Mit Jesus Christus in den „Himmel“?

Von Günther Gabke

„…Aber Völkerschicksale entscheiden sich nur zum Schein in der Außenpolitik; die wichtigen Geschehnisse spielen sich in ganz anderen Zonen ab, im Kulturellen, Sozialen, Psychologischen, in der Seele der Völker, in ihrer gesellschaftlichen Struktur, in der geistigen und sittlichen Verfassung.“
(Nahum Goldmann, früherer Präsident des jüdischen Weltkongresses)

Den Anstoß zu dieser Betrachtung gaben Veröffentlichungen von Personen, die sich mit unserem Volke verbunden fühlen, das Christentum aber besser zu kennen glauben, als die Geistlichen der Kirchen, als die Funktionsträger christlicher Vereinigungen, gleich welcher Bezeichnung oder gar besser als der Papst. Zuletzt war es eine Veröffentlichung im National–Journal unter dem Titel: „Die weltpolitischen Ziele hinter dem Papst–Sturz“. Über das Thema weit hinausgehend, wird versucht, den Lesern die „reine Lehre Jesu“ nahezubringen. So sollen auch diese Anmerkungen etwas weiter gefaßt sein und auf die Geisteshaltung eingehen, die unverkennbar in diesen Veröffentlichungen vertreten und ins Volk getragen wird.

Das Christentum verliert an Glaubwürdigkeit und Glaubenskraft. So neh-men wir es im derzeitigen Geschehen in Europa wahr. Die Menschen verlassen zu Tausenden die Kirchen. Um so mehr verwundert, daß ausgerechnet Personen, die sich noch zu unserem Volke bekennen und ihr Deutsch-sein nicht verleugnen, glauben, als Kenner der „reinen Lehre Jesu“ und als letzte Hut das „wahre Christentum“ sogar gegen die „Diener des christlichen Gottes“ verteidigen zu müssen, die doch aktiv mithelfen, den Boden für die Islamisierung der Völker Europas zu bereiten. Treten doch immer deutlicher Zustände hervor, wie sie für die Zeit beschrieben werden, in der das Christentums im „alten Rom“ einfielt.

In dem ersten Beitrag, auf den ich mich beziehe, sind einige aufschlußreiche Zitate angefügt, die wir durchaus als Mosaiksteine kirchlicher oder christlicher Aktivitäten betrachten dürfen. Es werden viele Gründe angeführt, die – richtig oder falsch – schließlich zum Sturz des Papstes geführt hätten. Daß er (und gerade dieser Papst Benedikt XVI.) zum Rücktritt gezwungen wurde, dürfte klar sein.

„Papst Benedikt XVI. wird nach dem Ende seiner Amtszeit in ein Kloster im Vatikan umziehen. Er wolle dort ein Leben in Gebet und Meditation führen…“, so hieß es schließlich.

Das ist bemerkenswert. Da wird der „Stellvertreter“ des „Gottes“ der Christenheit in eine Gebetsstube verbannt. Dort soll er nun auf die Knie fallen, seine Sünden bekennen und Gebete heruntermurmeln, – ganz so, wie die Priester dieser Kirche es ihren Gläubigen im Beichtstuhl aufgeben, die Sünden zu bekennen und im Rosenkranz X Vater-Unser zu beten. Eine Schmach, beispiellos – zugegeben! Aber wenn hier der Eindruck vermittelt wird, der Sturz des Papstes würde den „weltpolitischen Zielen“ eine andere Richtung geben und das Weltgeschehen beeinflussen, ist das wohl eine arge Fehleinschätzung. Seit zwei Jahrtausenden drehen die Herren dieser Welt das Rad der Geschichte, -und hier eben nur „einen Tick“ weiter in Richtung des großen Zieles, das im Christentum selber doch vorgegeben ist.

Man analysiert in dem Beitrag und spekuliert und kommt schließlich zu dem Ergebnis, mit Papst Johannes XXIII: und bekräftigt durch den Sturz Papst Benedikt XVI. habe die Kirche den Freimaurern Tür und Tor geöffnet und das Christentum so dem Satan ausgeliefert. Die Rettung –so wird verkündet– liege nun darin, das Neue Testament vom Alten zu trennen und der „reinen Lehre Christi“ zu folgen.

Das gestellte Thema habe ich mit einem Fragezeichen versehen und den Begriff „Himmel“ bewußt in Anführungszeichen gesetzt. Was wir unter letzterem verstehen, enthüllen zuweilen sogar christliche Geistliche. Bei Guibertus (um 900) lesen wir noch:

Ceolum, … nihil aliud est quam spiritualis interrioritas“
(lat.: „Der Himmel … ist nichts anderes als geistige Innerlichkeit.“

Guibertus: „De Pignoribus Sanctorium“, IV, 8)

Ich denke, das trifft es! In schöneren Worten kann man es kaum ausdrücken. In dieser Aussage schwingt noch etwas aus vorchristlicher Zeit mit. Doch selbst in Gesprächen mit neuzeitlichen Geistlichen der Kirchen wird zuweilen eingestanden: „Wir tragen den Himmel in unserem Innern!“ Dieser „Himmel“ ist also kein Ort, sondern ein Zustand. Wird uns bewußt, daß allein in diesem Zugeständnis ein Glaubenstürzendes liegt? Wo müßten wir dann folgerichtig Gott und Göttliches finden? Wer von den Gläubigen fragt? Und was bedeutet dann der christliche Glaube?

Ich unterstelle, es würde zu nichts führen, Persönliches einzubringen, sollte es noch so nachdenkenswert sein. Man würde es einfach zur Seite legen. Deshalb sollen hier Persönlichkeiten der Kirchen, christliche Theo-logen, Kirchenhistoriker und schließlich Jesus selbst zu Wort kommen. Besonders jene Christen, die ihren Glauben ernst nehmen, werden über deren Forschungsergebnisse und Aussagen doch nachdenken. Im anderen Falle wäre es schlicht Ignoranz. Und das will ich mir nicht vorstellen. Für Christen könnten sich eine ganze Reihe von Fragen ergeben.

Wer oder was soll Jesus gewesen sein? Hat er je gelebt?

Wenn christliche Theologen sich der Erforschung des „historischen Je-sus“ zuwenden, also der Frage, ob er denn je gelebt habe, dann –so dürfen wir unterstellen– um Glaubenssicherheit und Festigung ihres Glaubens zu finden. Seit den Schriftenfunden am Toten Meer und jenen im ägyptischen Nag–Hammadi im Jahre 1945, die noch bedeutsamer eingeschätzt werden als die ersteren, gehen besonders im englischen und französischen Sprachraum Kirchenhistoriker und Theologen den historischen Spuren des Jesu und des Christentums nach. Im deutschen Sprachraum waren bzw. sind es –so weit mir bekannt– besonders die Herren Adolf von Harnack, ev. Theologe, Albert Schweizer in der „Leben-Jesu-For-schung“, Erich Bromme in seinem fünfbändigen Werk „Untergang des Christentums“. Im Folgenden füge ich einige Aussagen aus ihren Veröffentlichungen an.

So kommen die Herren Timo­thy Freke und Peter Gandy, London, nach jahrelangen intensiven Forschungen in ihrem Buch: „The Jesus Mysteries” zu dem Ergebnis:

„Würden wir heute erstmals von einem Jungen hören, der als ‚Gottes Sohn’ von einer Jungfrau geboren wurde, übers Was­ser laufen konnte sowie von den Toten auferstehen – dann hielten wir das schlicht für ein Märchen. Doch da er so tief in unserer Kultur und Erziehung verwurzelt ist – bleibt da ein undenkbarer Gedanke, den die meisten nicht wagen: Diese Geschichte könnte nichts als eine Täuschung sein. … ‚Sohn Gottes’: Das war in früherer Zeit nicht nur ein Titel für Gläubige und Wissende, sondern auch für Mächtige. Im alten Ägypten verkörperte je­der Pharao den Sohn von Osiris, den Sohn Gottes.“

Der Kirchenhistoriker John Lash, Los Angeles, zitiert:

„Ein Schriftgelehrter und vermutlich sehr ergebener Christ schrieb Anfang des Jahrhunderts: ‚Wir sollten nicht länger glauben, daß jener Jesus der in Palästina gelebt habe, irgend etwas mit jenem biblischen Jesus gemeinsam hat. … Die Ursprünge des Christentums erscheinen in neuem Licht und eine wachsende Zahl von Theologen ist überzeugt: Das christliche Glaubensbekenntnis basiert auf … einer Erzählung jenseits der Realität.“

Wer oder was der biblische Jesus war und ist, – hier wird Prof. Keith Hopkins, Historiker, Cambridge, noch deutlicher, wenn er schreibt:

„Jesus war zeitlebens ein Jude, ist als Jude geboren, als Jude gestorben. Die Gründung einer christlichen Kirche hätte ihn wohl erstaunt… Jesus ist eine Metapher, ein bildhaftes Gleichnis, wie es in der gesamten römischen Welt geläufig war. Eine Ausdrucksform für die enge Beziehung zwischen Mensch und Gott. Und Je­sus war keinesfalls der Sohn Gottes.“

„Jesus von Nazareth und die Geschichte, die die Evangelien erzählen, treten in keiner älteren christlichen Schrift auf, wobei auch das erste Evangelium [Markus] erst Ende des 1. Jahrhunderts verfaßt wurde …In nichtchristlichen Zeugnissen wird Jesus erst im zweiten Jahrhundert erwähnt. …“   (Earl Doherty: „The Jesus Puzzle”)

„So weit bekannt, bezeichnet sich Jesus –wenn er denn gelebt hat, doch immerhin nach frühen Schriften– niemals als Sohn Gottes. …Von den vier Evangelien des Neuen Testaments wurde das des Johannes als letztes geschrieben. Und es ist das einzige Evangelium, das Jesus als göttliches Wesen, als Gott in Men­schengestalt und als einzigen Sohn Gottes darstellt. Das ist ein bemerkenswerter und sehr radikaler Standpunkt, einen Menschen als Wiedergeburt Gottes darzustellen. Und dieses ungewöhnliche Evangelium stammt nicht aus der frühen Phase des Christentums, sondern läßt sich erst auf das Jahr 160 nach Christus datieren.“

(Prof. Elaine Paigels, Kirchenhistorikerin, Princeton)

Wir dürfen unterstellen, daß diese Personen, Theologen, also Christen, ihre Forschungen aus innerem Antrieb und mit hoher Ernsthaftigkeit betreiben, darin sogar die ihr Leben erfüllende Aufgabe sehen. Ein Beispiel füge ich an:

Dr. Alvin Boyd Kuhn promovierte an der Columbia University zum Dr. phil., unterrichtete Latein, Griechisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Englisch an High Schools in Chambersburg, Harrisburg und anderen Städten in Pennsylvania. Eigens für seine Werke über die Bibelauslegung studierte er Hebräisch und die Hieroglyphen. Die Ergebnisse seiner Forschungen hat er in einer Vielzahl von Büchern veröffentlicht. Unter anderem lesen wir:

„Als die Konzeption eines rein spirituellen Christus den unruhigen Massen, die nach einem politischen Erlöser schrieen, nicht mehr erfolgreich vermittelt werden konnte, hielt man es für notwendig oder zweckmäßig, sie durch die Idee eines persönlichen Messias zu ersetzen… Von dieser Woge ließen sich die Kirchenväter so hinreißen, daß sie die gesamten vier Evangelien zur Biographie eines Menschen umschrieben…“   (Alvin Boyd Kuhn:  „The Lost Light”)

„Jenseits von Religion und Spiritualität sind wir immer noch im nächtlichen Schatten des Mittelalters gefangen, hypnotisiert und gepeinigt von einem Aberglauben der unheimlichsten Art, wie Kanzel und Priesterseminar ihn stolz verkünden…

Diese Düsternis wird so lange anhalten, wie wir nicht den Scharfsinn besitzen, bloße Erzählung, Allegorie, Drama und Symbol des Erhabenen vom Bodensatz der Geschichte zu trennen…“

(Alvin Boyd Kuhn: „Who is This King of Glory?”)

Wo immer Kirchenhistoriker und sogar Theologen genauer in die Geschichte des Christentum hineinschauen, ja in das, was das Christentum ist, da kommen sie zu gleichen Ergebnissen. Und wer oder was soll Jesus gewesen sein? Auch die Antworten, die uns namhafte deutsche Theologen geben, sind schlicht verblüffend.

„So kann kein Zweifel sein: Die kanoni­schen Evangelien sehen in der Person Jesu Jahve selbst.“  (Der Theologe Karl Adam)

Adolf von Harnack (1851-1930) gilt als einer der bedeutendsten evangelischen Theologen des letzten Jahrhunderts und lehrte an verschiedenen Universitäten. Einige Pfarrer sind von ihm noch heute so angetan, daß sie in Gesprächen glänzende Augen bekommen, sich dann aber sehr erstaunt zeigen, wenn sie aus seinen Werken u.a. hören:

„Der Satz: ‚Ich bin der Sohn Gottes’, ist von Jesus selbst nicht in sein Evange­lium eingerückt worden, und wer ihn als einen Satz neben den anderen dort einstellt, fügt dem Evangelium etwas hinzu.“

Albert Schweitzer war gemeinsam mit Theologen über viele Jahrzehnte in der „Leben–Jesu–Forschung“ tätig. In seinem umfangreichen Werk „Geschichte der Leben–Jesu–Forschung“ mußte er ernüchtert und tief enttäuscht feststellen, daß es keinen überlieferten Jesus von Nazareth als historische Person gegeben hat. Er schreibt unter anderem, daß die Jesus-Gestalt der Theologen nichts anderes ist als die „ritualisierte Symbolfigur unserer göttlichen Natur“. Und schließlich:

„Diejenigen, welche gerne von negativer Theologie reden, haben es im Hin­blick auf den Ertrag der Leben–Jesu–Forschung nicht schwer. Er ist negativ. Der Jesus von Nazareth, der als Messias auftrat, die Sittlichkeit des Gottesreiches verkündete, das Himmelreich auf Erden gründete und starb, um seinem Werke die Weihe zu geben, hat nie existiert. Es ist eine Gestalt, die vom Rationalis­mus entworfen, vom Liberalismus belebt und von der moder­nen Theologie in ein geschichtliches Gewand gekleidet wurde. Dieses Bild ist nicht von außen zerstört worden, sondern in sich selbst zusammengefallen, erschüttert und gespalten durch die tatsächlichen historischen Probleme, die eines nach dem  andern auftauchten…“

Die Ergebnisse dieser historischen Forschungen sind so übereinstimmend  und eindeutig, so ernüchternd, daß sie den Kirchenhistorikern und Theologen wohl den Boden unter den Füßen wegziehen. Trotzdem deutet nichts darauf hin, daß sie Gegner des Christentums geworden sind. Das würde auch ihre Unbefangenheit und die Glaubwürdigkeit ihrer Forschungsergebnisse beschädigen. Ein Gemeinsames jedoch zieht sich durch alle ihre Veröffentlichungen: Was den Völker in vorchristlicher Zeit „Religion“ war, das ist mit dem Christlichen ausschließlich an das Jüdische geheftet, von diesem völlig vereinnahmt und alles auf dieses Volk ausgerichtet worden. Auch hier finden wir bestätigt: Jahwe, Jesus und das jüdische Volk sind eins und völlig identisch, Jesus eine Metapher, Bild des jüdischen Volkes, den „Heiden“ gegeben, um sie in ihrem Innersten zu treffen und zu zersetzen!

Alle Forscher, sogar Theologen, die mehr sind als bloße dienstbare Geister und zu fragen wagen, kommen zu gleichen Ergebnissen. Auf die Frage, wer Jesus war und ob er denn überhaupt je gelebt habe, gibt uns schließlich kein geringerer Antwort als Papst Benedikt XVI. selber. Er wenigstens müßte den Gläubigen doch „glaubhaft“ sein, und auch sie zum Nachdenken anregen über das, was er ihnen zu sagen hat.

„’So spricht JHWH: Israel ist mein erstgeborener Sohn. Ich sa­ge dir, laß meinen Sohn ziehen, damit er mich verehren kann!’ (Ex 4,22f). Die Völker sind die große Familie Got­tes, Israel der ‚erstgeborene Sohn’, als solcher in beson­derer Weise Gott zugehörig mit alledem, was ‚Erstgeburt’ im Alten Orient bedeutet…“ (Papst Benedikt XVI.: „Jesus von Nazareth“, Seite 386)

Er wird noch deutlicher. Anläßlich des Weltjugendtages der Katholischen Kirche in Köln, im August 2005, besuchte er auch die Synagoge. In seiner Ansprache zitierte er seinen Vorgänger Johannes Paul II. mit den Worten: „Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum“ und bekräftigte diese Aussage noch einmal. In Medien–Kommentaren zum Weltjugendtag und den Aussagen des Papstes hieß es dann unter anderem: „Mission am Judentum und bei den Juden verbietet sich, denn die Juden gehören zum Bund Gottes. Mit dem Besuch des Papstes in der Synagoge ist der Papst zum Ursprung des Christentums zurückgekehrt.“

Diese Aussage der Päpste bedeutet nicht weniger als: Im Judentum erkennen die Christen ihren Jesus Christus. Das jüdische Volk, „Gott“ Jahwe und Jesus sind eins und völlig identisch. Und weiter: Mit diesem Jesus als Metapher ihres „Gottesvolkes“ erheben sie das jüdische Volk selber zu ihrem Gott und beten es an.

Daß dies nicht nur so daher gesagt wurde, sondern zum gefestigten Selbst-verständnis der gesamten Christenheit gehört, dürfen wir auch der Erklärung der deutschen Bischöfe über das Verhältnis der Kirche zum Judentum vom 28. April 1980, herausgegeben vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, 5300 Bonn, entnehmen. Dort heißt es gleichlautend:

„Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum. Er ist nach dem Zeugnis des Neuen Testaments als ‚Sohn Davids’ (Röm 1,3) und ‚Sohn Abrahams’ (Mt 1,1; vgl. auch Hebr 7,14) ‚seinem Fleisch nach’ aus dem Volk Israel hervorgegangen (Röm 9,5)… Seiner menschlichen Natur nach war Jesus von Nazaret ein Jude; er kam aus dem Judentum. Er steht seiner Herkunft nach in der Geschichte des Volkes Israel (vgl. den Stammbaum Jesu Mt 1,1-17 und Lk 3,23-38)…“

Im fast wortgleichen Sinne äußert sich auch die evangelische Kirche in ihrem „Proponendum über das Verhältnis der Kirche zum Judentum“. Dort heißt es unter anderem: „Im Handeln Israels erkennen wir das Handeln Gottes.“ Das wahrhaft Tragende dieser Welt soll an Jüdischem hängen, – das Tragende des ganzen Kosmos?

Der Blick in die Geschichte des Christentums ist mehr als ernüchternd. Und es stellt sich die Frage, was mit diesem Christentum über die Völker gekommen ist, was es denn eigentlich ist und wie das im Innern der Men-schen wirkt, was wir „Religion“ zu nennen gehalten sind. Es kommt aus dem jüdischen Volke und ist allein auf dieses Volk bezogen. Es lähmt die Völker und nimmt ihnen jede Selbstwertgewißheit, sowie alle ihre Lebens- und Gestaltungskraft. Um diese Wirkung wissend, schrieb (als einer von vielen aus diesem Volke) der Rabbiner (Sohn) Eli Ravage denn unter anderem auch sehr zutreffend:

„…Wer weiß, welch großartige, ruhmreiche Bestimmung euch erwartete, wenn wir euch in Ruhe gelassen hätten. Doch wir haben euch nicht in Ruhe gelassen. Wir nahmen euch in die Hand und rissen das schöne, freundliche Gebäude nieder, das ihr aufgeführt und änderten den ganzen Ablauf eurer Geschichte. Wir eroberten euch so vollkommen, wie keines eurer Weltreiche je Afrika oder Asien unterjocht hat. Und das alles taten wir ohne Armeen, ohne Waffen, ohne Blutvergießen oder Unruhe, ohne jede Gewalt. Wir erreichten es allein durch die unwiderstehliche Macht unseres Geistes, mit Ideen, mit Propaganda.

Wir machten euch zu willigen, doch unbewußten Trägern unsrer Sendung für die ganze Welt, zu den wilden Stämmen der Erde, an die zahllosen ungeborenen Geschlechter. Ohne daß ihr es ganz begriffen hättet, was wir euch antaten, wurdet ihr zu den Werbern ohne Beruf für unseres Volkes Überlieferung, die unsere Botschaft zu den unerforschten Enden der Erde trugen. Unsere Stammesbräuche wurden zum Kernstück für euer Sittengesetz…“

Verdienen diese Worte nicht vollbewußt gelesen und durchdacht zu werden? Deutlicher kann uns gar nicht gesagt werden, was das Christentum ist. Was diese Worte besagen, erleben wir jeden Tag und begreifen nicht.

Wie ist es nur möglich, daß unter anderem deutsche Christen, sich einerseits mit unserem Volke noch verbunden sehen, sich selber und unser Volk andererseits unbedingt an das jüdische gekettet sehen wollen! Wann immer sie in Grenzsituationen kommen sollten, werden sie sich für das Christentum und gegen das Volk entscheiden. In unserer Geschichte gibt es eine Fülle von Beispielen. Ich möchte gar nicht an die Aktivitäten des sogenannten Adels erinnern, auf die er noch heute so stolz ist.

Diesen inneren Zwiespalt sehen die „deutschen“ Christen offenbar nicht. Sie sprechen von der „reinen Lehre Jesu“. Wir wollen auch hier einen Blick hineinwerfen.

Die „reine Lehre Christi“

In Gesprächen mit kath. Priestern, ev. Pfarrern, Predigern verschiedener Gruppen oder „guten Christen“ habe ich oft die Frage gestellt, wo Jesus denn Besonderes gesagt habe, das dem auch nur annähernd vergleichbar ist, was unsere großen Dichter und Denker der Menschheit gegeben haben. Ich habe immer nur in leere Gesichter geschaut oder erstaunlich „Blasses“ vernommen. Im Blick in die Bibel greife ich nur einige Aussagen heraus. Da heißt es in der „reinen Lehre des Jesu“ unter anderem:

– „Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt; denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.“  (Markus 4; 10 –12)

Ich kenne mehrere Ausgaben der Bibel. Alle drücken es inhaltlich gleich-lautend aus. Haben die Gläubigen auch einmal über den Inhalt nachgedacht? Vom Sinn dieser Worte will ich gar nicht sprechen. In Veröffentlichungen „deutscher“ Christen sehen wir diese Bibelstelle oft sinnverfälscht zitiert. Mit welcher Absicht wird diese Aussage Jesu bewußt verfälscht und den Lesern untergeschoben? Und weiter heißt es z.B.:

– „Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie in das Feuer, und sie muß brennen.“  (Worte des „Herrn“ im Johannes 15, Vers 6.)

„Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“  (Markus 16; 15,16)

– „Sondern was töricht vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er die Weisen zu Schanden mache, und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er zu Schanden mache, was stark ist; und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und das da nichts ist, daß er zunichte mache, was etwas ist, auf daß sich vor ihm kein Fleisch rühme.“ (1. Korinther 1, 27/9)

– Doch jene meine Feinde, die nicht wollen, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir! Und als er solches sagte, zog er fort und reiste hinauf gen Jerusalem.“ (Lukas 19; 27, 28)

Das ist die „reine Lehre“ dieses Jesu, die diese Christen über alles setzten! Hier spricht der Jahwehaß in reinster Form, ganz so, wie er seit Jahrhunderten mit der Bibel durch die Geschichte der Völker transportiert wird. Und wieder kommen wir darauf: Jahwe, Jesus und das „Gottesvolk“ der Christen sind völlig identisch. Das entnehmen wir wiederum auch den Worten Papst Benedikt XVI. zur „reinen Lehre“ des Jesu:

„Adolf von Harnacks berühmte Feststellung, die Bot­schaft Jesu sei Botschaft vom Vater, in die der Sohn nicht hineingehöre, und die Christologie sei demgemäß der Bot­schaft Jesu nicht zugehörig, – diese These korrigiert sich hier von selbst. Jesus kann vom Vater nur so reden, wie er es tut, weil er der Sohn ist und in der Sohnesgemeinschaft mit dem Vater steht. Die christologische Dimension, das heißt das Geheimnis des Sohnes als Offenbarer des Va­ters, die „Christologie“ ist in allem Reden und Tun Jesu anwesend.

Noch etwas Wichtiges wird hier sichtbar: Wir sagten, daß in die Sohnesgemeinschaft Jesu mit dem Vater die menschliche Seele Jesu im Akt des Betens mit hineinge­zogen werde. Wer Jesus sieht, sieht den Vater. (Joh 14,9).“   (Papst Benedikt XVI.: „Jesus von Nazareth“, Seite 32)

Eine bedeutsame Erklärung! Und ich spreche nicht von einem rabulistischen Rechtfertigungsversuch des Papstes! Nein, das ist die Kirche, das ist Christentum

– „Nun konnten diese Menschen ganz dem Gott Israels gehören, denn nun war dieser Gott durch Je­sus – wie Paulus ihn verkündete – wirklich der Gott aller Menschen geworden; nun konnten sie durch den Glauben an Jesus als Gottessohn ganz dem Volk Gottes zugehören.“ (Seite 217)

Sollten diese „Gläubigen“ wirklich schon „ganz dem Volk Gottes zugehören“ und geworden sein, was der Papst hier erkennt und so schön beschrieben hat? Sie nehmen dies alles hin, und –so dürfen wir schließen– bejahen das auch. Es ist wohl das, was ein Freund als „Gedankenabriß“ beschreibt. Da scheint das Denken einfach aufzuhören..

– Eine andere Expertenstimme: „Man muß sich immer wieder vor Augen halten, daß Jesus Jude war, daß er nichts anderes als Jude sein wollte und nur aus dem Judentum heraus verstanden werden kann. Er bewegte sich im Rahmen der jüdischen Traditi­onen und Sitten, von der Beschneidung über die Speisevorschrif­ten zum Synagogenbesuch und der Sabbatheiligung, er war im Wesentlichen toratreu und setzte die göttliche Erwähltheit des Volkes Israel voraus. Alles, was er tat, dachte und sagte, bezog sich auf das Judentum und war an das Volk Israel gerichtet…“

(C. Schüle: „König der Wahrheit“, Seite  35)

Diese Erkenntnis, nach der Jesus „nur aus dem Judentum heraus verstan-den werden kann“, müßte uns doch wie ein Weckruf, wie ein Messerstich treffen. Sollten die deutschen Christen, die die „reine Lehre“ besser verstehen als die Juden sich so tief in das Wesen dieses Volkes hineinbegeben und aufnehmen können, was diesen selbst (nach Ansicht der Christen) verborgen bleibt? Wollen diese Christen bessere Juden sein als diese? Wie könnte man zu anderen Schlüssen kommen! Wir begreifen nicht, was mit diesem Christentum in die Menschen hineingegeben wurde und was diese „deutschen“ Christen mit ihren Publikationen unserem Volk zumuten! Sie müssen dieses –daran sei erinnert– aus Jüdischem kommende Christentum so verinnerlicht haben, daß sie ihre Veröffentlichungen als „Hilfe“ für das Volk oder gar für die Welt verstehen. Nur deshalb tragen sie sie doch ins Volk.

Da haben Männer Theologie studiert, weil sie sich dem ganz hingeben wollten, was wir „Religion“ nennen. Eben das unterstellen wir doch besonders den katholischen Theologen. Diese haben sich nun intensiv mit dem Inhalt ihres Berufes beschäftigt und kommen dann zum Ergebnis, daß, was Jesus gesagt und gewirkt haben soll, seine „reine Lehre“ also, nur aus Jüdischem zu verstehen ist, sogar ihnen selbst aber fremd bleibt, daß sie überhaupt keinen Zugang finden.

Hier sehen wir bestätigt, was der Kulturhistoriker Oswald Spengler, einer von vielen, so klar ausgedrückt hat:

„…Die einsame Seele des Nordens grübelt in der Nacht. Seelenqual! Welchen Sinn hat das Dasein, das Leiden für mich im Gegensatz zum All? Jesus hatte von solchen Fragen keine Ahnung. Gewissen, Reue, Buße haben im Norden einen Sinn, dessen Tiefe dem Süden unzugänglich bleibt. Seele hat einen andren Klang. Seelenkämpfe – wo gibt es die in Ägypten und Babylon, wo gibt es die im Alten Testament, in den Evangelien?…“

(O. Spengler: „Frühzeit der Geschichte)

Ich fasse es kurz: Es ist ein Trugschluß, Gott und Göttliches im Christentum finden zu wollen. Man lese die Bibel und sollte doch verstehen! – Natürlich  wird es den christlich Gläubigen schwerfallen zu akzeptieren, daß sie über zwei Jahrtausende hinweg getäuscht, ja mißbraucht wurden und werden. Nun kommen ausgerechnet Männer aus unserem Volke da-her, reden von der „reiner Lehre des Jesus“. Wollen sie wirklich jüdischer sein als Juden?

Die Begründerin der Theosophie, Helena Petrowna Blavatsky, schrieb in „Isis entschleiert“:

„Es ist ein armseliges Kompliment für den Höchsten, für Jesus, daß ihm vier Evangelien aufgenötigt werden, in denen es, so wider­sprüchlich sie oft sind, keine einzige Erzählung, keinen Satz oder besonderen Ausdruck gibt, für den sich nicht eine Paral­lele in irgendeiner älteren philosophischen Lehre finden ließe. Gewiß hätte der Allmächtige – und sei es auch nur, um künf­tigen Generationen ihre gegenwärtige Verwirrung zu erspa­ren – bei Seiner ersten und einzigen Inkarnation auf Erden irgend etwas Ursprüngliches herabbringen können, etwas, das eine klare Demarkationslinie zwischen Ihm und den etwa zwanzig inkarnierten heidnischen Göttern ziehen würde, die von Jungfrauen geboren wurden, alle Erlöser gewesen waren und entweder getötet oder auf andere Weise für die Mensch­heit geopfert wurden.“

Einem weiteren Wort der „reinen Lehre Jesu“ wende ich mich besonders zu. Ob wenigstens das zu denken gibt?

„Meinet ihr, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei wider zwei und zwei wider drei. Es wird sein der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider den Vater; die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider die Mutter; die Schwiegermutter wider die Schwiegertochter, und die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter.“ (Aussage Jesus; Lukas 12, 51 bis 53)

Das ist die wortgetreue Wiedergabe der Luther–Übersetzung, herausgegeben von der Würtembergischen Bibelanstalt, 1958. Ich erwähne es, weil dieses Wort in Veröffentlichungen gerade „deutscher“ Christen gerne ver-kürzt oder „interpretiert“ zitiert wird. Warum wohl?

Eine der bedeutendsten Aussagen der Bibel überhaupt; denn in diesem Wort „des Herrn“ finden wir die „bibelgetreue“ Beschreibung des Zeitgeschehens der ganzen zweitausendjährigen christlichen Epoche, – geradezu die Handlungsanweisung! Hier haben die „Gestalter“ des Weltgeschehens in ihrem Jesu sich selber das Sprachrohr gegeben und sich nicht gescheut, den Völkern ihr Handwerk zu erklären. Diese Erdenwelt könnte ein Paradies sein, doch: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen auf Erden“. Ganz im Sinne dieses Jesuswortes der „reinen Lehre“ wurden und werden nicht nur die Völker gegen einander aufgebracht und in Kriege gestürzt. Auf allen Ebenen des Gemeinwesens finden wir Zwietracht und künstlich erzeugte Feindschaften. Wohin wir schauen, auf allen Wirkungsfeldern, bis in die Familien hinein, wird gespalten, werden einander feindliche Gebilde künstlich geschaffen. Und stets werden beide, wie Werkzeuge eingesetzt, ein Drittes zu bekämpfen. Dieses Dritte finden wir auf allen Ebenen unserer Lebensgestaltung in dem, was den Völkern wesenseigen zugehört. Das muß im Sinne der Jesu–Arbeit ausgelöscht werden. Und immer wieder stellen wir fest: Sobald ein Zwischenziel erreicht ist und der eine Pol nicht mehr benötigt wird, setzt man sogleich einen neuen, und das Spiel wird fortgesetzt.

Sogar innerhalb des Christentums selber kämpfen die Organisationen ge-gen einander und sprechen einander den Himmel ab. Einige sehen im Vatikan und im Papst den Satan persönlich. Die erste Veröffentlichung, „Die weltpolitischen Ziele hinter dem Papst–Sturz“, auf die ich mich be-ziehe, ebenfalls

Die Freimaurer, so lesen wir dort, sind die Bösen. Auch sie sind Werkzeug in der Hand Jahwes, Jesus usw. und als solche ebenfalls gespalten. Darum gab es (oder gibt es noch?) auch christliche Freimaurerlogen. Wer-den diese christlichen dem Guten, die anderen dem Bösen zugerechnet?

Nun ist es aber der Diabolo, den wir den Spalter, den Zersetzer, den Durcheinanderbringer nennen. Es ist der Satan. „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen auf Erden.“ Nach eigenem Bekunden ist eben dies das Handwerk des Jesu. In seinem Geiste wurden und werden, die Menschen bis in die Familien hinein getrieben, einander Feind zu sein. In die-sem Geiste Jesu ist unsere Erdenwelt zur Hölle geworden. Da drängt es sich doch auf, sich endlich einzugestehen:

Dieser Jesus kann nichts anderes sein als der Herr dieser Hölle.

Das darf Christen gar nicht schrecken. Der Schweizer Theologe Karl Barth, der über Jahre hinweg an einer deuts­chen Universität lehrte, schrieb in seinem mehrbändigen Werk „Die kirchliche Dogmatik“, die Hölle gäbe es nur in der Dogmatik, aber es sei keiner darin. Hier wage ich zu widersprechen: In Verwirklichung der „reinen Lehre Jesu“ wurde diese Erde zur Hölle, und wir, die Völker, sind „verurteilt“, darin leben zu müssen.

Doch auch diese Aussage des Herrn Barth rüttelt an den Grundfesten des Christentums; denn mit dem Heer der „Diener des Jahwe“ lebt es doch ausschließlich von der Höllenandrohung und der ins Volk gestreuten Erlösungshoffnung. Da fragen wir: Was ist dieses Christentum? Es hat die vergangenen zwei Jahrtausende geprägt und die Welt gestaltet. Die heutige Welt ist bis in die letzten Winkel hinein das getreue Bild des Jahwe, des Gottes der Christenheit und des Jesu, durchdrungen von Feindseligkeit und Habsucht.

Und noch einmal: Jahwe, Jesus und das „Gottes–Volk“ der Christen sind eins und völlig identisch. Das finden wir sogar in den Worten des Papstes bestätigt. Es kann anders nicht sein; denn: „Was der Mensch als Gott ver-ehrt, ist sein eigenes Inneres herausgekehrt.“ (Goethe)

Was ein Volk als Gott verehrt, ist Bild seiner Geistes- und Seelenart, Bild seines tiefsten Wesens. Das ist seit Urzeiten geistiges Allgemeingut der Völker und gilt auch für die Juden. Den christianisierten Völkern wird es seit Jahrhunderten verwehrt, dies zu erkennen und zu leben. Sie gestehen es sich auch ein, keinen Gott zu haben und sprechen selber von dem „Gott Israels“ als den ihren. Sie binden sich an einen fremden „Gott“. Ein Unbegreifliches und Ausdruck ihrer tiefen, tiefen Selbstvergessenheit und Selbstverlorenheit! Wir begreifen es nicht. Das nachstehende Wort erklärt es:

„…Wir (die Juden) haben sie gelehrt, den Weg zum Göttlichen zu gehen, in uns das Göttliche zu suchen und zu finden; vor und ohne uns hat kein Volk dies vermocht. Bedürfte es noch eines Beweises, so wäre er in der Tatsache zu sehen, daß geistig so hochstehende Völker wie die im äußersten Osten der Erde lebenden bis auf den heutigen Tag zu dieser Erkenntnis nicht gelangen konnten, weil sie in der entscheidenden Phase ihrer Entwicklung der Hilfe, der Führung des Judentums entraten mußten. Wieder sollt ihr fühlen, wieder sollt ihr wissen, daß euer Volk das auserwählte ist.“

Oberrabbiner H.P. Chajes in seiner Antrittsrede, Wien, am 3.8.1918, „Reden und Vorträge“, Wien, 1933, Seite 94)

Wir (die Juden) haben sie gelehrt, den Weg zum Göttlichen zu gehen, in uns, das heißt, in den Juden, das Göttliche zu suchen und zu finden…

Wen also verehren die Christen als ihren „Gott“? Was könnte hierzu noch zu sagen sein!

Aus der Kirchenarbeit

In der katholischen Kirche heißt es: „Gebt uns die Kinder bis zu ihrem siebenten Lebensjahr; dann haben wir sie für’s ganze Leben.“ Und in Gesprächen mit Geistlichen beider Kirchen fand ich des öfteren eingestanden, daß sie in der Kirchenarbeit geradezu hingeleitet werden, sich besonders der Frau und Mutter in der Familie zuzuwenden. „Wer die Frau und Mutter hat, der hat die Familie!“

In der Missionsarbeit (so auch in Afrika) richten die damit Betrauten ihr besonderes Augenmerk auf die Stammesältesten, die in gewissen Regionen nach wie vor höhere Achtung genießen und weit größeren Einfluß auf die Bewohner hätten als die politischen Instanzen. „Mit den Stammes-ältesten wenden sich dann auch die Angehörigen Jesus Christus zu.“

Warum bedarf es solcher kriegerischer List, Gläubige einzufangen? In vergleichbaren Fällen würden wir von Kriegsopfern oder von Kriegsgeschädigten sprechen.

Seit Jahrhunderten wirkt eine eigens geschaffene Berufskaste auf Geist und Seele der Völker ein und hat sie über Generationen hinweg manipuliert, so wie es heute –diese Arbeit ergänzend– die Massenmedien übernommen haben. Menschen, die sich ihnen nicht bereitwillig ergeben haben, wurden kriminalisiert. So war und ist es das Geschäft der Oberen, das wir noch heute erleben. Personen, die noch Deutsche sein wollen und sich noch mit dem Volke identifizieren, werden kriminalisiert. Wie einst, so schafft man sich auch heute Vorwände, das zu untermauern und vor den manipulierten Massen zu rechtfertigen.

Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat bei ihrer Tagung im Oktober 2009, in Ulm, die Bundesregierung aufgefordert, einen verstärkten Kampf gegen „Rechte“ zu führen und beklagte „rechte Einstellungen“ auch bei Kirchenmitgliedern. Als „Rechte“ werden die Menschen stigmatisiert, die noch Deutsche sein wollen und sich mit unserem Volke noch identifizieren. Die EKD hatte ihrer Rechtsabteilung den Auftrag er-teilt zu prüfen, ob diese „rechten Kirchenmitglieder“ aus der Kirche ausgeschlossen werden könnten. So ging es Donnerstag, den 29. 10. 2009, durch die Medien. Nur ein Beispiel kirchlicher Arbeit im Sinne eines doch vorgegebenen Zieles!

Wäre das nicht Grund gewesen, zu Tausenden aus der Kirche auszutreten? Wollen diese „Gläubigen“ (im wahrsten Sinne „Gläubigen“) darauf warten, bis man sie hinauswirft? Doch die „guten Christen“ haben es hin-genommen, –– wir dürfen schließen, für gut befunden. Das ist das Christentum! Das sind die „Gläubigen“. Auch hierin dürfen wir ein Indiz er-kennen, daß, wenn die „Gläubigen“ vor der Frage stehen: Volk oder Christ, sie das Volk immer preisgeben. Der Christen heiliges Land ist Israel. Sie singen vom „himmlischen Jerusalem“. Warum Israel und nicht Deutschland“?

Die Kirchen beklagen, daß Gläubige aus unterschiedlichen Gründen zu Tausenden aus der Kirche austreten. Daß „deutsche“ Christen die Kirchen wegen ihres die Völker zerstörenden Wirkens verlassen, davon hört man nichts. Auch daraus dürfen wir schließen: Sie tragen es mit.

Kirchenarbeit ist Jahwearbeit, das heißt Jahwedienst, jeder „Gottesdienst“ in den Kirchen im wahrsten Sinne „Gottesarbeit“. Die Herren der Kirche und christlicher Vereinigungen sehen und bezeichnen sich denn auch als „Diener des Herrn“, ihres Gottes Jahwe, Jesus und des „Gottesvolkes“. Das heißt, sie tragen den Geist Jahwes in die Welt, der mit Jesus über sie gekommen ist und verwirklichen ihn. „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen…“ Schauen wir in die Geschichte der Völker. Wer zählt die Millionen, die in Verwirklichung seines Geistes dahingemordet wurden, wer die Kulturen, die vernichtet wurden? Und so geht es bis zum heutigen Tage. Wie kommen die „Gläubigen“ damit zurecht!

Zahlreich sind die Stimmen aus den Reihen der wirklichen Machthaber, die den Völkern der Christenheit ganz unverhohlen ihre Vorhaben erklären. Doch diese hören es und sehen es, als würde es sie gar nicht betreffen, auch dies ganz im Sinne des Jesuwortes Markus 4; 10 –12:

„…denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt; denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.

Nehmen die Christen, die glauben, die „reine Lehre Jesu“ zu verstehen und sich berufen fühlen, diese „verteidigen“ zu müssen, die Worte ihres „Gottes“ überhaupt wahr, – geschweige denn ernst? Was bedeutet das Wort ihres Herrn wohl: „…damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.“ Ich möchte hierzu Näheres gar nicht ausführen. Der „Herr“ läßt ihnen nicht einmal die Chance. Es ist der Geist, der noch heute von bestimmter Seite in die Welt geht. Die Völker dürfen keine Ruhe finden.

Auch die eindeutigen Aussagen von Persönlichkeiten, die unsere Welt gestalten, mögen die Gläubigen zwar hören, aber so als seien sie an andere gerichtet; – ganz im Sinne des Jesu–Wortes. Was diese Herren uns sagen, wird vor unseren Augen verwirklicht, — jeden Tag. Zu ihnen gehörte auch Nahum Goldmann, einstiger Präsident des jüdischen Weltkongresses. (Er handelte mit Adenauer unter anderem die „Wiedergutmachung“ aus.) Er schrieb unter anderem:

„Aber Völkerschicksale entscheiden sich …, im Kulturellen, Sozialen, Psy-chologischen, in der Seele der Völker, in ihrer gesellschaftlichen Struktur, in der geistigen und sittlichen Verfassung…“ (sh. Eingangswort)

Und weiter führt er aus:

„…Man kann den Sinn und die historische Mission unserer Zeit in einem zusammenfassen: Ihre Aufgabe ist es, die Kulturmenschheit neu zu ordnen, an die Stelle des bisherigen herrschenden Systems ein neues zu setzen…

… ..Alle Um- und Neuordnung besteht nun in zweierlei: in der Zerstörung der alten Ordnung und dem Neubau der neuen. Zunächst einmal müssen alle Grenzpfähle, Ordnungsschranken und Etikettierungen des bisherigen Systems beseitigt und alle Elemente des Systems, die neu geordnet werden sollen, als solche gleichwertig untereinander, auseinandergelegt werden. So dann erst kann das zweite, die Neuordnung dieser Elemente begonnen werden. So besteht denn die erste Aufgabe unserer Zeit in der Zerstörung. Alle sozialen Schichtungen und gesellschaftlichen Formungen, die das alte System geschaffen hat, müssen vernichtet, die einzelnen Menschen müssen aus ihren angestammten Milieus herausgerissen werden; keine Tradition darf mehr als heilig gelten; das Alte gilt nur als Zeichen der Krankheit; die Parole heißt; was war, muß weg…

Die Kräfte, die diese negative Arbeit unserer Zeit ausführen, sind auf dem wirtschaftlich–sozialen Gebiet der Kapitalismus, auf dem politisch–geisti-gen die Demokratie. …

Noch kämpft der Kapitalismus gegen die Formen der alten traditionellen Wirtschaft, noch führt die Demokratie einen heißen Kampf gegen alle Kräfte der Reaktion. Vollenden wird das Werk der militärische Geist…

Dann aber erst erhebt sich die andere, größere und schwierigere Aufgabe: der Aufbau der neuen Ordnung. Die Glieder, die nun aus ihren alten Verwurzelungen und Schichtungen herausgerissen sind und ungeordnet anarchisch herumliegen, müssen zu neuen Formungen und Kategorien geschlossen werden.  …

. …“ (Nahum Goldmann: „Der Geist des Militarismus“, Seite 37 ff., Berlin/ Stuttgart, 1915)

Verdienen diese Aussagen nicht, dreimal gelesen und sorgfältig bedacht zu werden? Deutlicher können „die Macher“ uns ihre Vorhaben gar nicht offenlegen. Sie sind sich ihres Zerstörungswerkes an dieser Welt voll be-wußt. Und wer mag sich vorstellen, wie im wahrsten Sinne des Wortes uneingeschränkt ihre Machtvollkommenheit ist; denn die Völker sind ih-nen geradezu ohnmächtig ausgeliefert!

Hätten sie diese Machtstellung in der Welt ohne das Christentum jemals erreichen können? Aber das ist ja gerade der Zweck des Christentums. Sie sagen uns nicht nur, was sie vorhaben, sondern auch wie sie es bewerkstelligen. Das gelingt ihnen nur mit aktiver Hilfe der „Funktionäre“ in Politik, Wirtschaft, in den Medien, Kirche usw., – jener Herren, die ganz im gewünschten Sinne „funktionieren“.

Über Jahrhunderte hinweg wurden die Menschen im Sinne der „reinen Lehre Jesus“ indoktriniert, das heißt, umerzogen und in jüngerer Zeit –von den Medien unterstützt– dahingebracht, aus eigenem Antrieb zu wollen, was sie sollen.

„Sozialismus und Christentum sind die bleibenden aufreizenden Symbole der geistigen Versklavung Europas an Israel.“

(Samuel Roth in „Now and forever“, New York, 1925, Seite 57)

Was „deutsche“ Christen unserem Volke zumuten! Man muß „gläubig“ sein, um das zu begreifen. Und weiter werden ausgerechnet unser gegen-wärtiges Wirtschafts- und Sozialsystem sowie die Demokratie als Hauptinstrumente bezeichnet und –wie wir täglich erleben– genutzt, alle überlieferten Strukturen zu zerstören. Bemerkenswert: In dem Sozialsystem wirkt besonders das uns von den Politikern aufgezwungene Rentensystem als „erfolgreiche“, volksvernichtende Kriegswaffe. Verstehen wir nun, warum man uns diese Mittel so sehr hofiert? Man muß Christ, „De-mokrat“ und Befürworter der Globalisierung sein. Doch was uns da „so edel“ an die Ohren kommt, ist die gegen uns gerichtete Waffe, um alles, was Menschen bisher gedacht und geschaffen haben, zu zerstören

Sie scheuen sich nicht, uns vor Augen zu führen: Die beiden Werkzeuge, das so gelobte Wirtschaftssystem, der Kapitalismus und die Demokratie werden eingesetzt, ein Drittes zu vernichten. Es ist das, was den Völkern seit Urzeiten überkommen ist und sie durch die Geschichte getragen haben und Goldmann „Kräfte der Reaktion“ nennt. Wie immer wieder festzustellen, wird verdeckt gehalten, was vernichtet werden soll; denn die Menschen sollen nicht bemerken, um was es geht. Sie könnten es ja schützen und verteidigen. Hier und in heutiger Zeit geht es um unser und der Völker Letztes, um unser /ihr „Kulturelles, Soziales, Psychologisches, um die Seele der Völker, ihre gesellschaftliche Struktur, um ihre geistige und sittliche Verfassung.“ (Goldmann)

Christen erklären, Jesus habe gelehrt, wir sollten unsere Feinde lieben.

Himmel, Himmel! Sie verehren Jesus als Gott, als Gott, der alles Dasein (mit)erschaffen habe. Sprechen sie doch von der „Dreieinigkeit“. Haben diese „Gläubigen“ einmal darüber nachgedacht, was der Begriff „Feind“ beinhaltet? Das Leben wird seit Urzeiten als eines der Hauptmerkmale des Göttlichen verstanden. Ein Feind trachtet anderen nach diesem Leben, nach dem Höchsten, das über das Erdendasein weit hinausgeht! Und was bedeutet es nun, den Feind gar zu lieben? Unmöglich! Ein Gott, der alles Dasein „erschaffen“ habe, sollte den Begriff „Feind“ gar nicht kennen. Unmöglich, daß der „Gott“ der Christen seinen „Gläubigen“ so etwas abverlangt!

Was sagt es den Christen der „reinen Lehre“, daß ausgerechnet dieser Jesus ihnen – dem völlig entgegenstehend – erklärt, am Ende der Tage alle Welt vernichten zu wollen, um eine „Neue Erde“ zu schaffen, auf der dann nur die „Gerechten“, nur die Seinen, leben. Man schaue in die sogenannte Offenbarung. Wer aus dem Kreise dieser Gläubigen will sich die Feindseligkeit, den Haß vorstellen, den dieser Jesus in sich tragen muß! Sie müssen so groß sein, daß sie die ganze Erdenwelt mit allem, was sie trägt, einschließt. Alle Atombomben dieser Welt reichen nicht, des „Herrn Willen“ zu verwirklichen. Ist es anders zu denken? Wie kann von einem „Gott“ so geistig Verwirrendes (oder Eindeutiges) in die Welt kommen! Man muß „gläubig“ sein, um das für sich anzunehmen.

Ach, – würden die Christen doch in ihre Bibel schauen! Genauso ist es dem dortigen Satan zugeschrieben. Und welch ein Gleichklang! Was die-ser Jesu seinen Gläubigen verkündet, stimmt mit dem völlig überein, was die Seinen, die Angehörigen des „Gottesvolkes der Christen“, offen und unverhohlen verkünden.

„Die Juden werden in der Zukunft in den Letzten Tagen die Welt besitzen, und alle Völker werden zugrunde gehen, aber die Juden allein werden bleiben.“  (Rabbi Bechei in seinem Bibelkommentar 179, 3.)

Und weiter:

„Die Hoffnungen der Juden werden erfüllt werden, denn der Messias wird ein universales Königreich auf Erden errichten“

(J. F. Rutherford:  „Trost für das Volk“, Magdeburg, Verlagsrecht 1925, S. 47)

„…Israel ist der Messias, Gottes Quälgeist unter den Nationen, der bestimmt ist, die Zeit eines universalen Frieden herbeizuführen.“

(Rabbiner Dr. Kaufmann Kohler in „A Guide to Instruction in Judaism“, New York, 1900. Seite 41)

In gewissen „deutsch-christlichen“ Publikationen, wird das Heil darin ge-sehen, das Neue Testament vom Alten abzutrennen. Da heißt es unter anderem, Jesus habe das Alte „erfüllt“. Sehr zutreffend! Erst mit diesem biblischen Jesus und durch das Christentum haben sich die Verheißungen „erfüllt“, die Jahwe seinem Volke gegeben haben soll. Das bedeutet nichts anderes als, erst durch das Christentum haben sich die Sehnsüchte des „Gottesvolkes der Christen“, das heißt, deren Ansprüche an das Dasein, erfüllt.

Mit den Geschehnissen, die nach dem Zweiten Weltkrieg über die Völker Europas, insbesondere über unser deutsches Volk hereingebrochen sind und immer deutlicher zutage treten, scheint ihr (unser) Schicksal besiegelt. Und wenn wir nach den Ursachen fragen, müssen wir dem vorangestellten Wort von Nahum Goldmann wohl zustimmen. Immer wieder sind es Persönlichkeiten gerade aus diesem Volke, die es uns un-verhüllt sagen, praktisch auf die Füße werfen, und wir scheinen blind und taub zu sein, ja, wie gelähmt und unfähig, über sich Aufdrängendes nachzudenken. Es ist anders nicht zu erklären, — Gedankenabriß!

Völkerschicksale, ihr Aufstieg oder Untergang, werden durch ihre geistige und sittliche Verfassung bestimmt, durch das, was ihrem Geist und Wesen zugehört und durch die Kraft ihrer Eigenart hier auf Erden Gestalt zu verleihen. Diese findet ihren Ausdruck in der Kultur, verstanden im Sinne Oswald Spenglers und nicht in dem vom Zeitgeist suggerierten. Geist und Wesen eines Volkes spiegeln sich in den Werken der großen Geistesmänner wider, die es hervorbringt. Das rechnen wir jeder Kulturepoche zu. Müssen wir darum nicht fragen, warum fast alle Großen unseres Volkes das Christentum nicht nur ablehnten, sondern in diesem das größte Übel erkannten, das über die Völker gekommen ist? In Publikationen „deutscher Christen“ wird gern das Wort Friedrich Hebbels (1813 –1863) angeführt:

„Es ist möglich, daß der Deutsche einmal von der Weltbühne verschwindet; denn er hat alle Eigenschaften, sich den Himmel zu erwerben, – aber keine einzige, sich auf der Erde zu behaupten, und alle Nationen hassen ihn, wie die Bösen das Gute. Wenn es ihnen aber gelingen sollte, ihn zu verdrängen, wird ein Zustand eintreten, in dem sie ihn wieder mit den Nägeln aus dem Grabe kratzen möchten.“

(F. Hebbel, Tagebücher, 4.01.1860)

Man gibt vor, die Richtigkeit der eigenen Vorstellungen durch ihn bestätigt zu finden. Warum aber unterschlägt man, was mit fast allen unseren Großen auch Hebbel viel tiefer bewegt haben muß. Sein Werk bezeugt es. Es ist anders kaum zu erklären: Die Menschen, die wach werden könnten (Nietzsche) sollen weiterhin an das Christentum gefesselt bleiben. Hier noch einmal Hebbel:

„ … Christliche Sünde ist ein Unding, christliche Demut die einzig mögliche menschliche Sünde, und christliche Gnade wär’ eine Sünde Gottes. Dies ist um nichts zu hart. Die edelsten und ersten Menschen stimmen darin überein, daß das Christentum wenig Segen und viel Unheil über die Welt gebracht hat. Aber sie suchen meistens den Grund in der christlichen Kirche; ich find` ihn in der christlichen Religion selbst…“

An anderer Stelle:

„…Das Christentum ist das Blatterngift der Menschheit. Es ist die Wurzel alles Zwiespalts, aller Schlaffheit, der letzten Jahrhunderte vorzüglich. Je weiter sich wahre Bildung nach unten hin verbreitet, um so schlimmer wird es wirken. Bisher war das Christentum des Volks ziemlich unschädlich; denn es war ein roheres Heidentum.

Diese meine innigsten Überzeugungen hab’ ich mich veranlaßt gefunden,

dir mitzuteilen. Hinter all dem Scherz in früheren Tagen lag der tiefste

Ernst versteckt; ich hasse und verabscheue das Christentum, und nichts mit größerem Recht. Es will Wunder tun, und selbst, wenn Wunder möglich wären, hörten sie nicht auf, überflüssig zu sein …“

(Brief an Elise Lensing vom 13. Februar 1837, bei Pfannmüller: „Jesus im Urteil der Jahrhunderte“ Leipzig 1908)

Das ist nur ein Beispiel. Man lese unter anderem Schiller. Im Folgenden möchte ich auf einige Wirklichkeitsaspekte hinweisen, die vielleicht doch zum Nachdenken anregen; denn wir sind eingebunden in ein Netz gezielter Manipulation. An diesem Geflecht wurde und wird nicht erst seit den beiden Weltkriegen, sondern seit Jahrhunderten gesponnen. Die vergangenen christlich geprägten zwei Jahrtausende gründen sich auf zwei Säulen: zum einen auf das, was wir „Religion“ zu nennen pflegen (hier das Christentum), zum anderen auf das Welt–Kapital. Bei genauerem Hinsehen ruhen sie auf eine dritte Säule: Es ist unser Lebenswille, unser „Trotzdem“! Es ist das Vermögen der Völker, trotz dieser beiden großen „Saugnäpfe“ zu leben –wenigstens biologisch– und der Wille, das Leben aus Wesenseigenem zu gestalten. Die Völker jedoch werden auf das in der Bibel beschriebene Ziel hingetrieben, das die Christen als große Verheißung ihres „Gottes“ Jahwe seit zwei tausend Jahren –in Blindheit ge-schlagen– zu verwirklichen trachten:

„Dann wird er dir geben, große, schöne Städte, die du nicht gebaut hast, und Häuser alles Guten voll, die du nicht gefüllt hast, und gemeißelte Brunnen, die du nicht gehauen hast, und Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast; und du wirst essen und satt werden.“

(5. Mose 6, 10 –11)

 

„Fremde werden stehen und deine Herden weiden, und Ausländer werden eure Ackerknechte und Weingärtner sein. … und werdet der Heiden Güter essen und über (materielle und geistige) Herrlichkeit euch rühmen.“

(Jesaja 60, 10 – 12)

„Fremde werden deine Mauern bauen und ihre Könige werden dir dienen … und deine Tore sollen stets offen stehen Tag und Nacht, damit man die Güter der Völker zu dir hereinbringe samt ihren Königen im Zuge, denn Völker und Reiche, die dir nicht dienen wollen, die sollen umkommen.“

(Jesaia 60, 10 – 12)

„… So spricht der Herr, Herr: Siehe, ich will meine Hand zu den Heiden aufheben, und zu den Völkern mein Panier aufwerfen, so werden sie deine Söhne in den Armen herbringen, und deine Töchter auf den Achseln hertragen. Und Könige sollen deine Pfleger, und ihre Fürstinnen deine Säugammen sein. Sie werden vor dir niederfallen aufs Angesicht, und deiner Füße Staub lecken. Da wirst du erfahren, daß ich der Herr bin, an welchem nicht zu Schanden werden, die auf mich harren…“

(Bibel, Jesaja 49, 22-23)

Wir sehen in heutiger Zeit, wie die in den Dienst genommenen „Könige“, die Politiker, so funktionieren, wie hier beschrieben. Kann man Völker, kann ein Volk sich selber tiefer erniedrigen? „Wir eroberten euch (durch das Christentum) so voll-kommen, wie keines eurer Weltreiche je Afrika oder Asien unterjocht hat. …“ (Ravage) Wir fragen, warum diese Herren uns „ihre“ Welt so offen und unverhohlen erklären, in die sie die Völker stellen. Zum einen wird es die Gewißheit absoluter Machtvollkommenheit sein. Zum anderen versetzen sie die Völker –wohl kalkuliert– in einen Zustand, den wir, psychologisch ausgedrückt, als „Schock–Starre“ be-zeichnen können.

Ist es doch „Gott“, sogar der Einzige, der hier durch Männer spricht, de-nen er besonders verbunden ist, und die in „Verwirklichung seines Willens“ die Welt gestalten. Da wird der „Gotteswille“ verkündet, und der ist unabänderlich. Dem können wir uns nur fügen. Die „Gläubigen“ sehen sich „gottgefällig“ und sind darüber auch noch glücklich. Sie erklären es (für sich) als Hingabe an „Gott“ und empfinden sich herausgehoben; denn man hat die „reine Lehre Jesu“ verstanden und lebt ihr gemäß.

Zu dem Jesu–Wort in Lukas, 12, 51 bis 53, „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen auf Erden. …“ erklärte einer jener Christen, die unserem Volke noch verbunden sind und die „reine Lehre Jesu“ zu kennen glauben, wörtlich: „Wie dieses Wort in die Bibel gekommen ist, weiß ich nicht“, ein anderer: „An etwas muß man doch glauben.“ Das ist eine Kapitulation des menschlichen Geistes und völlige Selbstaufgabe. Nach zwei Jahrtausenden Umerziehung und Indoktrination durch die Kirche sind die Gläubigen dahin gebracht worden, aus eigenem Antrieb zu wollen, was sie sollen. Ignatz v. Loyola, Begründer der überaus einflußreichen „Gesellschaft Jesu“, des „Jesuitenordens, schrieb in den „Konstitutionen“ des Ordens:

„Der Mensch soll werden, als ob er ein Leichnam wäre, der sich auf jede Seite wenden und auf jede Weise mit sich verfahren läßt; oder wie der Stab eines Greises, der dem, welcher ihn in der Hand hält, überall und immer dient, wie und wo er ihn gebrauchen will.“

Man achte auf die Worte! Nicht die Angehörigen des Ordens sind hier angesprochen, es ist „der Mensch“, der werden soll „als ob er ein Leichnam wäre“ oder ein Krückstock. Hat Kirchenarbeit das nicht längst erreicht?

Das Neue Testament vom Alten trennen

Deutsche Christen der „reinen Lehre Jesu“ proklamieren weiter die Trennung des Alten Testamentes von dem Neuen. Was sie damit zu erreichen hoffen, bleibt unerklärt, in jedem Falle aber unbedacht. Das Neue Testa-ment und die von diesen Christen selbst erst hineingedachte „reine Lehre“ ist für sich alleinstehend überhaupt nicht denkbar. Zu viele „Elemente“ einer „Religion“, auf die ich hier gar nicht näher eingehen möchte, müßten diese Gläubigen erst hinzukonstruieren. Es bleibt ein Torso. Auf eines will ich verweisen: Sie erklären, das Besondere und der Kern des Christentums läge darin, daß „Gott“ in seinem Sohn Jesus Mensch geworden sei. Von welchem „Vater–Gott“ wird hier gesprochen? Und gerne blenden sie die bisherige Geistesgeschichte aus. Auch hier erkennen wir, wie tief sie in dem aus Jüdischem kommenden Christentum gefangen sind. Und sie selbst bestätigen, daß sie sich von diesem nicht lösen können.

In der „Erklärung der deutschen Bischöfe vom 28. April 1980 über das Verhältnis der Kirche zum Judentum“ ist einmal mehr Näheres über die Identität zwischen dem „Gottesvolk“ der Christe und Jesus und somit auch zwischen dem Alten und Neuen Testament ausgesagt:

„Das geistliche Erbe Israels für die Kirche:

… Jesus Christus hat von seiner jüdischen Herkunft her ein reiches geistliches Erbe aus den religiösen Überlieferungen seines Volkes in die christliche Völkerwelt miteingebracht, so daß der Christ mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist und dauernd auch aus diesem Erbe schöpft.“

„… Und dauernd auch aus diesem Erbe schöpft.“ Was ist hiermit wohl gesagt! Über eine eventuelle Trennung der Testamente hat man sogar im Vatikan schon nachgedacht. Dahin gehende Gedanken wurden also bereits in die rechte Bahn gelenkt. Die vatikanischen „Richtlinien und Hin-weise für die Konzilserklärung“: ‚Nostra Aetate’, Art. 4 vom 1.Dezem-ber 1974 bemerken hierzu:

„Man soll bemüht sein, besser zu verstehen, was im Alten Testament von eigenem und bleibendem Wert ist . . ., da dies durch die spätere Interpretation im Licht des Neuen Testaments, die ihm seinen vollen Sinn gibt, nicht entwertet wird, so daß sich vielmehr eine wechselseitige Beleuchtung und Ausdeutung ergibt. …

Man darf das Alte Testament und die sich darauf gründende jüdische Tradition nicht in einen solchen Gegensatz zum Neuen Testament stellen, daß sie nur eine Religion der Gerechtigkeit, der Furcht und der Gesetzlichkeit zu enthalten scheint, ohne den Anruf zur Liebe zu Gott und zum Nächsten (vgl. Dtn 6,5; Lev 19,18; Mt 22,34-40). …

Die Kirche hat mit Recht stets alle Versuche abgelehnt, die darauf hinausgingen, das Alte Testament aus ihrem Schriftenkanon zu entfernen und nur das Neue Testament gelten zu lassen. …“

Wie wollen die Christen –innerlich gebunden – sich hier zurechtfinden? Mit dem Bestreben, das Alte Testament von dem Neuen zu trennen, wür-den lediglich die im Judentum liegenden Wurzeln des Christentums verdeckt. Auch sie sollen vergessen gemacht werden. Man setzt wohl darauf, die jüdische Religion des Christentum noch fester und als zu uns gehörig in die Seelen einzupflanzen. Das wäre ein untauglicher Versuch, über die seelisch-geistigen Trümmer Jahrhunderte währenden Christentums hinweg Brücken zu schlagen, damit der Wille des „Herrn“, Jahwes, sich restlos verwirklichen kann.

„Ihr sollt Priester des Herrn heißen, und man wird euch Diener Gottes nennen; die Kraft der Heiden werdet ihr verzehren, und in ihrer Herrlichkeit euch rühmen…“ (Bibel, Jesaja 61, 6)

Durch das Christentum und mit Hilfe der Gläubigen ist das längst erreicht. Mit dem Götterverlust haben „die Heiden“ auch alle Lebens- und Gestaltungskraft verloren. Sie wurden ihnen geraubt und zunichte gemacht.

In einer weiteren Publikation „deutscher“ Christen, die die „reine Lehre Jesu“ zu kennen glauben, wird mit heller Begeisterung erklärt, die Juden hätten lange, lange „vor den Griechen bereits eine hohe Kultur und ein funktionierendes Finanzwesen gehabt.“ Die „Gottesmänner“ dieses Volkes selber scheinen davon jedoch nichts zu wissen und geben einander den Rat:

„… Wir müssen aus jeder Kultur das Beste saugen und es in unser geistiges Heim tragen. Wir müssen aber auch unserer geschichtlichen Aufgabe wieder gerecht werden, für die Verbreitung unserer welterlösenden Gedanken zu sorgen. Das war und ist seit Jahrtausenden die Mission der Diaspora…“

(Oberrabbiner H. P. Chajes: „Reden und Vorträge“, Wien, 1933, Seite 137)

Beeindruckend, was Deutsche von der Welt und der Geschichte anderer Völker „wissen“. Zeugt es nicht von Geschichtsvergessenheit das eigene Volk betreffend, von Gott- und  Selbstverlorenheit, um sich in eine solche Geisteshaltung zu verirren? Eine Stimme aus dem „Gottesvolk“ der Christen schreibt:

„…Der jüdische Geist, der altes und neues Testament schuf, gibt uns auch die Bibel der Zukunft geben, die Konstitution des Erdstaatenbundes…“

(Franz Held, Aufsatz „Die Mission des Judentums“, in „Die Gesellschaft, Monatsschrift für Literatur und Kunst“, Leipzig, 6. Jahrgang, April 1890, 4. Heft, Seite 566)

Achten wir auf das Datum der Veröffentlichung! Mit welcher Sicherheit und Gewißheit ihrer Machtvollkommenheit sprechen diese Herren!

Ein Gemeinsames zwischen dem Alten und dem Neuen Testament liegt in der In–Schuld–Setzung der Menschen, Kerninhalt des ganzen Christentums. Das Alte versetzt sie schon deshalb in Schuld vor den „Gott“ der Christen, Jahwe, weil sie gewagt haben, geboren zu werden. Nun sprechen die Christen Jesus die Funktion eines „Erlösers“ zu. Dieser „Erlöser“ erkennt damit die In–Schuld–Setzung der Menschen ebenfalls an, und ist genauso Träger jenes herabsetzenden Menschenbildes, das mit Jahwe, sprich, mit dem Christentum in die Welt gekommen ist. Im anderen Falle würde es diese „Erlöserfunktion“ für ihn gar nicht geben.

Welche Bedeutung hat Jesu für Christen, wenn nicht die des „Erlösers?“ Die im Alten Testament den Menschen aufgebürdete Schuld ist Fundament des Christentums. Es lebt von der In–Schuld–Setzung, wie auch Jahwe, Jesus und das „Gottesvolk“. Die Gläubigen lassen sich besonders von der Erlösungshoffnung leiten, die ihnen beständig eingegeben wird. Das bedeutet, sie fühlen sich schuldig und erlösungsbedürftig. Wie wollen Christen die Welt verbessern, wenn sie nicht einmal ihrer eigner Lebensführung vertrauen?

Mit Hilfe des Christentums und der Gläubigen, die es doch tragen, sind die Völker –und vor allem unser deutsches– dahingebracht worden, alles „Böse“ dieser Welt mit Deutschem zu verbinden. Man scheut sich nicht, das im Wesen unseres Volkes liegende „Übel“, bis auf Luther (1483–1546) zurückzuführen, also in eine Zeit lange vor dem 30–jährigen Krieg (1618 –1648), ja, sogar bis zur Abschüttelung des Römerjoches, der Jahrtausendwende. Mit Hilfe des Christentums wird eine Kausalkette unserer besonderen „Schuld“ konstruiert, die bis in diese Zeit zurückreicht. Wir brauchen nicht an das voreilige Schuldbekenntnis der ev. Kirche zu erinnern, ihre Arbeit bis zum heutigen Tage spricht für sich. Für die Tilgung des „Bösen“ im Deutschen wurden zwei Weltkriege geführt, und sie findet kein Ende

Die Kirchen haben ohne Not und ganz im Sinne des Zeitgeistes und der „politischen Korrektheit“ unserem Volk eine Schuld aufgeladen, die in der Mensch-heitsgeschichte einmalig sein soll. Es vergeht kein Tag, an dem uns nicht sug-geriert wird, alles, was unserem Volke zugehört, käme aus dem Satanischen. Die Gläubigen tragen dies nicht nur mit, sie unterstützen es. Im anderen Falle würden sie die Kirchen verlassen. Es ist ein täglicher Seelen- und Gottesmord.

Das „Gottesvolk“ der Christen, ihr Gott Jahwe und Jesus sind völlig identisch. „Was der Mensch als Gott verehrt, ist sein eigenes Inneres herausgekehrt.“ (Goethe) Die Sündenschuld, die das Christentum den Menschen auflastet, ist immer und zugleich die „Schuld“ gegenüber dem „Gottesvolk“. Und herausragende Persönlichkeiten des „Gottesvolkes“ der Christen erklären denn auch, das „wahre Golgatha“ liege nicht in Israel, sondern in Auschwitz, dem inzwischen „geheiligten“ Ort. Das „Gottesvolk“ selber sieht sich als Jesus und hat den Christen die Metapher gegeben. Auch hier finden wir bestätigt: Jahwe, sein Volk und Jesus sind ein Einheitliches. Wie ist es nur möglich, daß „deutsche“ Christen diesen schon in ihrer „Religion“ liegenden Zusammenhang ausblenden, gleichzeitig aber gegen die unserem Volk aufgeladene Schuld besonderer Art angehen, von diesem Christentum aber nicht lassen können!

Ein Weiteres: Welchen „Christengeist“ haben die Christen in den vergangenen 2000 Jahren gelebt, – den des Alten oder den des Neuen Testamentes? Im Geiste des Neuen wurde die Welt so gestaltet, wie wir sie kennen. Was erwarten die „deutschen“ Christen, die die Testamente trennen wollen? Wurden sie durch das Alte bisher daran gehindert, die Welt so einzurichten, wie sie sie sich durch die Trennung erträumen?

Die „deutschen“ Christen der „reinen Lehre Jesu“ erklären sogar, das jüdische Volk müsse in Jahwe, also seinen und der Christen „Gott“, den Satan erkennen. Dann käme die Welt in Ordnung. Schon dieser Gedanke beinhaltet, daß sie Satan als ihren „Gott“ verehren. Und was bedeutet dieses Ansinnen für das „Gottesvolk“ der Christen? Unmöglich! Hierüber zu spekulieren ist fruchtlos. Und so etwas kommt von Christen, die an Jahwe doch gefesselt sind! Deutsche Christen, die sich selber bis in die letzten Fasern ihrer Existenz hinein verneinen, – schon, indem sie sich selber nichts Göttliches zuerkennen, wagen es, diesem Volke aufzugeben, es solle sich derart herabwürdigen und verneinen. Dieses Volk, das Christen doch als ihren Gott anbeten! Auch hier – Gedankenabriß!

Das Alte Testament ist das Glaubensfundament der Christen. Nun erwarten die „deutschen“ Christen, daß das Gottesvolk ihnen dieses Fundament entzieht, indem es sich selbst offen zum Satan erklärt. Ein Beispiel aus dem Tagesgeschehen mag verdeutlichen, was dies bedeutet. Wer könnte sich vorstellen, daß Amerika seine Weltmachtstellung aufgibt, und der Menschheit die wahren Gründe eingesteht, für die es –gemein-sam mit England– die beiden Weltkriege führte? Wo in der Weltgeschichte hat es so etwas gegeben? Und was Christen, die nicht den Mut haben, ihrer eigenen Lebensführung zu vertrauen und die Kirche zu verlassen, die sich schuldig und erlösungsbedürftige fühlen, ihrem „Gottesvolk“ abverlangen, geht darüber weit hinaus.

Man erwartet, daß das Gottesvolk sie aus den Irrgarten der christlichen Epoche herausführt und den Völkern unseres Kulturkreises die Plattform schenkt, die ihnen das Überleben hier auf Erden sichert, — dies von jenem Volk, das sie ihnen seit Jahrhundernten mit Hilfe des Christentums verwehrt hat. Das ist schon deshalb wirklichkeitsfremd, weil Menschen nur schätzen, was sie sich hart haben erarbeiten müssen.

Wie also könnte aus Christlichem etwas aufkommen, das dem bisherigen Weltgestalten im Sinne des Jesu–geistes völlig entgegensteht? Ein Anfang wäre so einfach! Man brauchte das Christentum nur abzulegen und dieses „Gottesvolk“ sich selbst zu überlassen.

 

Wer oder was sind wir,  —

wir Deutsche, als Volk und als Einzelperson? Das werden wir selbst erschöpfend nicht beantworten können, weil wir Deutsche sind. Persönlichkeiten anderer Völker sind freier. Sie treffen es sicherer und sehen klarer. Sie sollen deshalb zu Wort kommen. Eine kleine Auswahl ihrer nur religionsbezogenen Aussagen führe ich an. Vielleicht verhelfen sie dazu, uns als Volk endlich wieder zu bejahen.

„Was sind diese Deutschen doch ein Volk! Und sie haben nicht einmal eine eigene Religion!“

In Walther Rathenau findet sogar ein Angehöriger des „Gottesvolkes“ der Christen solche Worte. Ich lese Bewunderung heraus. Er hat vieles in ähnlichem Sinne geschrieben, – freilich auch bedenkenswertes. Und der Engländer Houston Stuart Chamberlain erkannte:

„In dem Mangel einer wahrhaftigen, unserer eigenen Art entsprechenden Religion erblicke ich die größte Gefahr für die Zukunft des Germanen. Das ist seine Achillesverse. Wer ihn dort trifft, wird ihn fällen.“

Das Christentum selbst fungiert als „Himmelsleiter“ des „Gottesvolkes“. So wurde die heutige Welt zum Bild Jahwes. Schon die kleine Auswahl hier angeführter Aussagen bezeugt es. Wie würde sie wohl aussehen, dürften wir auch in uns selber, in anderen Völkern, im Erdendasein allgemein Göttliches erkennen, – ganz so, wie es in vorchristlicher Zeit allen Völkern selbstverständlich war? Sogar eine Stimme aus dem Kreis bereits erwähnter Kirchenhistoriker vermittelt uns einen Eindruck davon. Könnten wir doch die Kraft finden, das uns so Fremde einfach abzulegen; denn was hier angesprochen ist, schlummert nach wie vor in unserem Innern und wartet darauf, zu neuem Leben erwachen zu dürfen.

„Wie die meisten Menschen bin ich in einer Kultur aufge­wachsen, in der es heißt: Der Monotheismus, der Glaube an einen Gott, ist der Lehre des Polytheismus überlegen. Mein Weltbild stand Kopf als ich entdeckte: Der heidnische Glaube an viele Götter führt in seinem Herzen zur Idee der Einzig­keit. Es gibt einen Gott oder das eine Wesen, das sogar über der Idee Gottes steht. Dieses übergeordnete Wesen ist über viele Gesichter, viele Götter ansprechbar. Und keiner erreicht den Ruhm und die Höhe dieser über allem erhabenen Ein­zigkeit.“ (Tim. Freke)

Wer oder was sind wir?

„Seht ihr ein Volk –mit Ketten belastet– dem Henker preisgegeben? Sprecht nicht gleich, es wäre ein rachsüchtiges, ein herrschsüchtiges Volk. — Vielleicht ist es ein Volk, das einen Opfergang geht, zum Wohle der Menschheit.“

(Felicité Lamnai, französischer Priester und Historiker, Ende des 18. Jahrhunderts über unser Volk)

Ist es nicht hohe Zeit, daß die Völker allgemein und auch wir Deutsche wieder in ihr/unser Eigenes finden? Große Persönlichkeiten anderer Völker versuchen, uns aus dem Schlaf zu rütteln. Eine weitere Stimme sogar aus dem „Gottesvolk“, Hugo von Hofmannsthal, sagt uns:

„Jenes deutsche Wesen, welches einstmals die Welt eroberte, welches den Osten und den Westen durchdrang, welches seine Baukünstler, seine Kaufherren, seine Gelehrten, seine die Jahrhunderte durchdauernden Bauerngeschlechter über den Niederrhein schickte, über die Oder und donauwärts, welches Handel trieb und erzog, erleuchtete und bereicherte, kolonisierte ohne zu erobern, leitete ohne zu regieren, deutsches Bauernwesen, deutsches Stadtrecht, deutsche Dome, deutsche Offizinen aufrichtet, wohin ist es denn hinübergerettet, wenn nicht in uns? Wo spiegelt sich am größten die alte Idee deutschen Wesens, im Deutschen Reiche offenbart, aber nie völlig verkörpert, wenn nicht in uns? Hier nahm sie ein für allemal Körper an.

Daß wir sind und wie wir sind, was wir beanspruchen dürfen und was wir zu leisten haben, wie wir hier sitzen zwischen fremdsprachigen Völkern, und was wir diesen Völkern schuldig sind, um der Jahrhunderte willen und um des Ranges willen, den wir kraft unserer Sendung unter ihnen behaupten: das ist unser historisches heiliges deutsches Erbe.“

Haben wir nicht tausend Gründe, uns als Volk zu begreifen und zu bejahen, — auch und gerade unsere Geschichte? Hier haben wir nichts zu verneinen, sie gehört zu uns. Geschichte ist das Gedächtnis eines Volkes und deshalb immer gegenwärtig. Das mahnende Wort Friedrich Hebbels sollten wir bedenken. – Ob wir wollen oder nicht, es wird uns verfolgen:

„Es kommt zuweilen, wie für den einzelnen Menschen, so für ein ganzes Volk, ein Moment, wo es über sich selbst Gericht hält. Es wird ihm nämlich Gelegenheit gegeben, die Vergangenheit zu reparieren und sich der alten Sünden abzutun. Dann steht aber die Nemisis ihm zur linken Seite, und wehe ihm, wenn er noch nicht den rechten Weg einschlägt. So steht es jetzt mit Deutschland…“

G.W.F. Hegel vermochte es, in seiner Philosophie ein in sich geschlossenes Weltbild geistig darzustellen. Anschaulich begründete er unter an-derem, die Weltgeschichte sei das „Weltgericht“, – und eben nicht Jahwe und Jesus. Das sollte uns schon deshalb einleuchten, weil alles Geschehen seine Ursache hat. Wenn nun aber nicht nur unserem deutschen Volke, sondern den weißen Völkern insgesamt sogar die biologische Vernichtung droht, muß in dem christlich geprägten Geschichtsverlauf vergangener Jahrhunderte für diese Völker etwas fehlgelaufen sein. Und wenn wir nach den Ursachen fragen, werden wir auf jenes Volk, auf die Völker schauen müssen, die die Weltgeschichte seit Jahrhunderten gestalten.

Noch einmal: Mit dem Götterverlust haben diese Völker alle ihre Lebens- und Gestaltungskraft verloren. Nichts rächt sich schwerer als die Untreue und der Verrat gegen sich selbst. In der für unser Volk so verhängnisvollen zweitausendjährigen, im Christengeiste geprägten Geschichte hat es doch immer wieder seine hohe geistige und sittliche Erneuerungsfähigkeit bewiesen. Darin folgte es stets seiner Bestimmung, einem inneren Gesetz. Trotz der herabsetzenden Einflüsterungen lebt in unserem Innern das Bewußtsein dafür, was dem wahren Leben zugewandt ist und was selbst- und gottverlassen.

Ohne Idee, ohne ein hochgestecktes Ziel findet der Deutsche kein Genüge am Leben als solchem; denn letztlich weiß er sich in der höheren Ordnung gehalten. Ihm ist es gegeben, immer einem hohen Ziel entgegenzustreben, und sich dabei doch stets als „Werdender“ zu empfinden. Erkennt der Deutsche den Sinn des Daseins doch darin, dem Göttlichen entgegenzuwachsen und es in sich und in der Welt immer klarer heraufzubringen. Es selber lebt doch in seinem Innern.

Was sind wir Deutsche doch ein Volk! (nach Rathenau) Der Schweizer Jakob Burckhardt, einer der bedeutendsten Kulturhistoriker überhaupt; schrieb unter anderem:

„Wenn der deutsche Geist aus seinen innersten und ureigensten Kräften noch einmal gegen die große Vergewaltigung eine neue Kunst, eine neue Poesie, eine neue Religion entgegenzusetzen imstande ist, dann sind wir gerettet; wenn nicht – nicht!

Ich sage bewußt: ’Religion‘, denn ohne ein überweltliches Wollen, das den ganzen Macht- und Geldrummel aufwiegt und bei allen Katastrophen und Umwälzungen, die uns treffen, auf dem Wasser schwimmt, geht es nicht.“ (Jakob Burckhardt: „Weltgeschichtliche Betrachtungen“)

In dieser Aussage liegt ein die Welt Umfassendes! Was ist es wohl, das er „die große Vergewaltigung“ nennt? Und was erkennen er und viele Großen anderer Völker im Geist und Wesen unseres Volkes? Es kann nur das Welterhaltende sein, das wir und sie doch mit dem wahrhaft Göttlichen verbinden.

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