Grundlagen

1. Was aufzugeben ist

Wir möchten Personen ansprechen, die die Halt- und Orientierungslosigkeit heutiger Zeit spüren und über die Grundfragen des Lebens nachdenken. Alles, was den Völkern einst Halt und Orientierung gab, was uns Volk, Nation und Staat war, wird in Auflösung gestürzt. Bis in die Familien hinein sind praktisch alle Lebensbereiche sogar auf Selbstzerstörung gerichtet. In unserem Gemeinwesen, in dem öffentlichen Leben, weiß heute niemand mehr, was richtig und falsch, was zu erstreben, was zu unterlassen ist. Und im Handeln seiner Vertreter –bis in die Verwaltungen hinab– weiß niemand mehr, was er will, was er soll, kann oder darf.

Wenn wir etwas verändern wollen, muß uns bewußt werden, was denn schädlich oder fehlgeleitet und nicht mehr aufrechtzuerhalten ist. Wir müssen Klarheit darüber erlangen, was denn verändert werden muß.

Das Denken und Verhalten der Menschen ist seit zwei Jahrtausenden durch die Kirchen und in heutiger Zeit durch die Medien fremdbestimmt. Die vielen Milliarden Euro, die in die Medien gepumpt werden, zeigen das hohe Interesse der Machthaber, die Menschen in ihrem Denken und Handeln auf das vorgegebene Ziel auszurichten. Es sind vor allen auch die christlichen Kirchen und Vereinigungen, die an der Auflösung aller bisherigen Grundfesten nicht nur aktiv mitwirken, sie gehören zu den Hauptakteuren. Und weil den Menschen eine natürliche Religiosität innewohnt, vertrauen sie in ihrer Grundhaltung den Kirchen. Sie können sich nicht vorstellen, daß diese eben damit ein verderbliches Spiel treiben. Es ist vor allem das tödliche Gift der Schuldsprechung der Menschen gegenüber dem fremden Gott Jahwe, die ihre gradlinige Fortsetzung in der unserem Volke auferlegten besonderen Schuld findet. Daß ausgerechnet die Kirchen im Willen ihres Gottes an der allgemeinen Zerstörung als hohes Ziel arbeiten, trifft die Seele der Völker und ist besonders verderblich.

1.1 Die Fesselung der Menschen

Wir wenden uns an Personen, die über die Grundfragen des Lebens nachdenken. Unser Denken und Verhalten wird vor allem durch die Erziehung im christlichen Sinne im Elternhaus und Einwirkung der Kirchen vom Kind an und in jüngerer Zeit durch die Medien geprägt. Die Indoktrination geht so tief, daß sie unser Welt- und Selbstverstehen nicht nur beeinflussen, sondern vorgeben und bestimmen. Das nachstehend angeführte Wort bezeugt, daß die Kirchen sich dessen auch bewußt sind, und Geist und Seele der Menschen dem vorgegebenen Ziel folgend prägen.

„Du bist es, künftiger Lehrer und Erzieher, der mit seinem Wirken … die feine Fessel um die bildsame, tonweiche Kindesseele legen wird, die Fessel, die dann unlösbar sich zeigt und unabstreifbar wie die Fenrisfessel.“
(Kardinal Schulte bei der Einweihung der katholischen Pädagogischen Akademie in Bonn 1926.)

Wie erfolgreich, „unlösbar und unabstreifbar“ diese schon der Kinderseele umgelegte Fessel wirkt, zeigen uns die im Christentum gefangenen Gläubigen. Was hier als „Fessel“ bezeichnet ist und als solche ein Leben lang wirkt, ist ein tief im Psychologischen liegendes Merkmal unseres menschlichen Wesens. Wir trachten danach, das Göttliche in unserem Innern zu verwirklichen und wenn uns, wenn der „bildsamen tonweichen“ Kinderseele ein Fremdes oder gar Feindliches und Selbstzerstörendes als vermeintlich Göttliches eingegeben wird, bestimmt eben dies unsere Grundhaltung. So sind vor allem die Priester die ersten Opfer und wirken als Knechte in ihrer „Fenrisfessel.“ Sie selber bezeichnen sich als Diener des fremden „Gottes Jahwe“ und versetzen ihre Gläubigen, ihre Opfer, sogar schon im vorgeburtlichen Stadium in Sündenschuld diesem „Gott“ und seinem Volke gegenüber. „Die Gottlosen sind verkehrt von Mutterschoß an; die Lügner irren von Mutterleib an.“ (Psalm 58; 4) Zu dieser Fessel gehört, daß die Priester den Gläubigen die sogenannte „Erlösung“ durch den Sohn seines Gottesvolkes als Ausweg aus dieser Schuldsprechung einreden.

1.2 Der christliche Gottesbegriff

Wir wenden uns an Personen, die über die Grundfragen des Lebens nachdenken. Die Priester sprechen vom „Gott Israels“ und zwingen ihre Gläubigen, ihn als den ihren und einzig wahren anzuerkennen. Sie selber drücken damit aus, daß es speziell der Gott dieses Volkes ist. Mit dieser Aussage bestätigen sie, daß auch andere Völker ihre Götter haben und sie die christianisierten Völker diesem Fremden unterwerfen. Mit dem Zwang, diesen Gott Israels als eigenen anzunehmen, bestätigen die Priester weiter, daß sie selber keinen Gott haben und unser Volk keinen haben darf.

Mit dem wahrhaft Göttlichen jedoch verbinden die Völker das ihnen zutiefst Wesenseigene. Wird uns –das bedenkend– bewußt, was es bedeutet, ihnen ihre Götter, ihr tiefstes Wesen, verächtlich zu machen und sie in die „Fesseln“ eines fremden, ihnen feindlichen „Gottes“ zu legen! Können wir uns eine verwerflichere Menschen- und Völkerverachtung vorstellen? Diese „Fessel“ ist der christliche Gottesbegriff.

Der Gott eines der kleinsten Völker dieser Erde soll der einzige und wahre sein, sogar der Schöpfer Himmels und der Erde, des ganzen Kosmos, das heißt, dessen Eigentümer. Was sind den Christen die Götter anderer Völker, der Inder, Japaner, Chinesen – eines der ältesten Kulturvölker überhaupt – und damit diese Völker selber? Die Kirchenführer reden so gerne von Diskriminierung anderer Völker und Fremdenfeindlichkeit. Das nachstehend angeführte Wort erklärt, was die den Völkern im Christentum angelegte „Fessel“ bedeutet:

„Stolz solltet ihr wieder darüber empfinden, daß ihr dem Stamme angehört. … Wir haben sie (den Gojim) gelehrt, den Weg zum Göttlichen zu gehen, in uns das Göttliche zu suchen und zu finden; vor und ohne uns hat kein Volk dies vermocht. …. Wieder sollt ihr fühlen, wieder sollt ihr wissen, daß euer Volk das auserwählte ist….“
Oberrabbiner H.P. Chajes in seiner Antrittsrede, Wien, am 3.8.1918, veröffentlicht in: „H.P. Chajes, „Reden und Vorträge“, Wien, 1933, Seite 94)

Das folgende Wort beschreibt, was der Begriff „Gott“ eigentlich bedeutet. Darin mögen wir auch die Hoffnung erkennen, daß wir die Kraft finden, den „Gott“ des Christentums bald abzulegen.

„Diejenige psychologische Tatsache, welche die größte Macht in einem Menschen besitzt, wirkt als „Gott“, weil es immer der überwältigende psychologische Faktor ist, der Gott genannt wird. Sobald ein Gott aufhört, ein überwältigender Faktor zu sein, wird er ein bloßer Name. Sein Wesentliches ist tot, und seine Macht ist dahin. Warum haben die antiken Götter ihr Prestige und ihre Wirkung auf die menschlichen Seelen verloren? Es war, weil die olympischen Götter ihren Dienst getan hatten und ein neues Mysterium begann: Gott wurde Mensch.“ C. G. Jung, Quelle: Psychologie und Religion, Seite 84.

1.3 Die Schuldsprechung

In dem Wort des Gottes der Christen wird den Menschen das Streben, erkennen zu wollen, was „gut und böse“ ist als „Erbschuld“, als nicht auszulöschende Schuld gegenüber diesem Jahwe angelastet. Das bedeutet, sie sollen nicht erkennen, was richtig oder falsch ist, um sich im Leben zurechtzufinden. Allein die Kirchen und ihre Priester wollen ihnen vorgeben, wie sie die Welt, das Leben und sich selber zu betrachten haben. Sie versuchen, auch die menschliche Anständigkeit und Rechtschaffenheit für sich zu belegen und zu vereinnahmen. Nur ein Christ ist ein guter Mensch. Das heißt, sie versuchen, diese Anständigkeit und Rechtschaffenheit zu verwalten. Daraus folgt, daß sie von dieser Rechtschaffenheit auch leben. Das kennzeichnet die ganze Christenepoche. Sie haben die Geistes- und Seelenkraft ausgelaugt, wie Vampire.
Die Kirchen leben ausschließlich von der In-Schuld-Setzung der Menschen und dem Erlösungsversprechen, das sie den Gläubigen geben. Ist nicht jeder christliche Gottesdienst ein Hinweis, eine Bekräftigung, daß der Mensch schuldig sei, gegenüber dem Gott Israels, das heißt auch seinem Volke gegenüber? Sind das Volk und sein Gott doch eins und völlig identisch.
Es müßte den Christen etwas sagen, daß ihr „Gottesvolk“ demgegenüber nicht „schuldig“ ist.

2. Unser Gottesbegriff

Was wir demgegenüber als Gott und Göttliches erkennen, das sagen uns nicht das Jahwevolk und seine Priester, sondern unsere großen Dichter und Denker von der Antike bis in die jüngste Zeit hinein. Mit ihnen erkennen wir Gott und das Göttliche

„in dem unveränderlichen, unbeugsamen Naturgesetze, in der ehrfurchtvollen Stimmung eines nach diesem Gesetze sich richtenden Gemütes, wir suchen ihn im Glanze der Sonne, in der Schönheit der Dinge, die aus dem Schoß unserer Muttererde hervorgehen, in dem wahren Abglanz seines Wesens, dem Anblick unzähliger Gestirne, die am unermeßlichen Saume des einen Himmels leuchten. …. So ist das Universum ein Einziges, Unendliches …. Es wurde nicht geschaffen; denn es gibt kein anderes Sein. … Es geht nicht unter; denn es gibt nichts anderes, wohin es verwandelt werden könnte, da es ja selbst alles ist.“ (Giordano Bruno)

„Gott ist dasselbe, wie seine Schöpfung; er wohnt in jeder ihrer Erscheinungen, aber zugleich ist er auch unnahbar hinter ihnen. Er ist erkennbar und unerkennbar, ist innen und außen, ist König und Bettler, Dunkelheit und Licht. Er ist der Nächste und der Fernste, der in Wolken Verborgene und der Nachbar, der das Klopfen des Wachenden in der Nacht hört; er ist der Duldende und der Ge-setzgebende, der Wald und der Wind!“ (Rainer Maria Rilke)

Sogar in christlichen, in hohen kirchlichen Funktionsträgern lebte das wahrhaft Göttliche noch über Jahrhunderte hinweg fort, so wie es sich in unser Inneres hineingegeben hat, – unter anderem auch in Nicolaus von Cues, der uns ebenfalls sagt:

„Was ist demnach die Welt anderes als die Erscheinung des unsichtbaren Gottes? Was ist Gott anderes als die Unsichtbarkeit des Sichtbaren? Und es ist doch eben das Eine, das in allem Berührbaren berührt wird.“
Diese Aussagen unserer Großen bezeugen, in allen Wesen der Natur und auch in uns Menschen lebt und wirkt das wahrhaft Göttliche sich selber. Das angeführte Wort Hegels drückt eben dies sehr zutreffend und allgemeingültig aus:

„Der Mensch weiß von Gott nur, insofern Gott im Menschen von sich selbst weiß; dieses Wissen ist das Selbstbewußtsein Gottes. Der Geist des Menschen, von Gott zu wissen, ist nur der Geist Gottes selbst.“
Diese Aussage gilt sogar für die Funktionsträger der Kirchen, für ihre „Geistlichen“ und ihre Gläubigen; denn in ihnen weiß Gott nichts von sich selber. Sie geben sich in den Dienst eines fremden. Würde uns doch wieder voll bewußt, was neben so vielen unserer Großen auch Pestalozzi als selbst-verständlich in sich wirkend empfand:

„Es ist im Innern unserer Natur ein heiliges göttliches Wesen, durch dessen Bildung und Pflege der Mensch sich allein zu der inneren Würde seiner Natur erheben, durch die allein er Mensch zu werden vermag.“
Können wir uns vorstellen, welche innere tiefe Ruhe, Festigkeit und freudige Schaffenskraft in uns aufkommen müßte, würde uns dies wieder voll bewußt? Unsere Großen in ihrem Kulturschaffen haben es uns vorgelebt. Wirkte das wahrhaft Göttliche in ihnen doch sich selbst. Durch sie spricht das Wesenhafte unseres Volkes, dessen Geist und Seele.

2.2 Das Religiöse Leben

Alles Leben und das Leben erwirkende findet seine Entsprechung im Gegenständlichen, Seelischen und im Geistigen. Das gleiche und einheitliche Wirken lehren uns sogar die Naturwissenschaften. Es ist das Göttliche in der einfachen Körperzelle und in den höchsten Sphären allen Daseins. Unser Wahrnehmen der „Wirklichkeit“ und Denken sucht über das bereits erkannte hinauszugreifen. Hier finden wir den in unserem Innern liegenden Beweis, daß das bisher Erkannte vieles offenhält und wir eins sind und verbunden mit der Tiefe dieser Welt. Es gibt eine tiefere, zeitlose absolute Ordnung jenseits der Wirrungen und Zufälligkeiten an der Oberfläche der Geschehenabläufe.

So erkennen wir in allem Lebendigen das Göttliche selbst. Es ist in dem ewigen Lebenskreis des Werdens und Vergehens aufgehoben. Wir sehen es unter anderem im Tages-, im Jahres-, im Lebenskreis. Das Göttliche in diesen Lebenskreisen der Natur, des Kosmos schwingt in unserem Innern mit, und wir verleihen ihm in den Kulthandlungen und im Brauchtum Form und Gestalt.

Das Brauchtum ist gelebte Religion. Wir erinnern:

In vorchristlicher Zeit war die Pflege des Kultes vornehmste Aufgabe des Königs. Er war die Mitte seines Volkes, und ihn kam es zu, es darin zu unterweisen, sich als Träger des Göttlichen und als lebendiger Teil des Kosmos zu begreifen, sich im Kosmos eingebunden und von den dort wirkenden Kräften getragen zu wissen. Das erkennend und würdigend schrieb auch Aristoteles: „Der König erhält seine Würde dadurch, daß er Bewahrer und Vollstrecker des gemeinschaftlichen Kultus ist.“

Das war in früherer Zeit die Würde des Königs. Uns Heutigen fällt es schwer zu begreifen, was das bedeutet: Das Volk ist eins und völlig identisch mit den wahrhaft Göttlichen im Kosmos. So wurde das Brauchtum als innerseelisches „Mitschwingen“ des Geschehens in der Natur und im Kosmos gepflegt, wie die Völker es ihrem Wesen gemäß wahrnehmen.

Die einstigen Kultspiele (nur ein Beispiel) waren denn auch so angelegt, daß in der Sommersonnen- wende der schwarze Reiter den Sieg davontrug, in der Wintersonnenwende besiegte der weiße den schwarzen. In den sogenannten Ritterkämpfen des Mittelalters lebte dies zwar noch fort, der einstige Bedeutungsinhalt aber war verlorengegangen. In den Kulthandlungen und gepflegten Bräuchen jedoch wird noch heute der Lauf der Sonne durch den Jahreskreis nachempfunden. Da schwingt in unserer Seele noch immer etwas vom Leben und Walten im Kosmos mit.

Wenn beispielhaft in der Sommersonnenwende ein Feuerrad den Berg hinabrollt, so schildert es die im Jahreskreis (der Reifen) fortan schwindende belebende Kraft der Sonne. Die gleiche Bedeutung liegt im Brauch des Sonnenfeuers. In der Wintersonnenwende, dem Fest der Lichtgeburt, gedenken wir der Wiederkehr der die Natur neu erweckenden Lebenskraft. Und zur Zeit des Ostara-Festes sehen wir die Wiederkehr dieser Kraft in ihrer Vollkommenheit. Das ist die sogenannte „Auferstehung“, die im Christentum Jesus zugeschrieben wird.
Wenn wir wieder die Verbindung zum wahrhaft Göttlichen in der Natur und im Kosmos finden wollen, müssen wir auch unserem Brauchtum den einstigen Bedeutungsinhalt wieder zurückgeben und es von der Umdeutung im christlichen Sinne „reinigen“. Erst dann ist es unser Brauchtum, leben aus unserer Seelentiefe heraus, gelebte Religion. Und das gilt ebenso für die familiären Kulthandlungen im Sinne unserer natürlichen Religiosität, unserer Geistes- und Seelenart.

„Alles, was der Mensch recht tut, mit aller Kraft ausübt, ist Gottesdienst.“ (Ludwig Tieck)

2.3 Der Tod

Die Kirchen versetzen die Menschen in Angst vor dem Tode und reden ihnen eine Erlösung durch Jesus als Ausweg ein. Doch Menschen in Angst und Schrecken versetzen, das nennen wir heute so gerne „Terror“. Vertrauen Christen ihrer Lebensführung so wenig, daß sie glauben, erlösungsbedürftig zu sein? Ausgerechnet durch jenen Gott (sh. Dreieinigkeit), der sie in die „Erbschuld“ wirft und herabwürdigt, der sie alle am „Ende der Zeit“ vernichten will!

Ach! Die Gläubigen lieben ihre Haustiere. Ihre „Lieben“ gehen den Weg allen Daseins und fürchten sich nicht. Wovor sollten Menschen, die ein rechtschaffendes, sittengerechtes Leben geführt haben, sich also fürchten? Alles Leben ist ein immerwährendes Werden und Vergehen zum Neuentstehen. Nichts vergeht, vor allem das Göttliche nicht, das auch in uns sich selber lebt.

Liegt in der Verinnerlichung der ewigen Wiederkehr doch eine Gleichsetzung mit dem Leben an sich und mit dieser Welt.

3. Unser Volk

Wir Deutsche sind ein zutiefst „religiöses“ Volk und tragen als letzte Gewißheit in uns, daß alles Geschehen dieser Welt einen höheren Sinn haben muß. Wir streben in unserem ganzen Wesen nach einer „Religion“, die mit Erkenntnis der Natur verbunden und auf Wissenschaft gegründet ist. Bedeutete in früherer Zeit Naturerkenntnis doch Gotterkenntnis. In diesem Streben folgen wir einer inneren Weisung. Die Wiedergeburt der sogenannten „Religion“ als höchste Wissenschaft, das ist die Aufgabe des deutschen Geistes, das bestimmte Ziel aller seiner Bestrebungen. Unseren großen Kulturschaffenden ging es darum nicht um Gefühle oder Erlebnisse, sondern um Seelenbildung und Menschengestaltung im höchsten Sinne, um das hohe Bild des Menschen in seiner göttlichen Natur, das in ihm als Ewiges lebt und nach Verwirklichung drängt.

Das Zeitgeschehen verlangt, uns wieder neu ins Leben zu stellen, uns selber zu finden. Das setzt voraus, jede Art von Herabsetzung und In-Schuld-Setznng abzulegen und zurückzuweisen und uns unseres göttlichen Wesens wieder voll bewußt zu werden. Wir müssen das Christentum innerlich überwinden und weit von uns werfen. Weil wir im wahrsten Sinne des Wortes selbstverloren in der Welt stehen, müssen Persönlichkeiten anderer Völker uns sagen, was sie (als Außenstehende) in unserem deutschen Wesen erkennen. Sie sagen uns, was nicht nur die Menschheit, sondern das Göttliche in der Menschenwelt als Pflichterfüllung von uns erwartet. Sie erinnern uns daran: Das Schicksal der Menschheit, der Welt ist unserem Volke auf die Schultern gelegt. Das nachstehende Wort des Engländers Houston Stewart Chamberlain möchte unser Gewissen, und das ist die Stimme des Göttlichen in unserem Innern, wachrütteln:

Sevilla, Dienstag, den 23. Mai 1876

„….Ich kann Dir gar nicht sagen, wie meine Verehrung, meine leidenschaftliche Liebe für, mein Glaube an Deutschland zunimmt. Je mehr ich andere Nationen kennen lerne, je mehr ich mit Leuten, gebildeten und ungebildeten, aller Klassen aus allen Völkern Europas verkehre, desto mehr liebe ich Deutschland und die Deutschen. Mein Glaube, daß die Zukunft Europas, d.h. die Zivilisation der Welt, Deutschland in den Händen liegt, ist zur Sicherheit geworden. Das Leben des Deutschen ist ein anderes, als das von anderen Menschen; in ihm hat das Selbstbewußtsein, das Gefühl seiner Würde den Höhepunkt erreicht; er ist zu gleicher Zeit der Dichter und der praktische Organisator, der Denker und der Thuer, der Mann des Friedens par excellence und der beste Soldat, der Zweifler und der Einzige, der im Stande ist, wirklich zu glauben. Aber wie immer, je größer die Gaben, desto größer die Aufgabe. Deutschlands Aufgabe ist eine kolossal schwierige, und wenn es sie erfüllen wollen soll, so muß die ganze Nation sie begreifen und alle zusammen wie ein Mann nach ihrer Erfüllung streben. Nicht bloß hat sie an sich selbst noch so viel zu tun, so viel zu entwickeln, sondern während dies fortgeht, muß sie sich allein gegen die Feindseligkeit und die Verkennung ganz Europas aufrecht erhalten. Wenn man nicht selbst sich mitten im Strome befindet, sondern von der Ferne aus, den Lauf der Dinge beobachten kann, so muß man sich fragen: wird Deutschland diese Aufgabe erfüllen können; wird es sie erfüllen können? Und wenn man auch von ganzem Herzen unbefangen das Land liebt und keine Wolke darüber hängen sehen möchte, so ist man gezwungen, – nein, wenn die gründlich verrotteten unmoralischen Verhältnisse sich nicht bessern … wenn die ganze Nation nicht einsieht, daß Reinheit die größte Kraft eines Volkes ist, daß, wenn die Zukunft Europas von Deutschland abhängt, Deutschland nur dann eine Zukunft haben kann, wenn man den jetzigen Zustand vom Grunde aus angreift und gegen die ganze übrige Welt die Moralität als Hauptwaffe erhebt, – wenn sie das nicht einsieht, dann muß sie auch bald fallen, – fallen, ohne ihre Aufgabe vollendet zu haben, eine Beute von Babaren. — (Ach Gott! Was für ein Deutsch schreibe ich, sei mir nicht böse, denn ich bin ja kein Deutscher.)

….. Ach du geliebte deutsche Nation, wirst du denn nie die Größe deiner Aufgabe entdecken, und einsehen, daß deine Wege nicht die der anderen Völker sein dürfen? – ”

Auch das nachstehende Wort vermittelt uns etwas von der Besonderheit unseres deutschen Volkes, die in unseren Großen „aufgebrochen“ und in die Welt gekommen ist. Wie ist es möglich, daß Jakob Böhme (nur einer von vielen) vor Jahrhunderten bereits erfahren und beschreiben konnte, was in heutiger Zeit über uns hereinbricht? In seinem Innern muß sich das Geschehen in der Weltentiefe widergespiegelt haben, – so klar und kraftvoll, daß er es in Worte fassen konnte. Er schrieb:

„.. Wenn unser Land seine rechte Gestalt gewonnen haben wird, dann wird die Zeit des hellen Bewußtseins für die Welt anbrechen. …. Das Reich des neuen Geistes wird kommen. …. Wenn dieser Tag anbrechen wird, ist die Krankheit der Welt zum Tode gediehen. Es werden sich nicht nur Völker untereinander fressen, sondern Erdteile werden gegeneinander aufstehen, und sie werden mit Fahnen des Bösen wider einander streiten. ….
Dann wird unser Glaube an die Allmacht des Geistes zur Offenbarung werden; denn das Innere der Erkenntnis wird auf der Erde anbrechen, die böse Nacht wird in einer Morgenröte zergehen, die einen hellen und freudenreichen Tag verkündet. Der Mensch wird stark und freudig sein. …..
Er wird unschuldig und lebensvoll sein; denn man wird nicht mehr Schwachheit anbeten, sondern man wird sich des Ebenbildes Gottes bewußt sein und aufrecht schreiten. …
Und es wird ein Mensch sein, dem Zeit ist die Ewigkeit und Ewigkeit die Zeit. … Er wird wissen, daß die Vergänglichkeit nichts ist als Verwandlung des ewigen Lebens, und er wird unerschüttert darin stehen. ….
Denn der Mensch ist so groß, als er will. Die Qual wird von ihm genommen werden durch ihn selbst. Denn wie es nichts Höheres gibt als die Seele, so gibt es auch nichts, das sie zerbrechen kann. Es ist alles unter ihr und in ihr. Drum mag die Welt toben mit ihren Schauern und ihrer Qual. Der Mensch ist mächtiger als sein Schicksal. …..“
Daß wir uns unseres deutschen Wesens doch endlich wieder voll bewußt werden!

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