Gemeinschaft statt Gesellschaft

Entscheidung gegen den Untergang

Eine Meldung

„Annan wirbt für legale Einwanderung. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen fordert die Europäer auf, eine Einwanderungsstrategie zu entwickeln. Die Einwanderer seien nicht Teil der europäischen Schwierigkeiten, sondern ein Teil der Lösung, die den Bevölkerungsrückgang und damit den Arbeitskräfterückgang beheben soll.“ Das meldet die FAZ am 29.1.2004 auf Seite 1 und bringt dazu einen Beitrag von Kofi Annan, in dem er seine Forderung begründet und erläutert.

Europa, die Heimat der Weißen Rasse, soll sich zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil – und auch dem der Migrantenstaaten – für die Bevölkerungsüberschüsse der anderen Kontinente öffnen, fordert der schwarze Afrikaner Kofi Annan!

Europa, schläfst du schon den Todesschlaf? Ist da noch wer, der das Ungeheuerliche und Symbolische dieser Forderung erfaßt?

Kofi Annan: „. . – genauso wie einst die Möglichkeiten der Neuen Welt Millionen verarmter, aber wagemutiger Europäer angezogen haben“.

Begreift ihr, europäische Indianer, welche Fantasien da aufblühen?

Daß für Annan Wirtschaft und Geld die Richtpunkte des Denkens und des Lebens bedeuten, und daß er der Ideologie folgt, Europa müsse aus wirtschaftlichen Gründen in seinem Zustand der Übervölkerung bleiben, ist nicht verwunderlich. Denn der Mann aus Ghana hat seine Bildung im Westen bezogen. Alarmierend ist, daß er beim Geburtenrückgang einhakt und mit dem Heilmittel „Migration“ den Globalisten aus der Seele spricht, immerhin als eine Stimme, die in Neu York, also weltweit, Gewicht hat.

Die Wohlstandsgesellschaft

Die Forderung Annans setzt am vorläufigen Endglied einer Ursachen- und Wirkungskette an. Dieses Endglied heißt Wohlstandsgesellschaft und ist das Ergebnis einer selbstgewählten Entwicklung der zivilisierten Welt. Sie ist keineswegs eine naturgesetzliche Vorgabe, ebensowenig wie der Globalismus eine ist!

Die Wohlstandsgesellschaft ist Selbstzweck, Konsumnirwana auf hohem Niveau. Genauso empfinden sich ihre Mitglieder als ihr eigener endgültiger Zweck. Sie meinen, sich selbst zu verwirklichen. Sie machen es sich zur Pflicht und Aufgabe, ihren Spaß zu haben. Deshalb ersparen sie sich Kinder, denn die sind hinderlich für die Karriere der Frauen und für das Vergnügen der Paare, teuer außerdem.

Den jungen Mädchen wird eingeredet, daß sie es den Männern gleichtun und im Beruf stehen müßten. Wenn sie selbst verdienten, seien sie frei und unabhängig, nicht kümmerliche Hausmütterchen. Sie bleiben meist zu lange oder für immer im Beruf. Also fehlen Mütter.

Abtreibung ist kein Strafrechtsdelikt mehr; sie ist gesellschaftsfähig geworden wie die Homosexualität. Die Abartigkeit des Kannibalen von Rotenburg paßt in den Entwicklungszug der Gesellschaft, sie ist „systemimmanent“. Die Darstellung der Frau als Lustobjekt ist ein ungebrochenes Geschäft. Hohe Ansprüche und geringe Leistungen sind den Kindern Vorbild. Schule und Fernsehen weisen sie in alle Bereiche und Perversitäten des Sexuellen ein. Zu Hause muß oft Geld die Elternliebe ersetzen. Der Nachhilfelehrer ist schon in der Grundschule bald unentbehrlich. Namens- und Scheidungsrecht unterminieren die Familie. Scheidung ist nichts weiter als eine Frage des Geldes. Den familienpolitischen Ansatz der Bundesregierung erläutert die grüne Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast so: „Der gravierendste Unterschied (zur traditionellen Familienpolitik) besteht im Familienbegriff. Wir lassen die Frage, wie Erwachsene miteinander leben, weg. Ob die Eltern verheiratet sind, alleine leben, einen deutschen Paß haben, hetero- oder homosexuell sind – das ist uninteressant. Das ist Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels. Der traditionelle Familienbegriff gilt nicht mehr. Familie ist heute, wo Kinder sind.“

Der letzte Mensch

Das sind einige ausgewählte Seiten aus dem Bilderbuch „Die moderne Gesellschaft“. Sie belegen, daß die Spielregeln fast gänzlich auf die Vorteile und Freiheiten des Individuums ausgerichtet sind, nicht auf das Wohl des Ganzen. Eine solche Ordnung kann vor der Naturordnung auf die Dauer keinen Bestand haben; die Notwendigkeiten des Überlebens haben eine andere ursprüngliche Ordnung erzwungen; ihre Grundregeln gelten auch heute noch, wenn es ernst wird.

Das innere Gesetz der modernen Gesellschaft ist auf die Selbstzerstörung ausgerichtet.

Dieser Gesellschaft fehlt eine Idee, die über sie hinausweist, es fehlt die himmelstürmende Sehnsucht, die das alte Europa trotz allem stets angetrieben hat. Die Gesellschaft züchtet den „letzten Menschen“.

„Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern? – So fragt der letzte Mensch und blinzelt.“ Das ist Friedrich Nietzsches Vision des letzten Menschen in „Zarathustras Vorrede“.

Wilhelm Busch – wer hätte das gedacht – gibt eine Zukunftsvision in „Eduards Traum“: „Das Lachen hatte aufgehört. Zwar hatte man Lachkränzchen . . Es ist ein heiseres, hölzernes, heuchlerisches Lachen.“

Wie die eben Genannten, hat auch Alfred Kubin schon vor hundert Jahren den Verwesungsgeruch der Moderne wahrgenommen. In dem Roman „Die andere Seite“ läßt seine Vision ein magisch regiertes Traumland durch das Gelddiktat des eingedrungenen „Herkules Bell, Milliardär und Pökelfleischkönig“, in Sittenlosigkeit und Chaos versinken.

Nietzsche kündigt im Zarathustra die Ausbreitung der Drogen an: „Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt zu einem angenehmen Sterben.“

Heute gehört das Gift zum Alltag, es ist schon in die Schulen eingezogen. Die Banalität der Gesellschaft – sie erweist sich schon in der Schule -, die Sinnleere, die Langeweile des Konsums, Übersättigung an Fraß und Reizen – das möchte im Rausch vergessen werden. Die Zerfahrenen möchten in der ihnen nachgeworfenen Beliebigkeit und Libertinage endlich Grenzen erleben, und suchen sie in Exzessen. Sie selbst können sich Bindungen nicht mehr setzen; die Gesellschaft ist nur Watte, nicht bindende Gemeinschaft.

Soll es noch dazu kommen, daß dereinst ein chinesischer Historiker zum Thema Europa über Intelligenztiere berichten kann, die sich pfiffig dünkten, weil sie ohne Erinnerung und ohne Vorausschau in den Tag hinein lebten bis es mit ihnen vorbei war? Soll er darüber grübeln müssen, warum die letzten Europäer Staatseinrichtungen schufen, um Kassandrarufe zu unterdrücken?

Finden sich die Europäer in der Lage der Indianer?

Die Wohlstandsgesellschaft ist Menschenwerk, aber ihr fehlt das eigentlich Menschliche. Sie kann keine Kräfte der Selbstheilung entwickeln, ist kein lebendiger Organismus; vielmehr  gleicht sie einer Maschine. Eine Maschine kann sich vor allem nicht selbst reproduzieren.

Vor ihrer schließlichen Verschrottung braucht sie laufend Ersatzteile. Deshalb sind die Ideen des UN-Generalsekretärs systemgerecht. Ihm und den Globalisten ist das Mechanische, Maschinenmäßige ihres Geschäfts offenbar selbstverständlich. Sie fragen nicht nach dem seelischen und biologischen Befinden der Völker, in die sie hineinregieren wollen; sie sehen ihre Aufgabe auch darin, Menschengruppen wie Maschinenteile auszuwechseln. Nach der gültigen liberalen Lehre sind alle Menschen gleich und deshalb gleich verwendbar. Der Bundestag nennt sie „Humankapital“, wenn es um ihren Arbeitseinsatz geht. Nach Kofi Annan sollen sie in Form von Migranten legal und planmäßig – wie Ersatzteile – von ihren „Herstellungs- und Zulieferländern“ nach Europa verfrachtet werden, das die benötigten Ersatzteile selber nicht mehr herbringt.

Das wird wohlklingend human verpackt, zukunftsfreudig gar. Herr Annan möchte mit seiner Forderung zugleich den Schleuserbanden das Wasser abgraben. Das ließe sich wohl auch erreichen, wenn man dafür sorgte, daß die Armen nicht fortgelockt werden, das Geld ihrer Sippe mitnehmen und Gesundheit und Leben riskieren, um ins gepriesene Land zu kommen. Daß sie nicht aus Sehnsucht nach Arbeit fortgehen, müßte Herr Annan wissen, und in den Sozialstatistiken könnte er es nachlesen. Die Deutschen sollen – entgegen Annans Vorschlag – ihre Kinder selber aufziehen; die großen farbigen Talente sollen ihren Heimatnationen Ehre machen, statt als Integrationsprodukte Deutschland verzieren. Daß Integration im übrigen Betrug, zumindest Selbstbetrug ist, sieht Annan an dem Aufleben der ethnischen Selbstbehauptung in den nationalen Ghettos. – Aber wir leben in einer Welt der Lügen.

Diese schicksalhafte Blindstelle der Wohlstandsgesellschaft ist mit einer nüchternen Bemerkung abzuschließen. Weil die Menschen eben nicht gleich sind, werden die Einwanderer den Europäern auch nicht das Schicksal der Indianer Amerikas bereiten können. Sie besitzen nicht die Zielstrebigkeit und Tatkraft der Europäer. Das Wohlleben wird sie noch schneller verderben als ihre Wohltäter.

Außerdem ist noch nicht abgemacht, daß sich die Europäer von den Kirchen und von der übrigen Intelligentsia ihrer Führungsschicht auf die Dauer von nüchternen Tatsachenfeststellungen abbringen lassen; das heißt, sie können – erbbedingt – durchaus nochmal dazu kommen, sich zu wehren.

Die Gemeinschaft

Ohne das Eingeständnis eines jahrhundertelangen Irrweges wird es wohl nicht möglich sein, eine tragende Lebensordnung zu finden, die aus dem Chaos der modernen Gesellschaft nochmal hinausführt in die Zukunft.

Es war eingangs von einer Ursachen- und Wirkungskette die Rede. Das zielte auf die „Geburtsstunde“ der sogenannten Moderne. Sie ist auf den Ausbruch aus dem christlichen Dogmengefängnis zu datieren. Dabei handelt es sich selbstverständlich nicht um ein datierbares Ereignis, sondern um einen langwierigen geistigen Prozeß, der mit der Renaissance einsetzte und in der Aufklärung und im Aufbruch der Naturwissenschaften über die Jahrhunderte fortdauerte.

Diese großartige Entwicklung litt unter einem Geburtsfehler: Als sie die kirchliche Bevormundung schließlich abgeschüttelt hatten, fehlte den Volkskulturen die Bindung an die Naturordnung, in der sie vorher jahrtausendelang geborgen waren; sie war durch die Christenlehre weitgehend zerstört. Hand in Hand mit der Christianisierung war den nordischen Völkern außerdem ihre Sozial- und Gemeinschaftsordnung des freien Bauerntums genommen und dafür das römische Feudalsystem übergestülpt worden.

Mit dem schrittweisen Fallen der christlich-kirchlichen Ketten wurde demnach zwar der geistige Spielraum erweitert; aber die religiöse, naturbezogene Ursubstanz und die gemeinschaftsbildenden Mythen der germanischen Kultur waren äußerlich beseitigt, ebenso – unter dem noch länger herrschenden, kirchlich verquickten Feudalsystem – das soziale Urerbe. Somit fehlten Grundbausteine, auf denen hätte weitergebaut werden können.

Das ist noch nicht alles. Es blieben Erblasten, die bis heute prägend geblieben sind; sie werden in den nachfolgenden aufbauenden Überlegungen gewürdigt.

Aus einem geistigen Nährboden, der von Beginn an verarmt und verseucht war, hat sich das Welt- und Menschenbild der Neuzeit entwickelt, dessen Abklatsch die moderne Gesellschaft ist. Diese steht nun ohne Zweifel vor dem Ende. Zerfallen und verschwinden wird eine gekünstelte Lebensordnung. Aber es werden Menschen bleiben, denen ein höherer Sinn eingegeben ist als den entwurzelten Mitläufern des Zeitgeists, mit oder ohne Ministerrang. Sie werden eine neue Lebensordnung entwickeln, die sich an die Natur hält. Sie werden das Prinzip der Gemeinschaft wieder beleben müssen, damit sie überleben können.

Aufgaben einer neuen Gemeinschaftsordnung

In der entscheidenden geistesgeschichtlichen Phase verfestigten sich im nachträglichen Protest gegen die biblische Irrationalität die Vorbehalte gegen alles, was nicht zähl-, meß- und wägbar ist. Die Ratio oder der Intellekt, beherrscht seither die geistige Welt. So ist den Völkern das Bewußtsein entschwunden, daß die Ratio nicht die ganze Lebenswirklichkeit erfassen kann. Der Verlust der Mythen traf dabei nicht nur die religiöse Neufindung, sondern auch die Wissenschaften und schließlich, im 20.Jh., die Künste.

Die mechanistisch-materialistische Grundhaltung der Naturwissenschaften wurde erst durch Planck und Heisenberg erschüttert. Im ganzen gesehen aber, blenden die Naturwissenschaftler bis heute die halbe Wirklichkeit aus, worauf der Philosoph Kurt Hübner aufmerksam macht.

Diese Einseitigkeit verbündet sich mit dem Mangel an Ehrfurcht vor der Natur oder mit der Einbildung, der Mensch könne sich die Natur gefügig und untertan machen. Man beachte, wie gewisse Naturwissenschaftler in den heiligsten Bezirken der Natur, der Zeugung von Leben, herumfuhrwerken und am menschlichen Erbgut schlossern!

In einem Punkt also blieb die Bibel gültig, und das mit schwerwiegenden Folgen. Die germanische Ehrfucht vor den Geheimnissen der Natur hat sich nicht wieder durchsetzen können. Eine zukunftsfähige Gemeinschaftsordnung wird ein Bewußtsein schaffen müssen, in dem „die Wahrheit des Mythos“ (Buchtitel von Kurt Hübner) und die Ehrfurcht vor der Natur den gebührenden Rang haben. Führen wird nicht mehr der Intellekt, sondern der Verstand. Im Verstand versöhnen sich der Mythos und der Intellekt.

Die Entwicklung der menschlichen Zusammenschlüsse von der Horde zur Sippe, zum Stamm und zum Staat haben die Bedingungen der Natur vor allem in den unwirtlichen nördlicheren Breiten der Erde erzwungen. Die Vorsorge gegen die Notlagen hat die Vorfahren zum Zusammenhalt erzogen. Die überlebensnotwendigen Bindungen an die Gemeinschaft sind ihnen in Fleisch und Blut übergegangen und wurden mythisch überhöht.

Die höherstrebende Organisation bis zur staatlichen Verfassung hat dann den Weg für Naturwissenschaft und Technik geebnet mit dem Ziel einer fortwährend besseren und sichereren Abwehr von Gefahren und eines bequemeren Lebens. Die von der Weißen Rasse entwickelte Technik ermöglicht heute einen Lebensstandard wie nie vorher in der Menschheitsgeschichte. Die hohen Ansprüche und Erwartungen sind so selbstverständlich, daß der ursprüngliche Sinn der Technik vergessen ist. Im gleichen Maße sind aber auch die Voraussetzungen für das Erreichte, nämlich Verzicht, Einsatz, Disziplin, Opferbereitschaft usw. vergessen worden. In der zivilisatorischen Bequemlichkeit können sich die diversen Freiheiten und Emanzipationen gefahrlos aufblähen. Der Ernst und die Anforderungen des Daseins werden belächelt. Der Strom kommt aus der Steckdose und die Rente ist sicher, Familie braucht`s nicht.

Es gab eine Zeit, da hatten die Deutschen ein hohes Staatsethos und waren auf dem Weg zu einer auf das allgemeine Wohl ausgerichteten Gemeinschaftsordnung. Die Grundlage waren ihre staatsbürgerlichen Tugenden. Diese hat den Deutschen der stete Kampf um die Selbstbehauptung in ungeschützten Grenzen anerzogen; sie leiten sich aber zweifellos auch von ihren im Blut vererbten Anlagen her. Hier ist – um es deutlich zu sagen – vom deutschen Sonderweg die Rede. Er hätte nicht, wie verleumderisch gelehrt wird, an der Demokratie, sondern am Sumpf der modernen Gesellschaft vorbeigeführt. Daß die Deutschen heute mit in diesem Sumpf stecken und ihre Staatsfähigkeit und das Staatsethos weitgehend verloren haben, das hat besondere Gründe. Sie hängen mit einem anderen verhängnisvollen Erbe aus christlicher Zeit zusammen.

Die vom Widerspruch zum Christentum geprägte Geistesrichtung, die mit den Schlagworten Aufklärung, Liberalismus, Moderne umschrieben wird, hat ausgerechnet die übelsten Seiten des Christentums übernommen und pflegt sie bis heute: Erlösungsmonopol, Missionsdrang und Heuchelei. Der Liberalismus in seinen Spielarten ist die Ideologie der Intoleranz. Das Thema ist bücherfüllend und so alt wie die liberale Denkungsart selbst. Der Geist von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ hat in Frankreich die Vernunft zur Göttin erhoben und zugleich Ströme von Blut fließen lassen. So ging es im Namen der Demokratie, doch im christlichen Stil, also blutig und heuchlerisch, weiter. Unterwegs ist Deutschland demokratisiert worden, und die Missionare der Demokratie stehen inzwischen im Irak. Der US-amerikanische Historiker Gordon.A.Craig hat immerhin einmal durchblicken lassen, daß Deutschland letztlich deshalb zweimal zusammengeschlagen worden ist, weil es sich dem Egalitarismus und Demokratismus des Westens widersetzt hatte. Was nun den heutigen Zustand Deutschlands betrifft, so ist festzustellen, daß seine Umerziehung wirksam war, leider mit dem Erfolg, daß auch seine Zukunft beendet erscheint. Die Frage ist, ob dann immer noch Liberale herumstehen, die wieder Nachsicht walten lassen wie heute gegen die Kommunisten trotz deren Verantwortung für 100 Millionen Opfer: Sie haben es aber doch eigentlich gut gemeint?

Von existentieller Bedeutung ist eine der Gemeinschaft verpflichtete Wirtschaft. Nach westlichem Vorbild und unter dessen Druck ist die deutsche Wirtschaft zum Instrument der Kapitalansammlung geworden. Sie folgt nicht mehr den Regeln einer nationalen Volkswirtschaft, sondern denen der Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl. Von der Frühverrentung bis zur Verlagerung der Betriebsstätten in Billiglohnländer ist eine unüberschaubare Menge von profitablen Schachzügen legalisiert worden. Die Not und die Pflicht zur Solidarität wird hier grundlegende Änderungen erzwingen, die aber auch wiederum nur dann wirksam werden, wenn der Sinn für die Gemeinschaft sie trägt.

Seit dem Untergang Roms bietet die Geschichte eine Fülle von Lehren über den Untergang von Staatswesen. Daraus sind Schlüsse zu ziehen. Die Zukunft ist trotz allem offen. Es ist heute die Verpflichtung der fähigen, volksbewußten Köpfe, die gemeinschafts- und staatstragenden Fundamente gedanklich zu erfassen. Das Schicksal könnte noch einmal nach ihnen greifen.

Die bürgerliche Freiheit

Die kirchliche und feudale Knechtung erzeugte einen Freiheitsdrang, der sich schließlich in  Freiheitenexplosionen und Emanzipationswut entlud, an denen heute die Gesellschaft zerbricht. Sie hatte auch den Boden für die liberale Gemeinschafts- und Staatsfeindlichkeit bereitet. Die Knechtung der Untergebenen bis hin zur Leibeigenschaft züchtete auch im germanischen Raum Mißtrauen gegen Gemeinschaftszwänge, die man sonst nur aus dem Mittelmeerraum, dem Ursprung der romanischen Herrschaftsformen, Feudalismus und Imperialismus, kennt. Denn dort ist „Staat“ seit der Antike verständlicherweise mit dem Begriff „Ausbeutung“ gleichgesetzt.

Diese Neigungen pflegt der Liberalismus auch hier und bis heute. Er verbündet sich nun mühelos mit kapitalistischen Interessen, und da sich über beides alle politischen Lager einig sind, geht es jetzt im Galopp an den Abbau des „Herrschaftsinstruments“ Staat. Es wurden zentrale Hoheitsaufgaben wie die Sicherung des Verkehrs und des Nachrichtenwesens privatisiert und damit der Streikgefahr und Schlimmerem ausgeliefert. Damit geht es weiter; angeblich wird so der Bürger immerzu freier; vor allem geht vorerst noch Geld ein.

Das schwerwiegendste Zugeständnis des Staates als Gemeinwesen ist der Verzicht auf eine Bevölkerungspolitik im Sinne des sonst heilig gehüteten Grundgesetzes, nämlich zur Erhaltung der Identität des Staatsvolkes.

Einige Wesen, die biologisch zu den Frauen rechnen, hört man schreien „Mein Bauch gehört mir!“ In angemessener Achtung vor dem Willen der Natur und der Würde der Frau ist auf diesen Exzeß der Freiheit zu erwidern: „Die Mütter gehören der Gemeinschaft! Mütter bedeuten Zukunft!“ Ein solches Verständnis der Bestimmung der Frau ist nicht mit Befehlen zu erzwingen. Es setzt einen tiefgreifenden Bewußtseinswandel voraus. Dieser muß aber noch viel mehr erfassen als das Selbstverständnis der Frau. Zu ihm gehört auch die Rückkehr der Empfindung für das Zusammengehören der Brüder und Schwestern der gleichen Schicksalsgemeinschaft. Der Wandel muß die Vorliebe für das Eigene in Sitte und Sprache, in Musik und Kunst wieder zurückholen. Die Deutschen müssen die Verpflichtung gegenüber den Ahnen und den Kommenden wieder spüren. Daraus erst kann sich der neue – und zugleich alte – Freiheitsbegriff entwickeln. Er wird freiwillige Selbstbeschränkung aus Rücksicht auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft einschließen. Der Gesetzgeber muß dann auch nicht den Schlaumeiern hinterherlaufen und ihnen jedes Schlupfloch versperren, durch das sie den Pflichten gegenüber der Gemeinschaft entweichen könnten.

Eine Wende in diese Richtung ist nicht zu erwarten, solange Leute wie der Bundesinnenminister „Patriotismus ohne völkisches Denken“ von den Deutschen fordert (FAZ, 1.12.2003,S.4) und die deutsche Öffentlichkeit stramm steht.

Dieses Zitat sollte zum Abschluß den Blick nochmal auf eine Gesellschaft lenken, die ideell vor dem Nichts steht, die alle Brücken in die Zukunft abreißt.

Das Alte will offenbar stürzen. Laßt es fallen! Es gilt, das Neue im Geist vorzubereiten!

  1. M. Februar 2004

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