„Macht des Volkes Seele stark!“

Der Zuruf von Erich Ludendorff öffnet den Blick auf die, aller mythischen und musischen Bilder beraubte, Geisteslandschaft unserer Gegenwart. Ludendorff hat schon in seiner Zeit – also vor 90 Jahren – gesehen, wie das Denken in Machbarkeiten und Geld den Seelengrund des Volkes auszehrt. Diese Entwicklung hat sich seit der Entmündigung unseres Volkes verschärft bis hin zum unmittelbar drohenden Seelentod. Die Frage lautet demnach: Wo sind die Kraftquellen, aus denen sich unser Volk in seiner Erschlaffung stärken kann?

Die seit der Ausgabe 3 – 2011 in ViB geführten Wechselgespräche über das Religiöse konnten klar genug zeigen, daß die gesuchte Kraftquelle nicht in den Lehren des Christentums zu finden ist. Aus keiner Anpreisung des „kosmischen Christus“ leuchtete die rettende Idee für unser im Sterben liegendes Volk hervor. Im Gegenteil, die Gegeneinanderstellung der Argumente erwies die christlichen Vorstellungen und Lehren sogar als den Todeskeim der Weißen Rasse und ließ unsere Christianisierung als das Urverhängnis Europas erscheinen. Die evangelische Theologin Dorothé Sölle kam zu der erschütternden Einsicht: “Keine andere Religion unseres Kulturkreises hat die Welt in ähnlicher Weise entheiligt, entgöttert und profaniert, wie es die jüdisch-christliche ihrem Ansatz nach getan hat.”

Gleichwohl! Jeder soll glauben, was ihm gut und richtig erscheint! Die seelischen Bindungen der traditionellen Christen – gläubig sind auch sie kaum noch – sitzen tief verankert, so unbegreiflich das für einen wissenden Deutschen sein mag. Deshalb gelten gegen sie weder Zwang noch persönliche Geringschätzung von unserer Seite! Als Nichtchristen sind wir ja – umgekehrt – froh, daß die Christenlehre nicht mehr mit „Feuer und Schwert“ verbreitet wird, und daß Ketzerprozesse wenigstens nicht mehr im christlichen Namen geführt werden. Wir erkennen das Eintreten einzelner Christen für das Wohl unseres Volkes durchaus an, erwarten davon aber keine tiefgreifende Wirkung.

Der Punkt, wo unsere Wege auseinanderführen, ist die eingangs gestellte Frage nach dem rettenden Kraftquell. Unser nichtchristlicher Weg aber führt uns zu unserem eigenen Geistes- und Seelenerbe. Daran müssen wir uns erinnern und es neu erschließen. Wir meinen damit die Gottesgewißheit, die aus den Werken unserer Philosophen, Dichter, Maler, Bildhauer und Komponisten spricht. Richard Wagner sagt es in einem Satz: “Ein Kunstwerk ist die lebendig dargestellte Religion.” Und wenn wir an unsere großen Physiker denken, wie Planck und Heisenberg, dann erscheinen auch sie uns erfaßt von dieser Gottesgewißheit.

Die begnadeten Genies unseres Volkes verbürgen sich für unsere ewige Sehnsucht und für unser Urwissen über den göttlichen Keim im Menschen. Sie verbürgen sich für die „Herzensströme“, die uns über das Animalische hinaustragen können zur Anschauung des Ganzen. Wir brauchen also keine schriftliche, von inspirierten Sehern aufgezeichnete und von Priestern autorisierte göttliche Offenbarung. Und die Lehre Jesu läuft da auch mit; auch sie ist uns nie nötig gewesen. Im Gegenteil hat sie Anlässe über Anlässe für unerhörtes Leid und Unheil gegeben, die über unser Volk gekommen sind.

Der Blick nach vorn.

Damit sei ein neues Gesprächsforum eröffnet, auf dem in ViB die Kraftquellen unserer Volksgeschichte erschlossen werden sollen. Zugleich ist damit das Kapitel abgeschlossen, das wiederholt, aber zu ungenau, als Gespräch über „Glaubensfragen“ bezeichnet worden ist (ViB 3/4 – 2012). Glaubensinhalte sind – weil zu vordergründig – nebensächlich geworden; es geht um die Existenzfrage, und damit um den Lebenswillen und um den Gefühlsstrom, der das Volksleben trägt. Deshalb muß es ein wesentliches Anliegen von „Volk in Bewegung“ sein – der Name verpflichtet! –, alte und neue Ideen, Mythen und Geisteswerke aus der Frühgeschichte bis zur Gegenwart vorzustellen, die unsere Gefühle aufwühlen, die uns zeigen, wer wir sind, und welchen Weg wir als Deutsche noch vor uns haben.

An dieser Stelle wird wohl klar, daß die bisherige Religionsdebatte kein unverbindliches Gespräch zwischen den Beteiligten war, sondern eine Vorabklärung der Argumentationsgrundlage für ein aufbauendes Wirken, das heißt für Ansätze einer religiösen Erneuerung. Im weiteren wird also keine zusätzliche Widerlegung oder Entlarvung des Christentums mehr nötig sein. Was wir dringender brauchen, ist ein lebensfrohes, freudiges Lodern der Herzen.

In einem mythischen Bild, das Erwin Guido Kolbenheyer vor bald hundert Jahren dem dritten Buch seiner Paracelsus-Trilogie vorangestellt hat, läßt er Odin/Wotan zum Gekreuzigten sagen: „Tot bist du, und ich weiß, daß du ein drittes Mal nicht mehr die Kraft finden wirst.“ Damit spielt Kolbenheyer darauf an, daß Christus bei den Deutschen unter Luthers Wirken nochmal für ein paar Jahrhunderte wesensmächtig werden konnte, nachdem er aus dem liederlichen Rom „über die Alpen entwichen“ war. Heute steckt das Christentum in einer tiefen Krise. Der Rücktritt Papst Benedikts XVI. ist ein Symbol dafür. Wie die katholische Kirche, so haben auch die übrigen christlichen Richtungen bei uns und in den USA ihre bestimmende Rolle verloren und sind in die Fänge mächtigerer Internationalisten geraten als sie selbst es sind.

Schlagen wir nun nicht mehr hinterher! Das hilft auch unseren christlich sich nennenden deutschen Freunden. Sie selbst sind es, die den Kernbereich des Christseins bereits verlassen haben. Sie bangen mit uns um Volk und Vaterland und haben somit den Vorrang des persönlichen Heilsstrebens und der internationalen Botschaft zurückgesetzt.

Und noch etwas. Wenn sie durch uns das religiöse Wesen unseres Volkserbes zu begreifen lernen, dann werden sie empfinden, daß sie schon bisher selbst nichts anderes vollbracht haben, als ihr religiöses Gemüt in die fremden Formen und Gefäße der Christenlehre zu füllen. Wo ist dann noch ein Grund für Vorbehalte und Ereiferung?

Mitterer, 21.2.2013

zurück