Neue Religiosität

Es irrlichtert in der westlichen Geisteswelt. Nichts stimmt mehr – nichts in den Köpfen, folglich auch nichts im Lande. Eine ungezügelte Intellektualität hat nach und nach die Sicht auf die ganze Wirklichkeit des lebendigen Kosmos verstellt. Deshalb ist unsere Führungsschicht zugleich hochintelligent und unsäglich dumm geworden. Unter einem rätselhaften Zwang treibt sie unseren, in Jahrtausenden gewachsenen, Lebenskreis in den Untergang – mit ausgeklügelten Argumenten. Rufen wir sie zurück auf den helleren Weg!

Toleranz oder Täuschung

Das Jubiläum des Augsburger Religionsfriedens vom 25.9.1555 bietet den Liebedienern der Völkervermischung eine willkommene Hilfe für Irreführungen. Sie empfehlen jene Einigung zwischen Rom, Kaiser und den deutschen Fürsten als Vorbild für eine Tolerierung des Islam in Deutschland und Europa. Wie selbstverständlich, vergleichen sie die seinerzeitige Lage des Protestantismus gegenüber der Romkirche mit der des Islam heute gegenüber dem Christentum. Das Auftreten des Islam in Deutschland soll dabei so folgerichtig erscheinen wie ehedem das Entstehen der lutherischen Kirche. Daß Luther aus den geistigen Bevormundungen des Mittelalters herausdrängte, aber nicht hinein wie der Islam, das verschweigen sie.

Der herrschende Gleichheitswahn unterschlägt überdies, daß sich die Deutschen die historische Augsburger Einigung unter ihresgleichen abgerungen haben, also innerhalb ihres geschlossenen Kulturkreises. Ideologen vernebeln mit humanitärem Gerede, daß sich heute hinter der Duldung des Islam eine unkriegerische Landnahme durch orientalische, vorderasiatische und afrikanische Völkerschaften verbirgt. Den zu erwartenden mörderischen Konflikt wird allerdings weniger die missionarische Kraft des Islam als vielmehr das Aufeinanderprallen grundverschiedener, rassebedingter Lebensformen auslösen.

Die Ausgangslage war im 16. Jahrhundert auch aus einem weiteren Grund anders als die heutige. Damals stand die Macht der geistlichen und weltlichen Herrschaft dank der Kraft der Christenlehre noch in vollem Saft. Abweichende Lehrmeinungen hatten blutige Folgen. Deshalb bedeutete Toleranz damals Selbstbeherrschung. Heute gleichen die ins Judentum zurückgekehrten christlichen Kirchen nur zahnlosen Greisen. Angesichts ihres Zustandes ist ihr Toleranzangebot an den Islam bloße Hochstapelei. Wenn nur sie selbst vom Islam verdrängt würden, ginge es noch an. Aber sie unterstützen ja den Untergang der europäischen Völker, die sie jahrhundertelang getragen haben.

Selbstverständlich fressen die Muslime vorerst noch Kreide oder beißen sich lieber die Zunge ab als ihre Ziele zu bekennen – so lange sie eben noch eine kleine Minderheit sind. Selbstverständlich verurteilen sie den Mord an einem Theo van Gogh und die Ehrenmorde an ihren verwestlichten Familienmitgliedern. Selbstverständlich hüten sie sich, die rabiaten Islamisten zu verteidigen. Selbstverständlich schwören sie noch auf Verfassungen und auf die westliche Gesellschaftsordnung. – Das sind doch uralte, durchsichtige Verhaltensweisen der Unterwanderung! Um das zu durchschauen, braucht es keine starke Intelligenz, um es zu übersehen aber einen starken Glauben an die Ideologie von der Gleichheit aller Menschen.

Die Natur denkt anders. Rassen und Kulturen sind gewachsene Verschiedenheiten. Volksgruppen integrieren und assimilieren sich nicht, solange sie nach einem Naturprinzip leben, das sie drängt, auf ihre Weise zu leben. Das ist ihr natürliches Recht, auch wenn wir die unaufhaltsame Volkwerdung der einzeln eingewanderten Kulturfremden in unseren Städten mit Bedrückung erleben.

Die Zukunft der Völker und Entfaltung ihrer Kulturen liegen in der Entmischung und Trennung dessen, was sich fremd ist, aber zusammengewürfelt wurde. Das Ziel einer Friedensordnung muß das freundschaftliche Nebeneinander der Rassen, Kulturen und Religionen in ihren eigenen, gesicherten Lebensräumen sein.

Europa hängt in den Fängen einer freischwebenden Intelligenz, die alle Wirklichkeit auf Geld zurückführen will. Um das zu verbergen, predigt sie hohe Ideale: Toleranz, Gleichheit und Humanität. Damit hat sie den Gutmenschen hervorgezaubert, der mit einer fanatischen Aufdringlichkeit die öffentliche Meinung beherrscht. Diese kalte Konfession wird das Eigenwesen Europas zum Erlöschen bringen – wenn es Herz und Vernunft, Ehrfurcht vor dem Wollen der Natur und dem Sinn für die Wirklichkeit nicht gelingt, sie noch abzufangen.

Das geistige Europa

Europa muß wieder es selbst werden. Dazu müssen die Völker Europas wieder unter sich sein und den Faden ihrer Geschichte dort neu aufnehmen, wo er noch in Freiheit gesponnen werden konnte. Dazu muß ein geistiges Klima entstehen, das den Angehörigen der Nachbarkulturen in Asien und Afrika zwar Anregung und Friedfertigkeit, aber keine Heimstatt anbietet. Europa muß ein Klima der Abweisung für Profiteure jeder Art entwickeln.

Diese Forderung ist leicht ausgesprochen; ob die Völker Europas noch die Kraft haben, ihr zu folgen, kann bezweifelt werden. Trotzdem müssen die Bedrohungen und die möglichen Rettungswege als die höchstrangigen Themen der Politik laut verkündet werden.

Soll Europa genesen und weiterschreiten, dann muß es in seine „Spiritualität“ zurückkehren. Dieses Modewort soll hier stehen, weil es einen umfassenderen Inhalt hat als „Religion“. Wenn es stimmt, daß das Wort „Spiritualität“ jetzt immer öfter zu hören ist, dann äußert sich darin wenigstens das Empfinden für einen Mangel – ein gutes Zeichen! Sein Inhalt ist freilich nicht zu fassen und ausufernd – ein Nachteil! Insgesamt aber kann es Mißverständnisse ersparen.

Eine alles Dasein überwölbende „große Religion“ ist in Europa verloren gegangen. Die Lage der christlichen Kirchen zeigt es. Die Kirchen ordnen sich folgsam in die zugewiesene Nische der wertepluralistischen Gesellschaft ein. Sie nehmen es hin, daß neue Dogmen verkündet werden, die mehr zählen als die christlichen. Glaubenszweifel haben heute auf anderen Gebieten ihre „tödlichen“ Folgen als auf den biblischen.

Europa ist von sich aus – also nicht erst von seinem mißratenen Ableger in der Neuen Welt angetrieben – in die Form der wertepluralistischen Gesellschaft geschliddert, die außer dem Sinn für Geld keine leitende Idee mehr zusammenhält. Schon Mahatma Gandhi hat das erkannt und ausgesprochen: „Es ist meine feste Überzeugung: das heutige Europa verkörpert nicht den Geist Gottes, … sondern den Geist Satans. Europa ist heute nur dem Namen nach christlich; in Wirklichkeit dient es dem Mammon.“

Stolz nennt sich die westliche Staatengemeinschaft eine „Wertegemeinschaft“. Doch im gleichen Atemzug rühmt sie sich des Wertepluralismus in der „pluralistischen Gesellschaft“. Das Ideal und Ziel dieses Gesellschaftstyps ist die Zerfaserung und Auflösung der Schicksalsgemeinschaften der Völker im Durcheinander und Gegeneinander der vielerlei „Werte“ von Einzel- und Eigeninteressen. Von den gemeinsamen Werten der „Wertegemeinschaft“ bleiben nur die vagen Ideale „Freiheit“, „Demokratie“ und „Menschenrechte“. Wer das Geld und somit die Macht besitzt, kann mit diesen „Werten“ alles anfangen; das führen die USA der Welt gegenwärtig vor.

Das intellektuelle und hypermoralische Gehabe des Gutmenschen, und der tonangebenden Schicht überhaupt, hat mit einer neuen Geistigkeit oder „Spiritualität“ nichts zu tun. Es ist lediglich die Neige der ausrinnenden Intellektualität. Das intellektuelle Gestell der „Westlichen Werte“ verlegt den Weg in die Zukunft Europas, tut das aber nicht allein.

Allerlei Religionsersatz

Die sogenannte Gesellschaft ist banal geschäftsmäßig. Sie strahlt nicht den leisesten Zauber aus, birgt keinen Mythos. Doch das ewig ungestillte Sehnen der Menschen ist geblieben. Der Mensch will sich einen Sinn geben. Dieser – in einem weitesten Sinn verstandene – religiöse Drang bringt neue „Kirchen“ hervor, die von hochgeistigen Ansprüchen in Abstufungen bis hinab zum plattesten Ersatz reichen. Es gibt Bibelkreise, esoterische Zirkel, verschworene Anhänger von allerhand Sportarten, von Gesundheitslehren, es gibt Mitstreiter der Dritte-Welt-Organisationen und des Antifaschismus usw. In der zerfahrenen Gesellschaft finden sich heute Modeschwärme, Grüppchen und Sekten zusammen, die dem pluralistisch ausgesetzten Einzelnen den angenehm engen Horizont bieten und ihm darin seinen letzten Sinn vorgaukeln. Das große Ganze und Gemeinsame ist zu unbequem und anstrengend geworden.

Darin müssen die Maßstäbe wieder zurechtgerückt werden!

Die eines höheren Sinnes entleerte Gesellschaft verkündet zwar den Intellekt als den Leitstern ihres Treibens. In Wirklichkeit dient der Intellekt oft nur dazu, einleuchtende Argumente für das herauszufischen, was – uneingestanden – Ideologie oder Wünsche wollen. Das erklärt die verbreitete Unzugänglichkeit für andere Sachgründe. Die nicht seltene Bereitschaft zum fanatischen Angriff gründet auf einer Art religiösen Eifers. Wenn hier z.B. ein Antifaschist einzuordnen ist, erübrigt sich der Versuch einer Sachaufklärung. Auch gibt es akademisch gebildete, tüchtige Ingenieure, die es ablehnen, revisionistische Literatur zu lesen. Fürchten sie instinktiv um ihre „Religion“?

Zum Religionsersatz ist zweifellos auch der Glaube an die letztgültige und umfassende Wahrheit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse geworden. Sogar diejenigen, die eine große Einheit von Natur und Beseelung anerkennen, scheuen sich einzuräumen, daß auch metaphysische Kräfte das Weltgeschehen mit antreiben könnten. Es sei daran erinnert, daß in der modernen Physik Heisenberg in seiner Quantentheorie auf Grenzen des rational Erfaßbaren hingewiesen hat. Auch Max Planck ist in der Physik übergeordneten Prinzipien begegnet.

Klärungen

Im allgemeinen Bewußtsein ist das dualistische Weltbild fest verankert. Hier ist die Baustelle des ausgebrannten Glaubens. Hier muß neu ausgeschachtet und Neues mit den Bausteinen des vorchristlichen Erbes gebaut werden.

Die fortwirkenden Fesseln der Lehre von der Gottferne des Menschen als Folge einer „Erbsünde“ müssen fallen. Die altnordische und altgriechische Gottverbundenheit des Menschen führt wieder in einen ruhigen Ernst, in eine schöpferische Heiterkeit, in die Selbstachtung, in die Selbstverpflichtung einer – mit den Worten Hölderlins – „heilig nüchternen“ Geistigkeit. Das ist eine Seelenverfassung weit ab von schwärmerisch verzückter, rauschhafter Besinnungslosigkeit, die bisher als besonderer Ausweis von Frömmigkeit galt. Es war nicht nur „gotteslästerlich“, die „Erkenntnis von Gut und Böse“, also den Evolutionsschritt zur Menschwerdung, als „Erbsünde“ zu deuten, es war auch eine nachhaltige Blockade oder Mißweisung. Die eingeredeten Schuldgefühle haben in die Heuchelei und den inneren Zwiespalt geführt. Als Blockade hat die Erbsünde die Europäer jahrhundertelang daran gehindert, ihr angeborenes freies Menschentum fortzuentwickeln. Auch andere christliche Erbstücke müssen erkannt und abgeräumt werden: Sektierertum, Internationalismus und Individualismus. – Das Beharren auf dem alleinigen Besitz eines universell verbindlichen göttlichen Auftrags setzt sich heute im Auftreten der christlich-kapitalistischen Zentrale Washington, dem Rom der „Demokraten“, fort. Sie allein will vorschreiben, was Freiheit, Demokratie und Frieden bedeuten. – Die persönliche Heilserwartung im Jenseits ist der Ansatzpunkt für das Sichlösen vom gemeinsamen Tun. Die „Welt“ wurde dadurch zu einer Art Übungsgerät für gottgefällige Taten, das Mittel zum Zweck, sich die persönliche Zukunft im Jenseits zu sichern. Das hat sich nach dem Verblassen der Jenseitshoffnungen leider verstärkt und auf die diesseitige, sofortige Wunscherfüllung abseits der Gemeinschaft verlegt.

Mit der Erlösungslehre, mit der einen, über alle Völker und Rassen auszubreitenden Heilslehre hat das Christentum dem liberalen Demokratismus, dem Bolschewismus und den gegenwärtigen Beherrschern der USA die Vorstellung von einer universalen Ideologie geliefert, hat also Wege gebahnt. Deshalb nannte Oswald Spengler das Christentum die Großmutter des Kommunismus.

Eine neue Religiosität als Ziel

Obwohl acht von zehn Europäern den EU-Beitritt der Türkei ablehnen, haben ihre Politiker dieser Tage beschlossen, die Verhandlungen mit dem Ziel des Beitritts der Türkei zu beginnen. Daß es dazu noch eines letzten Fußtritts der US-Außenministerin bedurfte, rettet das Ansehen dieser Politiker nicht. Die Verhöhnung der Europäer durch ihre Repräsentanten muß die Frage nach den geistigen Grundlagen dieser „Demokratie“ und „Gesellschaft“ herausfordern und zur Entscheidung bringen. Nach den Signalen von Frankreich und Holland hat die Türkendebatte das Gespür der Europäer für die Bedrohung ihrer Identität immerhin nochmal gezeigt.

Grundlagen, Weg und Ziel sind klar.

Im Mittelpunkt der Politik steht der Mensch. Seine künftige Gestalt darf nicht die durch Parteiungen zersplitterte Abzähl-Nummer sein, zu der ihn die „Gesellschaft“ im Interesse jener Politiker gemacht hat. Die Hoffnung Europas ist vielmehr die eigenständige Persönlichkeit.

Diese Persönlichkeit wächst in der Gemeinschaft heran und erfährt dort ihren Lebenssinn. Sie ist nicht Individualist sondern Charakter. Sie fühlt sich als notwendige Zelle im Organismus des Volkes, beim Gleichklang der Sprache und der Sitte. Sie erlebt ihr Wirken als sinnvollen Beitrag zum Gedeihen des Ganzen, gleich, wo Geschick und Schicksal sie hingestellt haben. An ihrem Platz ist die Persönlichkeit ein Könner und zieht aus dieser Erfahrung ihr Selbstgefühl. Die Summe dieser Seelenkräfte prägt das Selbstgefühl des ganzen Volkes. Sie bildet dessen geistige Form. Dieses Volk schützt seine Eigenart und sorgt vor für seine Zukunft. Es sorgt für die Kranken und Alten. Mit seinen Festen pflegt es die Freude an seiner Gestalt und die Erinnerung an seine Geschichte. Das Volk ist die lebendige Form des Staates.

In dieser Weise wachsen wieder Sitten, Gebräuche und Feste heran, über die hinaus keine Fragen nach den Inhalten und Formen einer kanonisierten Religion, also Konfession, mehr nötig sind. Das volle Leben in dieser Weise ist schon Religion; sie ist dies im Sinn der Worte von Rudolf G. Binding: „Das Göttliche aber trage der Mensch in die Welt.“ Die sinnvolle Ganzheit kennt keine Trennung von „weltlicher“ und „geistlicher“ Herrschaft. Ebensowenig kennt sie einen Grundkonflikt zwischen Bürger und Staat.

Hat diese Idee vom Sinn des Ganzen Wurzeln geschlagen und prägt sie das Bewußtsein der Völker, dann ist es unmöglich, daß diese noch Politiker auftreten lassen, die fremde, volksfeindliche Interessen unterstützen.

Dieses Wissen ist hinter Schutt und Schleiern lange schon vorhanden. Es wartet auf den Ruf, ans Licht zu treten. Der eigentliche Inhalt und umfassende Sinn von Politik ist es, den Aufruf zu wagen und dem Wissen die Wege zur Verwirklichung zu bereiten. Die Gestaltung des Ganzen ist Politik in einem hohen Sinn.

Die Deutschen haben auf diesem Weg eine hervorgehobene Rolle einzunehmen, auch wenn sie diese Tatsache jetzt noch nicht hören wollen.

Deutschland in Frieden und Freiheit!

A. Mitterer, 2005

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