Gottesbegriff

Vorstellungshilfen zur Vermittlung eines artgemäßen Gottesbegriffs.

Von „Gott“ zu sprechen, entspringt der Vorstellung eines persönlichen, „begrenzten“ Wesens, das uns gegenüberstehen könnte. Es ist das überlieferte Bild der christlichen Lehre, das vermutlich den Gottesbegriff unserer Ahnen verdrängt hat. Das christliche Bild scheint so tief verankert zu sein, daß es auch diejenigen weiterhin in sich tragen, die sich von der Christenlehre abgewandt haben.

Den uns gemäßen Weg sollten uns die großen Geister unseres Volkes weisen. Einen tiefgründigen Ansatz zum Weiterdenken bietet der Ausspruch von Meister Eckehart, wonach „Gott ohne mich“ nicht wäre. Seine kurzgefaßte Formel könnte in heutiger Sprache lauten: Ich bin Teil der Summe aller existierenden Lebenskraft, also allen pflanzlichen und tierischen Lebens – und diese Summe aller Lebens- und Seelenkraft ist mit dem gleichzusetzen, was wir das Göttliche nennen. Dieses Göttliche lebt und erlebt sich auch in meiner Person. Es verwirklicht sich in steter Erneuerung in allem, was lebt und „stirbt“. Dieses ewige Werden und Vergehen ist eingebettet in die Summe der Naturgesetze und läuft nach deren Regeln ab. Daraus ist zu folgern, daß auch die Gesetzmäßigkeiten im Naturgeschehen, zusammen mit allen Lebenskräften des Kosmos, die Darstellung des Göttlichen selbst sein müssen.

Diese Vorstellung kommt ohne den Begriff eines persönlichen Schöpfergottes aus; sie bietet dafür keinen Raum. Aber sie kann die Grundlage eines Urvertrauens sein, zu dem der Mensch bewußt gelangen kann, zu dem, was uns die Pflanzen- und Tierwelt wie selbstverständlich vorlebt: Unsterblichkeit zu besitzen als ein unverlierbarer Bestandteil des Kosmos.

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