die Kritik an den Zeit­umstän­den ist zwar berechtigt und notwendig. Aber es ist ebenso notwendig, nicht bei ihr ste­hen zu bleiben. Doch der Schritt über die Kritik hinaus in ein aufbauendes Fühlen und Den­ken macht uns offenbar Schwierigkeiten. Ihm steht die gewohnte Rangordnung der Beweg­gründe entge­gen. Da ist einmal unser Sinn für Rechtlichkeit; das heißt, wir fordern zunächst die historische Wahrheit ein, auch wenn wir damit offensichtlich nicht durchdringen. Sodann bin­det uns ein Faktendenken, das nur das vordergründig Faßbare gelten lassen will. Wir wol­len z.B. immer noch politischen Einfluß erzielen, trotz jahrzehntelanger Erfahrung mit unserer Scheindemo­kratie. Dies und anderes zeigt, daß wir dem leichter eingängigen kausalen Den­ken des wissen­schaftlich-techni­schen Zeitalters verpflichtet sind.

Nun wäre es eine seitenfüllende Arbeit, die pseudoreligiösen oder nichtkausalen Erschei­nun­gen zu beschreiben, die heute das sogenannte wissenschaftliche Zeitalter auch kennzeich­nen. Die exakten Wissenschaften – aber nicht nur diese – haben jedenfalls auf allen Gebieten Vor­behalte gegen sich erzeugt, weil in ihren Ergebnissen allzu oft Eitelkeit, Gewinnsucht oder politische Wei­sungen den Vorrang haben. Deshalb ist ihr Anspruch auf absolute Glaubwür­digkeit eine bloße Anma­ßung. Hinzu kommt, daß

Neue Dimensionen des Wissens

Das materialistische Denken der letzten Jahr­hunderte gibt immer noch den Ton an. Sein Zentrum sitzt in den USA. Die Wissenschaften stehen dort eindeutig unter dem Diktat der Wirtschaft. Forschungsthemen und Zielrichtung werden häufig von der Industrie vorgegeben und finanziert. Es ist gewiß nicht übertrieben zu sagen, daß die Freiheit der Forschung in Amerika untergegangen ist.

Es ist keine gesteuerte Psychose, wenn die Ängste vor der Macht der Lebensmittel- und Pharmaindustrie samt ihrer Lobby wächst. Jedermann kennt die Macht und der politischen Einfluß von Monsanto beispielsweise. Sie beutet die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Genforschung und der Chemie rücksichtslos zu Gewinnzwecken aus.
Genauso unheimlich ist die Ausbeutung neuer physikalischer Erkenntnisse für die Zwecke der Kriegswaffen. Wir verstehen jetzt die Warnung der Physiker und Nobelpreisträger Schwartz und Philipp Lenard, die schon vor ?????

obwohl ihm Max Plancks Quantentheorie einen derben Stoß versetzt hat. Die Quantenphysik bestätigt eine bisher unbeachtete Minderheit von freien Geistern, die den ex­akten Wissenschaften nur die Erkenntnis der „halben“ Wirklichkeit zu­traut. Also kommt es heute dringend darauf an, unseren Horizont auf die metaphysische Ebene auszu­dehnen, so gut wir das vorerst vermögen.

Hier sollen zwei Themen aus dem weiten Feld des geistigen Hintergrundes erwähnt werden, die zweifellos einen starken Einfluß auf das Weltbild und die Lebenshaltung des Einzelnen und des Volkes haben können. Dies sind das Mythische und – zum wiederholten Male ge­nannt – die „morphischen Felder“.

Das Mythische

Mythos und Mythen sind Gleichnisse der elementaren Erscheinungen der Natur und des Le­bens. Sie geben in Gestalt von Bildern bzw. Erzählungen Ur-Erfahrungen oder auch schick­salsmächtige Ereignisse symbolhaft wieder. Unser Wortschatz steckt voll mythischen Dop­pelsinns. Ein schönes Beispiel dafür ist das Wort „Brot“. Unsere Geistesgeschichte ist selbst ein Mythos der Philosophie, der Dichtung und Musik.

Alles Mythische ist an die gleichgeartete Erlebnisfähigkeit einer Gruppe, also eines Volkes, gebunden; andernfalls könnte es nicht gleichsinnig empfunden werden und deshalb nicht überdauern. Auf eindringliche Weise hat das jüngst Dominique Venner in seinem letzten Buch „Ein Samurai aus Europa“ am Beispiel der homerischen Gesänge „Ilias“ und „Odyssee dargelegt. Venner findet bei Homer die gleichen Erlebnis- und Empfindungsweisen vor, die noch heute in unserer Rasse lebendig sind. Die mythischen Bilder Homers fesseln uns deshalb unvermindert. Sie bilden unser Naturerleben und unsere Beziehungen zum Mitmenschen und zum Tier ab. Das tragische Geschehen um die Entführung Helenas und ihrer Folgen ist mit der mythischen Er­zählung vergleichbar, die Richard Wagner aus dem Stoff der Nibelungen­sage in seinem „Ring des Nibelungen“ geschaffen hat. Diese Tragödie aus unserem eigenen und jüngeren, dem nor­di­schen Kulturkreis bietet eine Fülle von Gleichnissen, die das Wesen unseres Zeit­alters sehe­risch abbilden.

In beiden Fällen erleben wir keine „Märchenstunde“, sondern bedrängende Wirklichkeit, nämlich die zerstörenden Folgen der Gier. Dominique Venner fordert uns dazu auf, uns dieser Wirklichkeit zu stellen, unser eigenes Wesen als Europäer zu erkennen, es uns wieder zu er­kämpfen und für die Zukunft gegen die Überfremdung zu behaupten.
Mit Richard Wagner zu deuten, ist die „Götterdämmerung“ der herrschenden Idole Geld und ungezügelte Macht angebrochen; die Epoche eines erneuerten Geschlechts ist ausgerufen. Unser Schicksalsweg verpflichtet unser eigenes Volk hierbei wohl am nachdrücklichsten, zum Erreichen geistigen Neulandes beizutragen. Es muß seinen Mythos im Opfer- und Schaf­fens­weg seiner Geschichte erkennen und darin auch das Opfer der in zwei Weltkriegen hinge­sun­kenen Jugend als einen Gipfel an mythischer Bedeutung mit einbeziehen. Besonders die­ser My­thos kann die Seelenkräfte stärken, um das Geisteserbe der Toten übernehmen und das Leben der eige­nen Art weitertragen zu können.

Die morphischen Felder

Das andere Thema ist das der „morphischen Felder“. Um es zu wiederholen: „morphe“ ist im Griechischen „die Gestalt“; „Feld“ ist hier ein Hilfsbegriff in Anlehnung an die ebenfalls unsichtbar wirkenden, aber meßbaren physikalischen Felder des Magnetismus oder der Elek­trizität. Das Verständnis des „morphischen Feldes“ wird erleichtert durch die Vorstellung eines Wir­kungsprinzips, das jeder Zelle eines lebenden Organismus und sogar dem anorgani­schen Kri­stallmolekül die Re­gel des Formwachstums vorschreibt. Rupert Sheldrake, ein eng­lischer Biologe, hat die genial „einfache“ Frage nach der Steuerung der alltäglichen und all­gegen­wärtigen Wachstums-, Be­wegungs- und Heilungsprozesse gestellt und laufend erwei­tert. An diese erste Frage hängt sich die zweite an, nämlich die nach der Befehls- bzw. Infor­mations­übermittlung. Denn ebenso selbst­verständlich wie unerklärlich ist z.B. die Tatsache, daß sich tausend Vögel wie ein einziger Körper bewegen können. Sheldrake bezog weitere verblüf­fende Er­scheinungen am Verhalten von Tieren und von Tiergesellschaften in seine Frage mit ein, die mit dem Hinweis auf den Instinkt nicht zu beantworten ist. Er dehnte seine Frage nach der Steuerung und Befehls­übermittlung auf die Quantenphysik und das mensch­liche Zusammen­leben aus.

Sheldrake´s Beobachtungen münden in die Folgerung, daß es in der Natur eine Hierarchie und „Familien“ von Be­fehlszentralen (er nennt sie „Felder“) geben müsse sowie Wege der Nach­richtenausbreitung, die wir insgesamt nur an ihren Wirkungen erkennen können. Ihr We­sen und ihr Wirkungsmechanis­mus sind uns unbekannt. Wir dürfen sie als Ausdruck göttli­cher Wirklichkeit im Natur­ge­schehen deu­ten, auch wenn wir sie nicht messen und naturwis­sen­schaftlich nicht erklären können.

Von Bedeutung für unser Denken und Handeln in der Gegenwart ist eine Erscheinung, die Sheldrake „morphische Resonanz“ nennt. Damit bezeichnet er die Tatsache, daß sich geistige „Gewebe“, wie Stimmungslagen und auch Wissen und Fähigkeiten, auf bestimmten Gebieten umso mehr verstärken bzw. verbessern können, je mehr sie „bedient“ werden. Hierher gehört auch das gleichzeitige, aber unabhängige Auftauchen von gewissen Fähigkeiten. Beobachtun­gen dieser Art machte man in der Tierwelt. In der menschlichen Gesellschaft ist es bei Erfin­dun­gen nach­gewiesen und an Stimmungslagen, die durch propagandistische Nachhilfe zur „morphischen Resonanz“ gebracht werden können. Die lebhaftesten Beispiele dafür bieten das heutige Gut­menschentum und die politische Korrektheit. Schon die Kinder spüren ihre Regeln.

Wir lernen daraus, daß auch wir „unser“ morphisches Feld verstärken können. Wir erzielen das durch unsere Gedanken, unser Tun und durch unsere Lebenshaltung. Sie entspringen un­serem inneren Antrieb und Willen. Weitere Anregungen holen wir aus der Erinnerung an un­sere Volks- und Sittengeschichte und aus den Schöpfun­gen unseres Kultur­erbes. „Unser morphisches Feld“ verstehen wir als die uns we­sensgemäße Vorstel­lungs- und Gedankenwelt, die erfüllt ist von unseren Begriffen von Sitte und Sittlich­keit, von Gemein­schaft, Staat und Pflichten, von unserer Vorstellung von Schönheit, Rechtlichkeit und Redlichkeit des Den­kens, von Lebensart und Lebenssinn.
Wir stärken „unser Feld“ still in Gedanken oder durch das Gespräch im Familienkreis, unter Freunden oder in der Gemeinschaft. Wir müssen wissen, daß wir für das Klare und Lichte stehen, und daß wir den täglichen Schmutz der Medien nicht in unser Inneres einlassen dür­fen. Wir bekunden es durch unser Auftreten und unsere Klei­dung. Auf solche Weise handeln wir in dem Bewußtsein, daß wir eine gei­stige Einflußkraft stärken, das heißt, daß wir die all­gemeine Stimmung beeinflussen können.
Nach den Erkenntnissen von Sheldrake müßte auf diesem geistigen Weg mehr für die Le­benswirk­lichkeit un­seres Volkes zu erreichen sein als durch politische Mandate.

Wir wissen nicht, was uns die nahe Zukunft bringen wird. Wir wissen nur eins: Wir müssen so denken und handeln als stünde uns eine selbstbestimmte Zukunft bevor, an der wir selbst mitzuschaffen haben. Wir finden dabei den Rückhalt in der Erinnerung und Pflege unserer deutschen Mythenwelt als einer unse­rer Kraftquellen. Und wir bauen auf das Vertrauen in die äußere Kraftwirkung „unseres morphi­schen Feldes“.

Alois Mitterer, Nov. 2014