Heimkehr zum eigenen Wesen

„Ich begreife nicht, wie ein Deutscher je christlich empfinden konnte“.

Fr. Nietzsche „Der Antichrist“ (60. Aphorismus)

Anmerkungen zum Thema

Friedrich Nietzsche schrieb 1888: „Wenn ich dem Christentum den Krieg mache, so steht dies mir zu, weil ich von dieser Seite aus keine Fatalitäten und Hemmungen erlebt habe“ („Ecce Homo“, 7.Aphorismus). Im Vorwort zum „Antichrist“ – ebenfalls 1888 – schätzt er die Wirkung seines Kampfes zeitlich ab: „Erst das Übermorgen gehört mir“.

Sind wir heute, nach 115 Jahren, in diesem Übermorgen angekommen? Es könnte so sein. Denn wir brauchen kein „Anti“ mehr und keinen „Krieg“ noch überhaupt eine Auseinandersetzung mit der Christenlehre oder den Kirchen. Dort ist die Luft raus, und die Kirchen leeren sich. Das haben wir Nietzsche und anderen Vorkämpfern zu verdanken – und dem „American Way of Life“, der seit 1945 auch in Europa jede Geistigkeit, so auch die christliche, auslaugt. Die nachbarliche Aufpasserei über den Kirchgang und die pastorale Einmischung bis zur gesellschaftlichen Ächtung, kurz, die Jahrhunderte währende, christlich geschürte Bürgerkriegsstimmung ist vorbei.

Dieser Beitrag ist deshalb alles andere als ein Streitgespräch oder eine Rechtfertigung des „Glaubensabfalls“. Er richtet sich nicht an Christen, sondern an Zeitgenossen, die den Christenglauben bewußt hinter sich gelassen haben oder erst gar nicht in ihn hineingewachsen sind.

Das Thema soll nicht von der Idee des Kampfes getragen sein, sondern von der Sehnsucht nach unserer geistigen Urheimat.

Klärung des Standpunkts

Der gläubige Christ – sollte er hier versehentlich zuhören – muß sich nicht betroffen fühlen, sobald der Groll über den versuchten Seelenmord an unserem Volk hochsteigt, den die gewaltsame oder listige Christianisierung bedeutete. Jedem ehrlichen Christen – insbesondere unseren nationalen Mitstreitern darunter – sei an dieser Stelle versichert, daß wir seine Redlichkeit und intellektuelle Fähigkeit nicht bestreiten. Solche Rücksichtnahme auf unsere christgläubigen Zeitgenossen ist eigentlich übertrieben; man bedenke nur, mit welcher Fühllosigkeit die Religiosität unserer Vorväter zertrampelt und ihre Überlieferungen zerstört worden sind. Weil wir aber in germanischer Art denken, sind uns Rachegefühle und missionarischer Eifer fremd; deshalb achten wir am ehrlichen Christen eine unantastbare, tiefinnerliche Bindung an seinen Glauben. Ritterlich üben wir Toleranz, obwohl diese unserem Volk mehr als 1500 Jahre lang verweigert worden ist, und wir erwarten das Gleiche von den Christen. Das schließt aber nicht aus, daß wir unseren unverbildeten Verstand gebrauchen und dann zu Urteilen kommen, die der Christenlehre nicht schmeicheln, die aber ausgesprochen werden müssen, wenn sie unser Bewußtsein erhellen können. (Hinweis: Die Redaktion ViB hat hier einen Satz eingefügt: “Deshalb stehen wir der christlichen Lehre und ihren Moralvorstellungen unduldsam gegenüber.”)

Aufzuräumen ist mit einem Vorurteil, das sogar in nationalen und kirchenfernen Kreisen oft zu hören ist. Gemeint ist die Warnung, daß mit dem Zerfall „der Religion“ – zur Täuschung oder gedankenlos mit dem Christentum gleichgesetzt – auch der sittliche Verfall voranschreite. Als wirkte das Christentum heute noch als moralische Bremse oder wäre eine solche je gewesen! Der sittliche Hochstand unserer Ahnen war über die Jahrtausende ohne die Erwartung von Strafe oder Belohnung im Jenseits herangewachsen. Das Sittengesetz in seinen rassischen und stammesmäßigen Ausprägungen ruht – über den Erb gang – im Menschen selbst. Ihm zu genügen, macht erst die Würde des Menschen aus. Diese Einsicht erst führt zurück in die Sittlichkeit; Beichte und „Sündenvergebung“ leisten das nicht, im Gegenteil; sie wirkten schon immer als Freibrief für jegliche Lumperei.

Der Weg und das Ziel

Der Durchbruch zum eigenen Wesen erscheint uns als eine Grundvoraussetzung für eine deutsche Erneuerung. Das Wissen vom eigenen Wesen, das Bekenntnis dazu und das Leben danach muß deshalb das Ziel einer neu ausgerichteten deutschen Volkserziehung sein. Damit sind keinesfalls krampfhaft nachgestellte Kultformen gemeint. Der erste Erziehungsschritt muß vielmehr der Anstoß zu einem Bewußtseinswandel sein, nämlich hin zur Selbstachtung und Erkenntnis des deutschen Eigenwerts. Die Freude darüber, Erbe und Übermittler deutscher Art zu sein, ist die erste Voraussetzung für ein allmähliches Wiedererwachen unserer eigenen Frömmigkeit und somit für ein ganzheitliches Leben aus dem eigenen Wesen.

Der Zeit dafür ist gekommen. Das verblassende Christentum hinterläßt eine Lücke, die geschlossen werden muß. Das verlangt die natürliche religiöse Grundveranlagung des Menschen. Beweis für die schon eingetretene Leere ist der aufkeimende Wildwuchs an schillernden Sekten. Diese hängen oft wieder an den biblischen Überlieferungen oder holen indische und ostasiatische Religionen herein. Das führt wieder nur in die alte Sackgasse der Überfremdung des eigenen Wesens.

Uns geziemt ein Hinhören auf ein ahnendes Erinnern, auf den Nachklang der ehrfürchtigen und naturverbundenen Seelenhaltung der Altvorderen; es muß uns noch möglich sein. Wir müßten Reste eines ungeschriebenen Wissens von den Urmüttern her noch im Blut haben. Dann stünden wir vor einer Heimkehr oder Rückkehr zu unserem angeborenen, aber verschütteten Lebens- und Sittengesetz.

Zeichen eines Aufbruchs

Eine neue Bewußtseinslage werden die Deutschen nur gewinnen, wenn sie die vorderasiatisch-orientalisch-mittelmeerische Bilder- und Ideenwelt, aus der das Christentum hervorgewachsen ist, durch eigenes Fühlen und Denken ersetzen. Diese Einsicht tritt jetzt immer wieder hervor und äußert sich in klaren Distanzierungen von der Christenlehre.

Tatsächlich darf es kein Zurück zu einem Reformchristentum, ob katholisch oder evangelisch, geben. Die Behauptung etwa, die Reformation sei die Vollendung des germanisierten Christentums, und Luthers Reformation sei eine deutsche Religion gewesen, hat sich als bloße Einbildung, als eine Chimäre erwiesen. Die Tat Luthers muß heute, nach dem fortdauernden Volksverrat der evangelischen Kirchen Deutschlands seit 1945, als das zweite große Unglück der Deutschen nach Karl, dem sogenannten Großen, betrachtet werden. Dietrich Schuler verweist auf die Tragik, die darin liegt, daß Luthers Reformation dem Christentum durch den Zustrom deutscher Kraft und Innerlichkeit vom Totenbett aufgeholfen hat. Eine Neubesinnung wird ohne Einsicht in diese deutsche Tragödie nicht lebendig werden.

Die Scheidung der Geister liegt in der Luft. Die jüngsten Beweise dafür sind die Schriften von Dietrich Schuler, der in beglückend eindeutiger Weise die Geisteskrankheiten der Zeit bis in die Politik und Geschichte hinein verfolgt und ihre christlichen Wurzeln freilegt. Dietrich Schuler hat Vorgänger und Mitstreiter. An hervorragender Stelle sind Pierre Krebs – von ihm ist hier das Wort vom „Eigenen Wesen“ entlehnt – und die erst jüngst verstorbene Religionsphilosophin Sigrid Hunke zu nennen.

Die Schriften dieser drei zeitgenössischen Rufer einer arteigenen Religiosität öffnen auch den Blick auf frühere und früheste Vorläufer. Sie sind vor allem auch der Schlüssel zu einem persönlichen Weg. Die Wege der Suchenden werden verschieden sein, wie schon die Ansätze und Betonungen der drei genannten Denker. Denn auf diesem weiten Feld gibt es keine Dogmen; es herrscht die Freude an der geistigen Freiheit und am Abenteuer des Denkens, Suchens und Findens. Hier strömt die ewige Sehnsucht, die heute befreit ist von kirchlichen Fesseln und Drohungen.

Allerdings verbindet sich damit noch keine Wegempfehlung für das breite Volk; es muß noch warten. Es werden anfangs nur wenige sein, die das innere Feuer antreibt, wenige, die ihre Sehnsucht – die innere Gegenwart des Göttlichen – nicht ruhen läßt. Aber diese Wenigen müssen die geistige Atmosphäre mit ihren Gedanken so aufladen, daß daraus eine Grundschwingung erwächst, die das Volk erfaßt.

Ansätze und Grundsätze

Der Weg dorthin ist weit und mühsam. Das liegt auch daran, daß zuerst noch wohlmeinende Voreingenommenheiten zu berichtigen sind. Das beweist Karl Hein mit seiner Kritik am Deutschen Idealismus (“Weltweite Ideale oder biologisches Ethos unserer Art?“). Er hat scharfsichtig aufgedeckt, daß der idealistische deutsche Geist des 19. Jahrhunderts am christlichen Bild des persönlichen allmächtigen Gottes und an der weltweiten Gültigkeit dieses Gottesbegriffs festgehalten hat. Dadurch sei die vor oder mit der Romantik aufbrechende religiöse Erneuerung unterlaufen worden.

Der monotheistische Gottesbegriff ist überhaupt mit der artgemäßen Religiosität der Völker unvereinbar. Die wesensbedingten Unterschiede in den religiösen Vorstellungen der Rassen und Völker sind eine Tatsache. Folglich widerspricht die dualistische, monotheistische Denkhaltung des Deutschen Idealismus der Wirklichkeit.

Teil dieser Vorstellungen ist auch die Lehre, der Mensch sei das Ebenbild seines Schöpfergottes. Daraus folgt der Schluß, daß der Mensch außerhalb der Naturordnung stehe und deren Gesetzen nur bedingt unterworfen sei. Das ist der Ursprung der Dogmen, die das Christentum und den Liberalismus, diese Aftergeburt des Christentums, zu Totengräbern der Weißen Rasse werden ließen. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ – Das Wort trifft die Sache, auch wenn es im Neuen Testament steht.

Selbst namhaftere Geister jener Zeit haben nicht erkannt – oder darüber geschwiegen – , daß das Wort „Gott“ fast gänzlich ungeeignet ist, das auszudrücken, was uns beseelt. Denn die Offenbarungsreligionen haben „Gott“ mit solchen Eigenschaften belastet, daß sogar wir einen so „heruntergemachten“ Gott vor seinen Dienern und Gläubigen in Schutz nehmen möchten.

Dietrich Schuler (“Jesus – Europas falscher Gott“) bestätigt die These von Karl Hein, wenn er feststellt, daß erst Nietzsche – lange Zeit als einziger – den notwendigen Bruch vollzogen hat. Er hat diesen Schritt gewagt, allen großen Denkern seines Jahrhunderts zum Trotz, und in dieser Lebensfrage über Kant hinausgelangend.

Die anstehende Berichtigung lieber alter Vorstellungen geht so weit, daß auch dem Wort „deutsch“ ein neuer Klang verliehen werden muß, wenn wir zum Kern nordischer Haltung vordringen, aber unser Leit- und Selbstbestimmungswort „deutsch“ dennoch nicht aufgeben wollen. Das „Deutsche“ – so sagt ein nachdenklicher kluger Freund – ist mit dem Makel des „Micheltums“ beladen. Der „Michel“ sei untrennbar mit der biederen, arglosen und naiv protzigen „Christelei“ verbunden, die sich schon vom „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ herleite, einem der größten Mißverständnisse oder Täuschungen der Weltgeschichte.

Was ist zu tun?

Die 1 500 Jahre währende christliche Indoktrination ist nicht ungeschehen zu machen. Sie hat den Gang der Geschichte bestimmt und ein sichtbares Erbe an Zuständen und auch an großen schöpferischen Leistungen hinterlassen. Nebenbei ist festzuhalten, daß die deutschen und nordeuropäischen Kunstschöpfungen oder die Entwicklung der Staatlichkeit usw. nicht dem Christentum zu verdanken sind, sondern von diesem nicht verhindert werden konnten.

Den weiteren Gang der Dinge belastet nun die Tatsache, daß die artfremden Denkformen und Bilder im Unterbewußten unseres Volkes immer noch verankert sind. Sie wirken deshalb auch in jenen nach, die sich einbilden, die Christenlehre durchschaut und abgelegt zu haben. Das ändert sich aber schon bei der heutigen Jugend. Sie entkommt der früheren kirchlichen Praxis, die – medizinisch gesprochen – das „induzierten Irresein“ ihrer Schäfchen zum Ziel hatte, das heißt, das partielle Aussetzen des Verstandes. Die Psychologie nennt das „Gedankenabriß“ und kennt diesen lebenslang bindenden Bann, wenn es gelungen ist dem Menschen im spätkindlichen bis jugendlichen, also im bildungsfähigsten Alter bestimmte Bilder und Glaubensinhalte einzupflanzen. Ein historisches Beispiel dafür ist die fanatische türkische Elitetruppe der Janitscharen im 14. bis 17.Jahrhundert. Sie wurde aus Christenkindern des Balkan rekrutiert und muslimisch umerzogen. Unseren Kirchen sind heute die Kinder und Jugendlichen entglitten, weil ihnen die bannende Kraft entwichen ist, die sie noch bis zum Wirksamwerden der alliierten Umerziehung der Deutschen nach 1945 anwenden konnten. In der übrigen westlichen Welt ist das Christliche seit jeher ohnehin nur ein süßlich bedruckter Vorhang vor der Wirklichkeit. Die Blockade des Denkens und Fühlens der Deutschen ist künftighin nun wenigstens an dieser Front aufgehoben. Deshalb kann und muß jetzt die in allerhand Lücken versteckte christliche Denk- und Urteilsautomatik bewußt aufgespürt und abgeschaltet werden.

Sodann müssen wir versuchen, in die Tiefen unseres seelischen Erbes vorzudringen.

Einen Lehrplan dafür gibt es nicht. Aber es gibt Anregungen, die in jüngster Zeit vor allem von Sigrid Hunke, Pierre Krebs und Dietrich Schuler ausgehen. In dem Buch „Europas eigene Religion“ gibt Sigrid Hunke einen geistesgeschichtlichen Überblick über das zähe Fortleben des arteigenen Denkens unter der christlichen Vorherrschaft.

Der Suchende stößt dann auf eine Fülle weiterer Gestalten aus Philosophie, Dichtung, Geschichtsschreibung, bildender Kunst und Musik. Sie zusammen vermitteln eine Vorstellung von der Weite und Tiefe des deutschen Wesens – als stets lebendiger Ausdruck deutscher Religiosität neben oder hinter den christlichen Aufmachungen.

Einen guten gedanklichen Einstieg bietet Sigrid Hunke mit der Aufklärung über das sich ergänzende Begriffspaar „Einheit“ – als Gegensatz zum Dualismus – und „Ganzheit“. In „Überwindung des Dualismus“, ihrem gleichnamigen Beitrag im „Handbuch zur Deutschen Nation“, Bd.3, hrsg. v. Bernard Willms, stellt sie die bekannten Konstruktionen des dualistischen Denkens – Diesseits/Jenseits, Gott/Welt, Gott/Mensch, Leib/Seele, Geist/Materie usw. – vor und beschreibt den gedanklichen Weg vom „Einheitsdenken“ (statt des dualen Denkens) zum ganzheitlichen Denken, das inzwischen in manchen Lebensbereichen schon selbstverständlich geworden ist, wie z.B. als Erkenntnisgrundlage der Ökologie. In die gleiche Richtung weist Dietrich Schuler.

Die Suchenden leitet die verpflichtende Ahnung, daß in jedem Menschen von innerem Rang ein Funken des Göttlichen wirkt. Wir dürfen darin das evolutionäre Prinzip der Natur sehen, das über den Menschentyp der Jetztzeit hinausweist. Wir sind auf dem Weg; und es gelte das Wort von Martin Heidegger:

„Wir wollen uns selbst!“

M. Nov. 2003

Literaturhinweise:

Sigrid Hunke: „Europas eigene Religion“

„Überwindung des Dualismus“ in „Handbuch zur Deutschen Nation“, Bd.3

Dietrich Schuler: „Zeitenwende total“

„Jesus, Europas falscher Gott“

Pierre Krebs (Hrsg.): „Mut zur Identität“

„Geistesgegenwart der Zukunft in der Morgenröte des Ethnos“

„Im Kampf um das Wesen“

Karl Hein: „Woher? Wohin?“

„Weltweite Ideale oder biologisches Ethos unserer Art?“

Konrad Fichtel: „Roms Kreuzzüge gegen Germanien“

Kurt Hübner: „Die Wahrheit des Mythos“