Karlheinz Baumgartl: Wir sind Sonne

Karlheinz Baumgartl

 

W I R   S I N D   S O N N E

Eine naturwissenschaftliche Betrachtung über die Menschwerdung

 

                                            “Die Germanen verehren die Sonne, das Feuer und den Mond, andere Götter kennen sie nicht einmal dem Namen nach.”

(G. Julius Caesar „de bello gallico“  lib. VI. 21)

 

An unseren Hochschulen gibt es Lehrstühle für alle Religionen, nur eine fehlt: unsere eigene Religion, in der einst die Verehrung der Sonne im Mittelpunkt stand. Die Sonne war unseren Vorfahren nicht nur der Ursprung, aus dem alles gewachsen ist. Sie war nicht nur der Motor, der alle Kreisläufe in Bewegung hielt. Unseren Vorfahren war die Sonne der sichtbare Ausdruck der Schöpferkraft, die ihnen alles gab, was sie zum Leben und zu ihrem Glück brauchten. Und sie gaben ihr dafür Ehrfurcht und Dank. –  Herman Wirth (1885-1981) beschrieb die Menschen der Steinzeit in seinem Buch „Die Heilige Urschrift der Menschheit“ als „die erstmals zu vollem Bewusstsein gekommene  Menschheit“.

Die Himmelskunde in Alteuropa ist als die älteste Wissenschaft die Wurzel der Kultur. Kult-ur als Ur-kult war einst die Darstellung der dramatischen, alljährlich sich am Himmel vollziehenden Ereignisse. Diese kultischen Rituale gaben den Menschen immer wieder die Antwort auf die Frage nach der Not von Dunkelheit und Kälte im Winter. Sie erfuhren von dem Kreislauf der Jahreszeiten und dass es nach dem alljährlichen Tiefststand der Sonne wieder aufwärts geht mit der Sonne und dem Leben. –

Die Anfänge der Himmelsbeobachtung liegen zigtausende Jahre zurück. Das Ergebnis ist bis heute jedem denkenden Menschen nachvollziehbar: in Europa stehen nämlich die ersten tausend Sternwarten der Menschheit. Sie sind 4.000 bis 7.000 Jahre alt. Alexander Thom (Schottland) und Rolf Müller (Deutschland) haben das in ihren Arbeiten bewiesen. Das berühmte „Stonehenge“ in Südengland war ein Sonne-Mond-Heiligtum, ein Sonne-Mond-Kalender oder allgemein gesagt, eine Zeitmessanlage, die älter ist als die Cheopspyramide in Ägypten. Die Reste dieser Steinsetzungen zeugen von der einstigen Hochkultur Germaniens. Vom Ural bis Atlantik, von Skandinavien bis in den nordafrikanischen Bereich finden wir die astralen Strukturen in Form von Steinsetzungen.. Diese Sternwarten beweisen auch die Seßhaftigkeit einer Urbevölkerung in Europa, denn nur sesshafte Menschen konnten über große Zeiträume das Ergebnis dieser hohen Himmelskunde aus dem immer gleichen Standort schaffen. Niemals konnte dieses lokalspezifische Wissen von eingewanderten Nomaden importiert oder von umherziehenden Jägern geschaffen worden sein. Viele Generationen seßhafter Bauern und Gärtner haben diese Kultur geschaffen. Und sie haben ihr Wissen nicht von einer  politischen Obrigkeit erhalten (wie die Menschen  heute). Der Lehrmeister unserer Vorfahren war der Himmel bzw. die Sonne.

Unsere Sonne ist ein Stern. Alle Sterne sind Sonnen. In der Sonne entstehen alle Stoffe, die unser Leben ausmachen. Die 106 Elemente der Natur sind in der Sonne entstanden. Nach griechischem Muster gibt es die vier Elemente von Erde, Feuer, Luft und Wasser. Das Wort „Element“ (lateinisch-germanisch) bedeutet Grundstoff. Die heutige, naturwissenschaftliche Sicht über die Grundstoffe (Elemente) des Lebens ist deutlich erweitert zu verstehen. Erde, Feuer, Luft und Wasser bestehen demnach jeweils aus vielen Elementen, nämlich aus Atomen, die chemisch nicht teilbar sind. Im „Periodensystem“ sind alle 106 Elemente der Natur aufgereiht. Diese Ordnung der Elemente führt bei näherer Betrachtung zur Antwort auf die entscheidende Frage des Menschen, was Leben im Universum bedeutet.

Das physikalische Wachstum in der Sonne

Woher kommen diese 106 Elemente ? Wie sind diese entstanden ? Woher kommt der „Wasserstoff“ ?  Im Aufbau der Elemente stehen „Wasserstoff“ und „Helium“ am Anfang, denn es sind die einfachsten Bausteine der Natur. Man beachte (siehe Tabelle unten), daß fast die gesamte Menge der Materie im Universum aus Wasserstoff und Helium besteht. Die Bildung aller anderen Elemente sind verhältnismäßig seltenen Prozessen im Leben der Sterne zuzuschreiben. Schon um 1815 vermutete der Engländer William Prout, daß alle Elemente des Universums aus Wasserstoffatomen entstehen. Wie man heute weiß, entwickeln sich tatsächlich alle 106 Elemente aus dem einfachsten Element, den die Physiker „Wasserstoff“ nennen. Zur Umwandlung der Elemente schreibt Prof.  Fowler, daß fast alle Atomkerne leicht Neutronen einfangen. Aber es werden auch immer wieder Protonen bzw.  Neutronen abgespalten, die zu neuen Wasserstoffatomen werden.  Kein Element besteht ewig. Es sind Kreisläufe innerhalb dieses Wachstums, an dessen Anfang immer der Wasserstoff steht.

Einige Astrophysiker behaupten, dass die höheren Elemente wie z.B. Blei und Uran nur in den Explosionen der Supernovae aufgrund der extremen Temperaturen entstehen könnten. Aber für diese Behauptung gibt es keine Beweise, also gilt nach den Regeln geistiger Auseinandersetzung das Naheliegende: alle 106 Elemente entstehen in der Sonne. –  Der Wasserstoff ist der Grundstoff des Universums, aus dem alles (!) entsteht. Bei diesen Umwandlungen werden Teile der Materie in Energie gewandelt. Wir erkennen somit auch die Einheit von Materie und Energie. Energie entsteht aus Materie. Ohne Materie gäbe es keine Energie und ohne Energie gäbe es keine Materie. Materie und Energie sind verschiedene Zustandsformen.

Element Anteile
Wasserstoff 1.000,00
Helium 278,00
Sauerstoff 11,80
Kohlenstoff 4,50
Neon 2,20
Stickstoff 1,60
Magnesium 0,81
Silizium 0,88
Eisen 1,46
Argon 0,14
Schwefel 0,50
Aluminium 0,72
Kalzium 0,09
Natrium 0,04
Nickel 0,09
Phosphor 0,0094
Kalium 0,0052
Andere 0,003
Der Stoff, aus dem das Universum besteht

Das Universum besteht aus den 106 Elementen der Natur. Die Vielfalt der Erscheinungen im Universum ergibt sich aus der Kombination dieser 106 Elemente zueinander durch die Vielzahl der chemischen Verbindungen.

Die Tabelle links zeigt die relative Häufigkeit der Elemente im Weltall. Die Verteilung spiegelt die Entwicklung der Materie. Der einfachste Baustein ist am häufigsten vertreten und steht am Anfang, der Wasserstoff. Er ist der Grundstoff des Universums, aus dem alles entsteht. Der schwerste Baustein (ent-)steht am Schluß. Sowohl beim Aufbau der Elemente als auch bei deren Zerfall entstehen immer wieder Protonen und somit neuer Wasserstoff. Damit wird ein Kreislauf geschlossen, ein ewiger Kreislauf. Das Universum hat kein Alter: es ist immer wieder der gleiche Stoff, der sich entwickelt zu Sternen (Sonnen), zu Planeten und zu neuem Leben.

Grundlage dieser Erkenntnisse ist die Spektralanalyse nach Joseph von Fraunhofer (1787-1826), Anders J. Angström (1814-1874), Gustav Robert Kirchhoff (1824-1887) und Robert Wilhelm Bunsen (1811-1899). Prof. William A. Fowler (California Institute of Technology); „Die Häufigkeit der Elemente geben uns Aufschluß über die Entwicklung der Materie, die Häufigkeit ist das Ergebnis aller Vorgänge.” Man geht von der Erkenntnis aus, daß in der Sonne (wie in allen Sternen) ständig Kernreaktionen vor sich gehen, die diese Verteilung bedingen. Dabei erfolgt der Aufbau der Elemente bis (leichter als) Eisen „exotherm“, d.h. die Verschmelzung der Atome erfolgt mit Energieabgabe. Der Aufbau der höheren Elemente (schwerer als Eisen) erfolgt „endotherm“, d.h. die Verschmelzung der Atome erfolgt durch Energieaufnahme. Beim Zerfall der Elemente (Spaltung) ist es genau umgekehrt. Die dafür notwendigen Energien  (Temperaturen) können im Zentrum der Sonne nur geschätzt werden.

Der Sonnenwind und das weitere Wachstum aus der Sonne

Diese Elemente werden in der Sonne aufgebaut und durch den Sonnenwind in den Weltraum geblasen. Der Sonnenwind ist eine wichtige Erkenntnis der jüngeren Forschung, nämlich die Tatsache, daß unsere Sonne nicht nur Licht und Wärme abgibt, sondern ihre eigene Substanz hinausbläst. Diese Substanz unserer Sonne wird von den Planeten und Monden „im Fluge“ aufgenommen, auch von unserer Erde. Die Wissenschaftler schätzen, daß täglich ca. 6.000 Tonnen Stoff der Sonne auf die oberen Luftschichten der Erde gelangen und langsam auf die Erde niedergehen. Der Sonnenwind wird erkennbar im Nordlicht (Polarlicht). Wenn Sonnenteilchen auf die oberen Luftschichten der Erde treffen, kommt es zu elektrischer Entladung der verschiedenen Kräfte von Sonne und Erde. Das Polarlicht ist eines der eindrucksvollsten Schauspiele der Natur: es erscheint uns so, als wenn sich bunte Vorhänge langsam im Wind bewegen.

Der Sonnenwind besteht zu 70% aus Protonen (Wasserstoff), zu 28% aus Helium und ca. 2% aus den Elementen wie Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Natrium, Magnesium, Schwefel (Kosmos Himmelsjahr 1988). Von den 106 chemischen Elementen sind bisher mehr als 70 im Sonnenbereich nachgewiesen worden. Es gibt also nicht nur ein biologisches Wachstum, wie wir das in der Schule gelernt haben, sondern schon lange vorher in der Sonne ein physikalisches Wachstum (der Aufbau der Elemente). Die Sonne bläst diese Elemente als Sonnenwind hinaus. Außerhalb der Sonne beginnt das chemische Wachstum mit der Bildung der ungeheuren Vielfalt der chemischen Verbindungen. Daraus entwickelt sich hier auf der Erde das biologische Wachstum über Pflanze, Tier und Mensch bis hin zum seelischen und geistigen Wachstum. Das ist ein Zusammenhang, der seinen Ursprung in der Sonne hat. Die Sonne ist der Ursprung des Lebens.

Die Sonne macht mehr als 99,9 % der Gesamtmasse des Sonnensystems aus, oder anders gesagt, alle Planeten zusammengenommen machen nur weniger als 0.1 % der Gesamtmasse im Sonnensystem aus. Und das bestimmt natürlich die Kräfteverhältnisse. Die Sonne ist der dominierende Faktor. Das, was wir von der Sonne sehen, ist nur das brennende Zentrum.  Das, was unser Auge von der Sonne wahrnimmt, ist nur der kleinste Teil ihres Volumens, während die Sonne insgesamt mit ihrem Stoff und mit ihrer Energie vieltausendmal weiter reicht als die Planeten.  Man kann also die Planeten insgesamt verstehen als eine dünne Schicht in dem Stern Sonne.  Wir leben mit unserer Erde buchstäblich  i n  der Sonne.

In diesem Sinne spricht der russische Sonnenforscher Alexander Tschishewski über die neue Weltsicht, die sich ihm ergeben hat.  Er fragt: „Wo endet die Sonne ?“ -, um darauf folgende Antwort zu geben: „Einem in der Astronomie nicht bewanderten Beobachter mag es erscheinen, als ob die Sonne am abgegrenzten Rand der Sonnenscheibe ende. Das ist jedoch ein Trugschluß.“ Und nachdem er alle diesbezüglichen Beobachtungsergebnisse mitgeteilt hat, kommt er „zu der paradoxen Schlußfolgerung …. daß wir nicht nur auf der Erde leben, sondern auch Bewohner des Sonnenraumes sind. Wir leben in Wirklichtkeit buchstäblich mitten in der Sonne.“

Die so formulierte Einsicht bedeutet für Tschishewski, daß er eine ganz neue Wissenschaft zu begründen hat, die Heliobiologie, in der alle Lebensprozesse des großen Organismus „Sonne“ im Zusammenhang betrachtet werden.  Dieses neue Forschungsgebiet wird seither in Rußland an vielen Universitäten bearbeitet.  Der Initiator selbst wurde für seine bahnbrechenden Leistungen nach der Sitte des Landes mit zahlreichen Preis- und Ordensverleihungen geehrt.

Das große Ereignis: aus Licht wird Leben.

Mit den zuvor beschriebenen Gedanken wird diese für den Menschen entscheidende Frage, was Leben bedeutet, einer Antwort zugeführt. Es ist die „Photosynthese“, der Aufbau des Lebens aus dem Licht der Sonne. „Leben“ ist kein Zufall, es sei denn wir verstehen dieses Ereignis als das, was uns nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung „zu-fällt“. „Leben“ ist eine Eigenschaft des kosmischen Stoffes, so wie das Licht und die Wärme. Unser eigenes Leben ist der Beweis für die Fähigkeit des Universums, Lebensformen zu schaffen, die Gefühl und Erkennen (Bewusstsein) hervorbringen. Aus der Sonne wuchsen die Planeten. Aus der Sonne wuchsen nicht nur Pflanzen, Fische und Vögel. Aus der Sonne wuchs schließlich der fühlende und erkennende Mensch. Das ist das große Ereignis der langen Erdgeschichte, daß der Stoff der Sonne sich entwickelt hat über das physikalische, chemische, biologische, seelische Wachstum bis in das erkennende Bewusstsein. Der Mensch ist denkende Substanz der Sonne. Wir Menschen sind selber die Sonne, denn wir sind aus ihr gewachsen.

Anders gesagt: die Sonne wird sich durch den erkennenden Menschen ihrer selbst bewusst. Die Sonne kann nicht denken, aber sie entwickelt ihre Strukturen über große Zeiträume bis hin zum fühlenden und erkennenden Menschen. Die erkennende Menschheit ist das Bewusstsein der Sonne. Teilhard de Jardin (Jurist und Theologe, 1881-1955) bezeichnet die erkennende Menschheit als „das Bewusstsein Gottes“. „Leben“ ist eine Eigenschaft des kosmischen Stoffes, so wie das Licht und die Wärme. Was das Universum einmal hervorgebracht hat, nämlich Leben mit Gefühl und Bewusstsein, wird es immer wieder hervorbringen. Das Universum ist ewig (also immer !) ein sich erkennendes Universum. Ein alter Spruch beschreibt bildhaft dieses Ereignis:

„Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und denkt im Menschen.“

Literatur:

  • K, Baumgartl „Die Sonne –  Stern und Ursprung des Lebens“, Broschüre, 44 Seiten
  • Baumgartl „DER TEIL DES GANZEN“ (1980, erweiterte Neuauflage 2007, 120 Seiten)

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Der Autor arbeitet als Naturwissenschaftler frei in der Volksbildung, also unabhängig von jeder Institution. Seine Vorträge beinhalten Themen zu Kosmologie und Kulturgeschichte, wobei an anderer Stelle auch der Gartenbau (als Kulturgut) und die Bedeutung der vegetarischen Ernährung behandelt werden. Der folgende Aufsatz ist das Schlüsselthema zu der Frage „Was bedeutet Leben im Universum ?“

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